Für Cardano kam der regulatorische Durchbruch zu spät: Nur zwei Tage bevor ADA eine wichtige SEC-Voraussetzung für einen vereinfachten Weg zu einem Spot-ETF erfüllte, zog Grayscale seinen Antrag für den Cardano Trust ETF zurück. Damit steht ADA nun in einer paradoxen Situation: regulatorisch besser aufgestellt als zuvor, aber vorerst ohne Sponsor für einen dedizierten US-Spot-ETF.
Grayscale steigt aus, kurz bevor ADA die entscheidende Hürde nimmt
Am 7. August 2026 teilte Grayscale der US-Börsenaufsicht SEC mit, dass man die Registrierung für den Cardano Trust ETF freiwillig zurückzieht. Als Begründung hieß es lediglich, dass man die geplante Ausgabe nicht weiterverfolgen wolle. Fast zeitgleich zog Grayscale auch Registrierungen für Produkte auf Hedera und Polkadot zurück.
Nur zwei Tage später, am 9. August, erreichte ADA dann einen wichtigen Meilenstein: Die regulierten CME-Futures auf Cardano waren seit sechs Monaten im Handel. Genau diese sechsmonatige Historie gilt im generischen Listing-Rahmen der SEC als eine mögliche Voraussetzung, um einen Spot-ETF auf einen Rohstoff-ähnlichen Basiswert leichter an den Markt zu bringen.
Das bedeutet: Cardano wäre ab diesem Zeitpunkt regulatorisch in einer besseren Position für einen Spot-ETF gewesen. Doch ausgerechnet der letzte verbleibende dedizierte Antrag war da bereits vom Tisch.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Fakten und Interpretation: Fakt ist, dass Grayscale den Antrag zurückgezogen hat. Fakt ist auch, dass ADA kurz darauf die Sechs-Monats-Marke bei den CME-Futures überschritten hat. Nicht bestätigt ist dagegen, warum Grayscale genau zu diesem Zeitpunkt ausgestiegen ist. Dass andere Altcoin-Registrierungen wie etwa für Bittensor, Aave, BNB, NEAR oder Zcash aktiv blieben, spricht eher für eine übergeordnete Produktentscheidung als für ein spezifisches Problem bei Cardano.
Warum ADA trotz Futures und Indexfonds weiter ein echtes Spot-Produkt fehlt
Mit dem Rückzug von Grayscale gibt es derzeit keinen aktiven dedizierten US-Spot-ETF-Antrag, der direkt ADA halten würde. Genau das wäre aber für den Markt besonders relevant gewesen: Ein solcher Fonds hätte neue Investorengelder unmittelbar in Käufe von ADA umleiten können, sobald neue ETF-Anteile geschaffen werden.
Andere Anlagevehikel ersetzen diesen Effekt nur teilweise. Es gibt zwar bereits einen Cardano-Futures-ETF von Volatility Shares, doch dieser investiert laut Prospekt nicht direkt in ADA, sondern vor allem in CME-Futures. Zusammen brachten die Standard- und Hebelvariante zuletzt nur rund 1,26 Millionen US-Dollar an Nettovermögen auf – gemessen an Cardanos Marktkapitalisierung von etwa 7,1 Milliarden US-Dollar ist das kaum der Rede wert.
Auch Krypto-Indexprodukte helfen ADA nur begrenzt. In solchen Fonds ist Cardano meist nur ein kleiner Baustein und kann je nach Indexregeln reduziert oder ganz entfernt werden. So hatte Grayscale ADA bereits in einem früheren Rebalancing aus einem Multi-Asset-Produkt herausgenommen. Franklin Templetons Crypto Index ETF hält ADA zwar noch, aber nur in sehr kleinem Umfang.
Der entscheidende Unterschied ist daher klar: Ein dedizierter Spot-ETF würde eigenständige Nachfrage nach ADA bündeln. Futures-Produkte und Indexfonds tun das nicht in derselben Form.
Cardano hat nun den regulatorischen Weg frei – aber niemand läuft ihn
Unter den neuen generischen SEC-Standards können bestimmte Krypto-ETPs deutlich schneller gelistet werden, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Dann ist kein separater, langwieriger 19b-4-Prozess für jedes einzelne Produkt nötig, der sich sonst über viele Monate ziehen kann. Genau hier liegt die eigentliche Bedeutung der sechsmonatigen Futures-Historie von ADA: Cardano hätte nun grundsätzlich den schnelleren Weg zu einem Spot-ETF nutzen können.
Damit ergeben sich zwei mögliche Szenarien. Im positiven Fall springt ein anderer Emittent ein und reicht zeitnah einen neuen Spot-ETF-Antrag für ADA ein. Dann könnte Cardano trotz Grayscales Rückzug von der nun günstigeren regulatorischen Ausgangslage profitieren.
Im negativen Fall wenden sich Anbieter lieber anderen Token zu, bei denen sie die Nachfrage höher einschätzen – etwa Solana, XRP, Dogecoin oder BNB. Dann bliebe Cardano zwar formal ETF-fähiger als zuvor, aber ohne institutionellen Sponsor und ohne den Nachfragekanal, den ein echter Spot-ETF eröffnen würde.
Unterm Strich ist die Lage ungewöhnlich: Cardano hat die regulatorische Hürde genommen, die einen Spot-ETF realistischer machen sollte. Doch genau in diesem Moment fehlt der Antragsteller, der daraus Kapital schlagen könnte. Ob ADA davon am Ende profitiert, hängt nun weniger von der SEC ab als von der Frage, ob ein neuer Anbieter bereit ist, die Lücke zu füllen.