Ripple rückt mit seinem Plan für einen direkten Zugang zum Zahlungssystem der US-Notenbank (Federal Reserve) wieder stärker in den Fokus. Auslöser ist eine neue Anordnung von US-Präsident Donald Trump, die die Finanzaufsicht und die Fed dazu drängt zu prüfen, ob Fintechs und Krypto-Firmen künftig leichter an die „Kern-Infrastruktur“ des Dollar-Zahlungsverkehrs herankommen sollen.
Trumps Executive Order: Fed soll Zugang zu Konten und Zahlungsdiensten prüfen
Die Executive Order vom 19. Mai trägt den Titel „Integrating Financial Technology Innovation into Regulatory Frameworks“. Der Tenor: Die USA sollen Regeln modernisieren, damit digitale Vermögenswerte und neue Technologien besser in klassische Finanz- und Zahlungssysteme integriert werden können. Gleichzeitig sollen aus Sicht des Weißen Hauses unnötig komplizierte und zersplitterte Vorschriften abgebaut werden, die vor allem etablierten Banken nutzen.
Für die Krypto-Branche entscheidend ist ein Abschnitt zu Dienstleistungen der Federal Reserve. Die Fed soll prüfen, wie der rechtliche und regulatorische Rahmen für den Zugang zu Reservebank-Konten und Zahlungsdiensten aussieht. Dabei geht es ausdrücklich auch um nicht-bankliche Finanzunternehmen und um Akteure mit Digital-Asset-Bezug. Innerhalb von 120 Tagen soll die Fed Ergebnisse und Empfehlungen vorlegen, unter anderem dazu:
- ob heutige Gesetze überhaupt einen breiteren Zugang erlauben,
- und wie viel Entscheidungsspielraum die regionalen Federal-Reserve-Banken haben, wenn sie Anträge genehmigen oder ablehnen.
Wichtig ist: Die Anordnung vergibt keinen Zugang „automatisch“. Sie sorgt aber dafür, dass das Thema in Washington offiziell priorisiert wird und innerhalb eines festen Zeitfensters geprüft werden muss.
Warum das für Ripple und den Stablecoin RLUSD so wichtig ist
Ripple verfolgt seit Längerem eine Strategie rund um Stablecoins und Zahlungsabwicklung. Im Juli 2025 erklärte CEO Brad Garlinghouse, man habe einen Antrag auf eine US-Bankenlizenz (National Bank Charter) gestellt und arbeite zusätzlich daran, ein sogenanntes Fed Master Account zu erhalten. Ein solches Konto gilt als Schlüssel, um direkt an die Zahlungsinfrastruktur der Fed angeschlossen zu sein, statt über Partnerbanken gehen zu müssen.
Für RLUSD, Ripples Stablecoin-Projekt, wäre das besonders relevant. Denn mit direktem Zugang könnte Ripple Reserven im Idealfall näher an der Notenbank-Infrastruktur halten. Das würde aus Unternehmenssicht Prozesse wie Ein- und Auszahlungen sowie die Einlösbarkeit der Stablecoin-Reserven robuster machen.
Ripple steht mit diesem Vorhaben nicht allein. Weitere Namen, die in diesem Zusammenhang immer wieder genannt werden, sind unter anderem Anchorage Digital und Wise. Gleichzeitig zeigt ein aktuelles Beispiel, dass grundsätzlich Bewegung in die Sache kommt.
Kraken als Beispiel, Custodia als Warnsignal: So umkämpft ist der Master-Account-Zugang
Im März meldete Kraken Financial, die Wyoming-Banking-Tochter der Kryptobörse Kraken, dass sie ein Fed Master Account erhalten habe. Damit wäre Kraken das erste Digital-Asset-Bankmodell in den USA mit direktem Zugang zur Fed-Zahlungsinfrastruktur. Kraken sprach von einem langen Prozess mit mehr als fünf Jahren regulatorischer Arbeit. Ziel: Anbindung an Fedwire, ohne den Umweg über Korrespondenzbanken.
Allerdings: Der Zugang ist offenbar stark begrenzt und zunächst auf ein Jahr ausgelegt. Genannt werden unter anderem Zugang zu Fedwire und begrenzte Overnight-Bestände, aber kein Zins auf Reserven, keine Notfall-Liquidität der Fed und kein Zugang zu FedNow oder ACH. Für andere Firmen ist das zugleich Vorbild und Erinnerung daran, dass die Fed solche Zugänge sehr eng definieren kann.
Dass es auch anders laufen kann, zeigt der Fall Custodia Bank. Das ebenfalls in Wyoming ansässige Institut beantragte schon 2020 ein Master Account, klagte später wegen Verzögerungen und bekam 2023 eine Ablehnung. Gerichte stärkten in späteren Entscheidungen die Position, dass die regionalen Reservebanken bei solchen Anträgen Ermessensspielraum haben. Genau diese Frage soll die Fed nun laut Trumps Order erneut prüfen.
Ripple schaut zudem auf eine „light“-Variante: Unternehmensjurist Stu Alderoty hatte zuletzt angedeutet, dass auch ein sogenanntes „skinny“ oder spezielles Zahlungskonto interessant sein könnte, selbst wenn es weniger Rechte als ein volles Master Account bietet. Die Fed hatte bereits vor Trumps Anordnung ein Konzept für ein spezielles „payment account“ diskutiert: ohne Zinsen, ohne Fed-Kredite und mit Begrenzungen bei Guthaben.
Unterm Strich bringt Trumps Executive Order Ripple keinen Master Account auf Knopfdruck. Sie verschiebt die Debatte aber in die offizielle Finanzpolitik und setzt eine Frist. Damit steigt der Druck, eine klare Linie zu finden: Sollen Krypto- und Stablecoin-Anbieter dauerhaft auf Banken als Zwischenstation angewiesen bleiben oder unter strengen Auflagen einen direkten Zugang zu den „Schienen“ der Dollar-Abwicklung bekommen?
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag der XRP-Kurs bei rund 1,36 US-Dollar.