Immer mehr große Bitcoin Miner richten ihr Geschäft neu aus und setzen statt auf das Mining zunehmend auf Rechenleistung für Künstliche Intelligenz. Der Hedgefonds Gründer Charles Edwards von Capriole Investments warnt, dass dieser Trend nicht nur die Sicherheit des Netzwerks beeinflussen könnte, sondern auch zusätzlichen Druck auf den Bitcoin Kurs ausüben kann.
Miner wechseln zu KI, was das für Bitcoin bedeutet
Edwards zufolge haben mittlerweile alle großen börsennotierten Bitcoin Mining Unternehmen Pläne vorgestellt, ihr Angebot in Richtung KI Dienste auszubauen. In den nächsten zwei bis drei Jahren könnte der Anteil der Bitcoin Einnahmen bei diesen Firmen im Schnitt von rund 90 Prozent auf etwa 30 Prozent fallen.
Ein wichtiger Treiber für den Strategiewechsel scheint der Aktienmarkt zu sein. Edwards beschreibt, dass Unternehmen mit sehr hohen KI Zielen, also über 80 Prozent KI Anteil am Umsatz, laut seinen Auswertungen teils massive Kursgewinne verzeichneten. Firmen, die deutlich weniger auf KI setzten, hätten dagegen häufig schwächer abgeschnitten, teilweise sogar mit negativen Renditen über zwei Jahre.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der für den Mining Sektor ungewöhnlich ist. Mehrere Unternehmen planen laut Edwards, keine neuen ASIC Miner mehr in großem Stil zu kaufen. Stattdessen wollen sie ihre vorhandenen Geräte bis zum Ende der Lebensdauer laufen lassen und künftige Investitionen eher in KI Infrastruktur stecken.
Weniger Investitionen, mehr Verkäufe, Risiko für Kurs und Netzwerk
Edwards sieht dadurch Risiken für die langfristige Stabilität von Bitcoin. Miner stellen die Rechenleistung bereit, die das Netzwerk absichert. Wenn weniger Geld in neue Hardware fließt und Wachstum bei der Mining Kapazität ausbleibt, könnte das die Sicherheitsbasis schwächen, vor allem wenn der Trend länger anhält.
Auch für den Bitcoin Kurs kann das Folgen haben. Öffentlich gelistete Miner verkaufen zunehmend ihre Bestände. Gleichzeitig fällt ein Teil der Nachfrage weg, die früher dadurch entstand, dass Miner regelmäßig Bitcoin hielten oder sogar weiter aufstockten. Mehr Angebot durch Verkäufe und weniger Nachfrage durch geringere Akkumulation sind Faktoren, die auf Dauer belasten können.
Als zusätzlichen Risikofaktor nennt Edwards den Fortschritt bei Quantencomputern. Diese Entwicklung könnte künftig kryptografische Verfahren unter Druck setzen. Ohne Anpassungen am Protokoll könnte das langfristig zu einer Herausforderung werden, auch wenn dies eher ein Zukunftsthema ist.
Rekordverkäufe im ersten Quartal 2026
Ein Bericht der Research Firma TheEnergyMag zeigt, wie stark der Verkaufsdruck bereits ist. Öffentliche Miner sollen im ersten Quartal 2026 zusammen mehr als 32.000 BTC verkauft haben, unter anderem Unternehmen wie MARA, Riot, CleanSpark und Bitdeer. Laut Bericht ist das mehr als die gesamten Nettoverkäufe aus allen vier Quartalen 2025, ein neuer Rekord für die Branche.
Als Gründe werden vor allem die schwache Wirtschaftlichkeit im Mining genannt. Der sogenannte Hashprice fiel zeitweise in die Nähe historischer Tiefstände, etwa um 33 US Dollar pro PH pro Sekunde. Dazu kommen die Folgen des Halvings 2024 mit geringeren Block Rewards sowie eine im Vergleich zu 2021 deutlich höhere Netzwerk Schwierigkeit. Unter diesem Druck ziehen viele Miner offenbar Konsequenzen und suchen in der KI ein profitableres Standbein.