Bitcoin wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei 61.528 US-Dollar gehandelt. Zuvor war der Kurs in dieser Woche unter 58.000 US-Dollar gerutscht. Nun zeigen On-Chain- und Derivatedaten ein gemischtes Bild: Am 30. Juni wurden nach Daten von CryptoQuant etwa 49.000 BTC auf Handelsplattformen transferiert – einer der stärksten täglichen Zuflüsse des Jahres. Gleichzeitig deuten Futures-Daten darauf hin, dass Teile der Erholung eher durch das Abbauen von Risiko im Derivatemarkt als durch frische Long-Nachfrage getragen wurden.
Warum der große Börsen-Zufluss die Erholung fragil macht
Große Zuflüsse auf Börsen erhöhen kurzfristig das verfügbare Angebot – und damit die Menge, die Käufer erst einmal aufnehmen müssen, damit der Preis stabil bleibt. CryptoQuant weist darauf hin, dass solche Zuflüsse gerade in einer „fragilen Erholung“ zu höherer Volatilität führen können.
Auffällig ist zudem die durchschnittliche Einzahlungsgröße: Laut CryptoQuant stieg sie während des Anstiegs von etwa 1 BTC auf rund 2 BTC. Das spricht weniger für breite Retail-Aktivität, sondern eher für gezieltes Repositionieren größerer Marktteilnehmer – also von Whales oder institutionell geprägten Adressen. Für den Kurs ist das relevant, weil diese Akteure aus einem Anstieg heraus schneller Angebot in den Markt geben können.
Short Squeeze statt neuer Trend? Derivate liefern Warnsignale
Auf der Derivate-Seite zeigt sich, dass nach dem Ausverkauf am 30. Juni das Net-Taker-Volumen deutlich anzog. Es war beim Kursrückgang auf etwa -61 Millionen US-Dollar gefallen und drehte am Folgetag nach oben. Am 2. Juli lag es bei rund 68 Millionen US-Dollar. In dieser Phase stieg Bitcoin von etwa 58.000 auf ein lokales Hoch nahe 64.000 US-Dollar. CryptoQuant-Analyst Axel Adler wertet das steigende Net-Taker-Volumen als Hinweis auf echte Marktkäufe während der Erholung – nicht nur auf einen passiven Anstieg.
Gleichzeitig fiel das Open Interest spürbar: Das 24-Stunden-Open-Interest wechselte von einem Plus von etwa 26.000 BTC zu einem Minus von rund 23.000 BTC. Insgesamt sank das Open Interest von etwa 368.000 BTC auf 342.000 bis 346.000 BTC. Ein steigender Kurs bei fallendem Open Interest passt zu einem Short Squeeze, also dem Rückkauf von Short-Positionen, um Liquidationen zu vermeiden. Solche Bewegungen können kräftig ausfallen, gelten aber als weniger belastbar, wenn danach nicht neue Nachfrage nachkommt.
60.000 hält den Boden, 65.000 entscheidet über Entspannung
Technisch meldet CryptoQuant zudem einen Bruch unter die Nackenlinie eines Head-and-Shoulders-Musters im Tageschart – ein Muster, das Trader häufig als Übergang von Aufwärts- zu Abwärtstrend interpretieren. Damit gewinnt die Zone um 60.000 US-Dollar als kurzfristige Stabilitätsmarke an Bedeutung: Ein Halten darüber würde die laufende Erholung stützen und Käufern Zeit geben, den Bereich um 65.000 US-Dollar anzugreifen, der als nächster wichtiger Widerstand gilt.
Gerade dort könnte es jedoch heikel werden: Ein Anstieg Richtung 65.000 US-Dollar kann für große Halter eine günstige Liquiditätszone sein, um zuvor auf Börsen transferierte Bestände zu verkaufen. Zusätzlich erschwert laut Einordnung eine schwache Stablecoin-Liquidität die Fortsetzung der Erholung. Ein Binance-bezogener USDT Refresh Rate Z-Score von -1,81 unterstreicht das Bild dünner Dollar-Liquidität, die Kursbewegungen in beide Richtungen verstärken kann.
Entscheidend bleibt damit ein klarer Dreiklang: 60.000 US-Dollar als Stütze, 65.000 US-Dollar als Widerstand – und die Frage, ob nach dem Squeeze nachhaltige Spot-Nachfrage nachrückt. Fällt Bitcoin erneut unter 60.000 US-Dollar, rückt laut Einordnung der Bitcoin-Suchtrend wieder in den Fokus.