Bitcoin notiert bei knapp über 60.000 US-Dollar und damit deutlich unter den geschätzten Kosten zur Produktion eines BTC in Höhe von rund 84.000 US-Dollar. Über Wochen liegt der Kurs nun unter diesen geschätzten Produktionskosten. Die Blockchain lief dennoch weiter, doch für Miner wird das Umfeld zur Belastungsprobe: Bestände werden abgebaut, und viele Betreiber suchen Erlöse außerhalb des klassischen Mining-Geschäfts.
Difficulty fällt deutlich: das Netzwerk korrigiert
Mitte Juni reagierte das Netzwerk mit einer spürbaren Anpassung: Die Mining-Schwierigkeit sank um knapp 10 Prozent. Galaxy Research ordnete die Veränderung als zweitgrößte Abwärtskorrektur des Jahres 2026 und als elftgrößte in der Geschichte ein.
Die Zahlen stützen eine Grenze, die Anleger immer wieder diskutieren: Produktionskosten sind kein harter Preisboden. Sie entscheiden vor allem, welche Miner im Abschwung weiterarbeiten können und nicht, wo ein Kursrückgang endet. Das Netzwerk korrigiert sich über Difficulty-Anpassungen, aber diese Mechanik stabilisiert in erster Linie den Betrieb, nicht den Marktpreis.
Hashprice erholt sich leicht und trotzdem geraten teure Betreiber ins Schwanken
Ein Blick auf den sogenannten Hashprice zeigt den Ertragsdruck im Alltag der Miner. Im Juli 2025 lag er noch bei fast 63 US-Dollar pro Petahash und Tag. Bis Anfang Juni fiel der Wert in den hohen 20er-Bereich, nach der Difficulty-Absenkung stieg er wieder auf über 30 US-Dollar.
Wie eng die Marge inzwischen ist, verdeutlichen Schätzungen von CoinShares: Die durchschnittlichen Cash-Kosten zur Produktion eines Bitcoins bei öffentlichen Minern lagen demnach im vierten Quartal 2025 bei rund 79.995 US-Dollar. CoinShares rechnet damit, dass 15 bis 20 Prozent der globalen Mining-Flotte bei ausreichend hohen Stromkosten unprofitabel werden könnten.
Ein Betreiber mit moderner Hardware und Strompreisen unter 5 Cent pro Kilowattstunde kann laut den Angaben im Artikel weiter eine gesunde Marge erzielen. Bei älteren Maschinen und 6 bis 7 Cent Stromkosten kann das Mining dagegen bei jedem gefundenen Block Geld kosten.
Miner reduzieren BTC-Bestände und bauen KI als zweite Säule aus
Der Druck ist auch in den Bilanzen sichtbar. Öffentliche Bitcoin-Miner haben ihre Bestände gegenüber den Höchstständen um mehr als 15.000 BTC reduziert.
Parallel findet ein Strategiewechsel statt: CoinShares erwartet, dass börsennotierte Miner bis Ende 2026 bis zu 70 Prozent ihrer Einnahmen aus AI erzielen könnten.
Unterm Strich zählt jetzt die Frage, wie lange Bitcoin nahe 60.000 US-Dollar bleibt: Je länger der Kurs unter den Produktionskosten handelt, desto stärker spaltet sich das Mining-Ökosystem in effiziente Betreiber mit moderner Hardware und in Miner, die gezwungen sind, Coins zu verkaufen oder Kapazität abzuschalten.