Die Kryptoindustrie baut ihren politischen Einfluss in den USA weiter aus. Besonders sichtbar wird das an Fairshake, der wichtigsten Super-PAC der Branche, und den verbundenen Gruppen Protect Progress sowie Defend American Jobs. Statt erst bei allgemeinen Wahlen groß einzusteigen, setzt das Netzwerk gezielt auf Vorwahlen. Dort entscheidet sich in vielen sicheren Wahlkreisen früh, wer später im Kongress sitzt.
Wer schon in den Vorwahlen Kandidaten unterstützt, kann eine pro-kryptofreundliche Fraktion aufbauen, bevor über Gesetze wie den CLARITY Act abgestimmt wird. Es geht damit nicht nur um einzelne Rennen, sondern um Macht in Ausschüssen, Mehrheiten bei Regulierungsthemen und die künftige Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC.
Fairshake setzt Millionen in Alabama und Kentucky ein
Fairshake ist eine sogenannte Super-PAC. Solche politischen Aktionskomitees dürfen in den USA unbegrenzt Geld einsammeln und für Wahlwerbung ausgeben, solange sie ihre Aktivitäten nicht direkt mit den offiziellen Kampagnen der Kandidaten koordinieren. Fairshake ist dabei die wichtigste Super-PAC der Kryptoindustrie und wird unter anderem von Coinbase, Ripple und Andreessen Horowitz unterstützt. Ihr Ziel ist es, Kandidaten zu stärken, die kryptofreundliche Regeln befürworten.
Besonders deutlich wurde die Strategie in Alabama. Fairshake-nahe Gruppen unterstützten Barry Moore im Rennen um den offenen Senatssitz. Nachdem Moore im ersten Wahlgang zwar vorne lag, aber keine absolute Mehrheit erreichte, floss im anschließenden Runoff noch mehr Geld in die Kampagne. Insgesamt lagen die Ausgaben zur Unterstützung Moores bei mehr als 12 Millionen US-Dollar. Moore gewann die republikanische Stichwahl mit knapp 56 Prozent der Stimmen.
Auch in Kentucky griff Fairshake massiv ein. Die Super-PAC unterstützte Andy Barr mit mehr als 7 Millionen US-Dollar. Barr gewann seine republikanische Senatsvorwahl mit mehr als 60 Prozent der Stimmen. In Alabama, Kentucky und Georgia gab Fairshake insgesamt rund 20 Millionen US-Dollar aus und feierte die dortigen Vorwahlen als klaren Erfolg für kryptofreundliche Kandidaten.
Der Hebel liegt auf der Hand: In stark republikanischen oder stark demokratischen Bundesstaaten entscheidet die Vorwahl oft faktisch über den späteren Sitz. Für eine Branche, die auf verlässliche Mehrheiten bei US-Kryptoregulierung und dem CLARITY Act angewiesen ist, kann ein früher Vorwahlsieg daher mehr wert sein als eine teure Schlacht im November.
Nicht nur Republikaner: Krypto-PACs werben um Demokraten
Fairshake und die verbundenen Gruppen setzen längst nicht nur auf republikanische Kandidaten. Im Juni meldeten krypto-nahe Super-PACs laut CoinDesk, dass alle 11 unterstützten Kandidaten in ihren Vorwahlen gewonnen hätten oder weitergekommen seien. Auffällig daran: Ein großer Teil dieser Siege entfiel auf Demokraten.
Auch in Texas zeigte sich diese parteiübergreifende Strategie. Protect Progress unterstützte Christian Menefee im 18. Distrikt von Houston. Menefee setzte sich in der demokratischen Stichwahl gegen Al Green durch, einen langjährigen Kritiker der Kryptobranche. Damit wird deutlich: Die Branche versucht nicht nur, bestehende Unterstützer zu stärken, sondern auch skeptische Stimmen in wichtigen Ausschüssen zu ersetzen.
Dass diese Strategie nicht immer funktioniert, zeigte Illinois. Dort gab Fairshake mehr als 10 Millionen US-Dollar aus, um Juliana Stratton in der demokratischen Senatsvorwahl zu stoppen. Stratton gewann trotzdem. Geld garantiert keine Ergebnisse.
Coinbase, Ripple und a16z: Warum Regulierung der Kern ist
Coinbase und Ripple standen über Jahre im Zentrum von Konflikten mit der SEC. Für die Branche geht es daher nicht nur um Imagepflege, sondern um konkrete Regeln für Geschäftsmodelle, Börsen, Token, Stablecoins und Verwahrung.
Besonders Ripple zeigt, wie eng politische Debatten und Regulierung zusammenhängen. Das Unternehmen fordert seit Langem klarere Regeln für digitale Vermögenswerte und Stablecoins. Mehr Hintergrund dazu liefert Bitcoinbasis im Artikel Ripple fordert SEC-Regeln: 0% Haircut für Stablecoins?.
Auch Coinbase spielt in der Debatte um Marktstruktur eine wichtige Rolle. Coinbase-Chef Brian Armstrong unterstützte den CLARITY Act öffentlich, nachdem das Unternehmen zuvor deutlich kritischer auf einzelne Gesetzesfassungen geblickt hatte. Die Kehrtwende zeigt, wie wichtig ein bundesweiter Rahmen für Börsen und Plattformen geworden ist. Mehr dazu im Bitcoinbasis-Überblick Coinbase dreht: Armstrong unterstützt US-Krypto-CLARITY Act.
CLARITY Act: Fortschritt, aber noch kein Gesetz
Im Zentrum der politischen Arbeit steht der Digital Asset Market Clarity Act, kurz CLARITY Act. Der Gesetzentwurf soll die Zuständigkeiten für digitale Vermögenswerte klarer aufteilen. Vereinfacht gesagt würde die SEC weiterhin für bestimmte Wertpapierfragen zuständig bleiben, während die CFTC eine größere Rolle bei digitalen Rohstoffen und Spot-Kryptomärkten erhalten soll.
Der Gesetzgebungsprozess ist bereits weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen. Der CLARITY Act passierte das US-Repräsentantenhaus im Juli 2025 mit breiter Mehrheit. Im Mai 2026 brachte ihn das Senate Banking Committee mit 15 zu 9 Stimmen weiter. Am 1. Juni 2026 wurde der Entwurf auf den Senatskalender gesetzt. Das bedeutet: Der Entwurf ist für eine Senatsdebatte bereit, aber eine endgültige Abstimmung im Plenum ist damit noch nicht automatisch terminiert.
Genau deshalb ist der politische Druck so hoch. Je stärker die pro-kryptofreundliche Fraktion im Kongress wird, desto besser stehen die Chancen, dass Marktstrukturgesetze nicht im Senat stecken bleiben.