Nach acht Wochen mit durchgehenden Nettoabflüssen zeigt sich bei den US-Spot-ETFs auf Bitcoin und Ethereum endlich wieder ein Lichtblick. Insgesamt flossen in der vergangenen Woche rund 282 Millionen US-Dollar in die beiden Produktkategorien. Für beide ETF-Segmente ist das die erste positive Woche seit Anfang Mai – ein zaghaftes Signal, dass sich die Stimmung an den institutionellen Krypto-Märkten langsam wieder aufhellt.
Was hinter den Zahlen steckt
Laut Daten von SoSoValue entfielen rund 197 Millionen US-Dollar der Zuflüsse auf Bitcoin-ETFs und weitere 84 Millionen US-Dollar auf Ethereum-Produkte. Die Erholung ist damit vor allem BTC-getrieben, doch auch ETH profitiert nach Wochen anhaltenden Verkaufsdrucks erstmals wieder von frischem institutionellen Kapital.
Der Stimmungsumschwung sollte allerdings nicht überinterpretiert werden. Zur Erinnerung: In den acht Wochen zuvor wurden insgesamt rund 9,46 Milliarden US-Dollar aus Bitcoin- und Ethereum-ETFs abgezogen. Die aktuellen Zuflüsse machen davon nur einen kleinen Bruchteil aus – bei Bitcoin rund 2,4 Prozent der zuvor abgezogenen Mittel, bei Ethereum immerhin etwa sieben Prozent. Ein wirklicher Trendwechsel sieht anders aus.
BlackRock bleibt der Player, den es zu beobachten gilt
Wenig überraschend konzentrieren sich die frischen Mittel fast vollständig auf die beiden BlackRock-Produkte: den iShares Bitcoin Trust (IBIT) und den iShares Ethereum Trust (ETHA). Bei den meisten anderen Spot-ETF-Anbietern tat sich dagegen kaum etwas. Das zeigt, wie stark der ETF-Markt inzwischen von einem Anbieter getragen wird – und wie sehr sich institutionelle Investoren bei ihren Krypto-Allokationen auf einen einzigen Namen verlassen.
Auch das Handelsvolumen unterstreicht die verhaltene Marktstimmung. Die Bitcoin-ETFs kamen zuletzt auf rund 8,4 Milliarden US-Dollar Wochenumsatz – der niedrigste Wert seit Oktober 2024. Die Ethereum-ETFs blieben mit rund zwei Milliarden US-Dollar auf dem niedrigsten Niveau seit Mai 2025. Aktivität sieht anders aus.
Einordnung: Ein Silberstreif, kein Trendbruch
Blickt man auf das Gesamtjahr, wird die aktuelle Erholung noch relativer. Seit Jahresbeginn summieren sich die Nettoabflüsse bei den Bitcoin-ETFs auf rund 5,3 Milliarden US-Dollar, bei den Ethereum-ETFs auf rund 1,35 Milliarden US-Dollar. Die Zuflüsse einer einzigen Woche gleichen diese Löcher bei Weitem nicht aus.
Trotzdem ist die Bedeutung des Signals nicht zu unterschätzen: Nach zwei Monaten anhaltender Ausverkäufe ist eine positive Woche zumindest ein Hinweis darauf, dass die Verkaufslawine kurzfristig zum Stillstand gekommen sein könnte. Für ETH ist das besonders relevant, da die Zuflüsse zeitlich mit Vitalik Buterins „Lean Ethereum“-Ankündigung und der wachsenden institutionellen Infrastruktur rund um „Ethereum Institutional“ zusammenfallen. Die Signale ergänzen sich – und könnten institutionelle Investoren nach und nach wieder ins Boot holen.
Ausblick
Ob aus dem Wochenplus tatsächlich eine nachhaltige Trendwende wird, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen. Entscheidend ist, ob die Zuflüsse auch außerhalb der BlackRock-Produkte anziehen und ob die Handelsvolumen wieder auf ein normales Niveau zurückkehren. Solange beides nicht der Fall ist, bleibt die aktuelle Erholung ein zartes Pflänzchen – schön anzusehen, aber noch weit entfernt von einer echten Rally-Basis.
Für Anleger heißt das: Die schlimmste Phase der ETF-Ausverkäufe könnte hinter uns liegen. Doch bis Bitcoin und Ethereum wieder auf breiter Basis institutionelle Zuflüsse anziehen, braucht es klare makroökonomische Rückenwinde – oder einen echten technischen Katalysator. Der Blick richtet sich damit unweigerlich auf die kommenden Fed-Signale und den weiteren Fortschritt beim Glamsterdam-Upgrade.