BlackRock warnt: Quantencomputer bedrohen Bitcoin-Signaturen – 7 Mio. BTC potenziell angreifbar

BlackRock warnt: Quantencomputer bedrohen Bitcoin-Signaturen – 7 Mio. BTC potenziell angreifbar
BlackRock warnt: Quantencomputer bedrohen Bitcoin-Signaturen – 7 Mio. BTC potenziell angreifbar (BitcoinBasis.de | Image GPT - KI generiert)

Quantum-Computer gelten seit Jahren als Zukunftstechnologie. Jetzt mischt auch BlackRock in der Debatte mit und warnt in einem neuen Bericht: Wenn Quantenrechner eines Tages stark genug werden, könnten sie die Kryptografie angreifen, die Bitcoin, Ethereum und viele andere Digital-Assets heute schützt. Noch ist das kein akuter Notfall, aber laut BlackRock sollte die Branche frühzeitig auf „post-quanten-sichere“ Verfahren umstellen, bevor ein echter Ernstfall eintritt.

Worum BlackRock konkret warnt: nicht Mining, sondern Signaturen

BlackRock macht klar: Einen „Cryptographically Relevant Quantum Computer“ (CRQC), also einen Quantencomputer, der moderne Kryptografie praktisch knacken kann, gibt es derzeit nicht. Trotzdem hätten sich Zeitpläne verschoben. Im Bericht wird erwähnt, dass Google seine Fristen für eine Post-Quantum-Umstellung auf 2029 vorgezogen hat. IBM peilt große, fehlertolerante Quantencomputer grob für den Zeitraum 2029 bis 2033 an.

Wichtig ist dabei, worum es nicht geht: Nicht das Bitcoin-Mining oder der Proof-of-Work-Mechanismus steht im Fokus. Die Hashfunktion SHA-256 gilt laut BlackRock als „weitgehend quantum-resistent“. Selbst wenn ein Quantenalgorithmus wie Grover theoretisch hilft, wäre der Vorteil eher begrenzt und könnte über die Difficulty-Anpassung abgefedert werden.

Die eigentliche Schwachstelle sind die digitalen Signaturen. Sowohl Bitcoin als auch Ethereum nutzen heute elliptische Kurven Kryptografie (ECC), um Eigentum an Coins zu beweisen und Transaktionen zu autorisieren. Klassische Computer bräuchten dafür extrem lange, aber ein ausreichend starker Quantencomputer könnte mit Shor’s Algorithmus die Berechnung privater Schlüssel deutlich realistischer machen. BlackRock beschreibt das so: Es geht nicht nur um „schneller“, sondern darum, dass Quantencomputer bestimmte Muster in mathematischen Problemen sehr effizient ausnutzen können.

Bitcoin: technisch überschaubar, sozial schwierig

Für Bitcoin wirkt die Lösung auf dem Papier relativ klar: Es müsste vor allem der Signatur-Algorithmus durch eine post-quanten-sichere Alternative ersetzt werden. Das Problem ist laut BlackRock eher die Umsetzung im echten Leben. Bitcoin ist absichtlich so gebaut, dass Änderungen nur langsam und mit breitem Konsens passieren. Genau diese „soziale Koordination“ könnte im Ernstfall der Engpass sein.

Besonders brisant: BlackRock spricht von rund 7 Millionen BTC (etwa 35% des umlaufenden Angebots), die durch „Long-Range“-Angriffe theoretisch eher angreifbar seien, weil ihre Public Keys bereits offengelegt wurden. Die Zahl umfasst laut Bericht unter anderem etwa 1,9 Millionen BTC in Adresstypen, bei denen Public Keys unverhasht sichtbar sind, sowie weitere rund 5 Millionen BTC aus wiederverwendeten Adressen, die ihren Public Key früher schon preisgegeben haben und noch UTXOs halten.

Hinzu kommt die offene Frage nach inaktiven oder verlorenen Coins. BlackRock verweist auf Schätzungen von Chainalysis, wonach etwa 2,3 bis 3,7 Millionen BTC (11% bis 19% des Angebots) dauerhaft verloren sein könnten. In diesem Kontext wird auch die seit Jahren diskutierte Menge von etwa 1,1 Millionen BTC in frühen P2PK-Adressen erwähnt, die oft mit Satoshi Nakamoto in Verbindung gebracht werden. Falls solche alten Bestände nicht migriert werden können, könnte das langfristig zu politischen und technischen Streitfragen führen.

BlackRocks Fazit für Bitcoin: Die Post-Quantum-Migration sei technisch machbar, aber sie werde Zeit brauchen. Konsens finden, Upgrades umsetzen und anschließend eine geordnete Umstellung im ganzen Ökosystem organisieren, sei eher ein Projekt über mehrere Jahre.

Ethereum: klarerer Plan, aber mehr Baustellen

Bei Ethereum sieht BlackRock ein anderes Bild. Die Netzwerkentwicklung ist stärker „roadmap-getrieben“, unter anderem durch die Arbeit der Ethereum Foundation. Gleichzeitig ist Ethereum komplexer: Proof-of-Stake, Smart Contracts, die Datenebene und außerdem viele Zero-Knowledge-Technologien. Dadurch gibt es mehr Stellen, an denen Quantenresistenz eine Rolle spielt.

Der Bericht greift vier Bereiche auf, die Vitalik Buterin Anfang 2026 als verwundbar beschrieben hat: BLS-Signaturen in der Konsensschicht (Validator-Abstimmungen), KZG-Proofs in der Datenebene, Signaturen von extern verwalteten Accounts (normale Nutzer-Wallets) und Zero-Knowledge-Proofs auf der Anwendungsebene. Vereinfacht gesagt: Nicht nur Transaktionen sind betroffen, sondern auch Validator-Keys, Datenverfügbarkeit und Beweisverfahren vieler Apps.

BlackRock verweist außerdem auf eine sogenannte „L1 Strawmap“, also einen Entwurf für mehrere Netzwerk-Updates und Hard Forks von 2026 bis 2029. Ein großer Teil davon soll direkt oder indirekt Quantenrisiken reduzieren, etwa durch native Account Abstraction, neue Precompiles für post-quanten-sichere Signaturen, post-quanten-sichere Validator-Schlüssel, hashbasierte Konsens-Signaturen und langfristig einen Wechsel weg von KZG hin zu STARK-basierten Verfahren.

Unterm Strich bleibt BlackRock bewusst nüchtern: Quantencomputing sei kein unmittelbarer „Game Over“-Trigger für Bitcoin oder Ethereum. Es ist eher ein weiterer Unsicherheitsfaktor, der im Hintergrund wächst. Entscheidend sei, dass die Branche rechtzeitig anfängt zu migrieren, weil die Umstellung selbst Jahre dauern kann. Gleichzeitig betont BlackRock: Es sei vermutlich einfacher, Kryptosysteme wie Bitcoin und Ethereum aufzurüsten, als tatsächlich einen leistungsfähigen CRQC zu bauen.

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