Immer mehr börsennotierte Bitcoin Miner richten ihr Geschäft auf KI und High Performance Computing aus. Laut Quinn Thompson, CIO von Lekker Capital, könnte genau dieser Umbau kurzfristig zum Problem für den Bitcoin Kurs werden, weil dabei große BTC Bestände der Unternehmen auf den Markt kommen könnten.
Warum der Wechsel zu KI plötzlich Verkaufsdruck erzeugen kann
Thompson schreibt auf X, dass die Mining Ökonomie derzeit massiv unter Druck steht. Die Margen sind niedrig, der Wettbewerb ist hart, und viele Betreiber kommen nur noch schwer auf ihre Kosten. Eine mögliche Entlastung sieht er ausgerechnet in dem Trend, dass einige Miner Rechenleistung für KI Anwendungen anbieten und damit Hashrate vom Netzwerk abziehen. Weniger Hashrate und weniger unprofitabler Wettbewerb könnten das Mining langfristig gesünder machen.
Der Haken liegt für Thompson im Übergang. Der Ausbau von KI Rechenzentren ist kapitalintensiv. Wer in neue Infrastruktur investiert, braucht Liquidität. Und genau hier entsteht laut ihm ein neuer potenzieller Angebotsüberhang, weil Miner bislang rund 80.000 Bitcoin in ihren Unternehmensbilanzen halten. Wenn Firmen ihr Geschäftsmodell weg vom Mining drehen, hätten sie weniger Gründe, diese BTC weiter als strategische Reserve zu halten. Stattdessen könnten sie Bestände verkaufen, um den Umbau zu finanzieren.
Beispiele aus den Geschäftsberichten: BTC Verkäufe finanzieren den Umbau
Die Zahlen aus den jüngsten Berichten mehrerer Miner passen zu dieser These. Core Scientific meldete, dass die Erlöse aus dem eigenen Mining im vierten Quartal deutlich sanken, während die Umsätze aus Colocation, also der Bereitstellung von Infrastruktur für Rechenleistung, stark stiegen. Für das Gesamtjahr 2025 erzielte Core zudem hohe Erlöse aus dem Verkauf digitaler Assets und hielt zum Jahresende noch 2.537 BTC.
TeraWulf beschreibt HPC Hosting inzwischen als zentralen Wachstumstreiber, zeigte aber gleichzeitig, dass das klassische Mining in der Übergangsphase weiter zu Geld gemacht wird. Laut Rollforward wurden 2025 fast genauso viele Bitcoin veräußert wie gemined, am Jahresende lagen nur noch 3 BTC in der Bilanz.
Auch Cipher verstärkte den Fokus auf HPC, schloss Verträge für große Rechenzentrumskapazitäten ab und verkaufte Bitcoin im Wert von rund 214,7 Millionen US Dollar. IREN geht noch einen Schritt weiter und gab an, die täglich geminten Bitcoin typischerweise direkt zu liquidieren, entsprechend hielt das Unternehmen zum Jahresende keine BTC.
MARA als Sonderfall: großer Bestand, erste Verkäufe
Besonders relevant ist laut Beobachtern MARA, weil das Unternehmen in dieser Gruppe der klare Treasury Schwergewicht ist. MARA ist beim Umbau Richtung KI und HPC zwar noch nicht so weit wie andere, hat aber erste Schritte umgesetzt und Partnerschaften angekündigt. Gleichzeitig zeigt die eigene Berichterstattung, dass sich auch hier etwas verändert. MARA begann in der zweiten Jahreshälfte 2025 mit Bitcoin Verkäufen, setzte im Jahr rund 4.076 BTC für 413,1 Millionen US Dollar um und hielt zum Jahresende dennoch etwa 53.822 BTC.
Damit bleibt die Lage widersprüchlich. Der Trend weg vom Mining könnte langfristig die Branche stabilisieren. Kurzfristig kann er aber, so Thompson, wie ein Angebotsüberhang wirken, wenn Miner ihre Bestände verkaufen, um den teuren KI Umbau zu finanzieren. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag der Bitcoin Kurs bei etwa 72.322 US Dollar.