Bitcoin wirkt gerade wie ein Markt mit zwei Gesichtern: Während der Kurs deutlich nachgibt, läuft das Netzwerk auf Hochtouren. On-Chain-Daten zeigen, dass die Zahl der Transaktionen stark anzieht und sich einem Rekord nähert. Das deutet auf viel Bewegung im Markt hin, doch die große Frage bleibt: Reicht diese Aktivität aus, um den Preis zu stabilisieren?
Transaktionen steigen Richtung Rekord, obwohl der Kurs fällt
Laut einer Auswertung des Analysten Darkfost (CryptoQuant) steigt die Bitcoin-Transaktionszahl im 30‑Tage-Durchschnitt aktuell kräftig an. Der Monatsdurchschnitt liegt demnach bei rund 640.000 Transaktionen und damit nicht weit von einem früheren Hoch entfernt: Während der Korrekturphase 2024 wurden im September etwa 666.000 Transaktionen gezählt.
Brisant ist dabei der Kontext: Der Kursrückgang hat sich im Juni spürbar verschärft. Darkfost spricht von einem starken Druck auf die Marktstruktur, nachdem Bitcoin innerhalb kurzer Zeit deutlich nachgegeben hat. Normalerweise werden steigende Transaktionszahlen eher in bullischen Phasen oder nahe eines Markt-Hochs beobachtet. Dass die Aktivität nun ausgerechnet in einer klar bärischen Phase hochschießt, ist ungewöhnlich.
Der Analyst ordnet das Ganze als eine Art „Kapitulationsphase“ ein. Gemeint ist: Viele Marktteilnehmer werfen Positionen auf den Markt, während andere diese Bestände übernehmen. Solche „Wechsel der Hände“ können ein Hinweis auf eine mögliche Bodenbildung sein. Garantiert ist das aber nicht, denn hohe Aktivität allein hebt keinen Kurs, wenn die Verkaufswelle anhält.
Kurzfristige Anleger realisieren Verluste, besonders unter 60.000 US-Dollar
In einer weiteren Analyse beschreibt Darkfost, dass vor allem kurzfristige Bitcoin-Halter stark unter Druck geraten sind. Gemeint sind Investoren, die ihre Coins seit weniger als sechs Monaten halten. Als Bitcoin in der jüngsten Korrektur unter 60.000 US-Dollar rutschte, reagierte diese Gruppe besonders heftig.
Innerhalb von 24 Stunden sollen mehr als 60.200 BTC von kurzfristigen Haltern an Börsen geschickt worden sein. Der Großteil davon, über 59.000 BTC, wurde laut den Daten mit Verlust bewegt. Für diese Anlegergruppe war das der stärkste negative Ausschlag seit Februar. Das deutet darauf hin, dass viele aus Angst verkauft und Verluste „festgeschrieben“ haben.
Solche Phasen sind typisch für scharfe Rücksetzer: Neue Marktteilnehmer reagieren schneller emotional, während erfahrenere Investoren oft abwarten oder gezielt einsammeln. Ob daraus eine echte Trendwende entsteht, hängt allerdings davon ab, ob der Verkaufsdruck abnimmt und wieder nachhaltige Nachfrage in den Markt kommt.
Kann die hohe Aktivität den Absturz stoppen?
Die steigenden Transaktionszahlen zeigen vor allem eines: Im Netzwerk passiert gerade sehr viel, und es findet eine große Umverteilung statt. Das kann ein frühes Signal sein, dass sich ein Boden bildet, weil „schwache Hände“ aus dem Markt gedrängt werden. Gleichzeitig bleibt das Risiko hoch, dass die Bewegung nur den Stress im Markt widerspiegelt und der Kurs weiter nachgibt.
Für Anleger heißt das: On-Chain-Stärke ist ein spannender Hinweis, aber kein Freifahrtschein. Entscheidend wird sein, ob Bitcoin wichtige Kurszonen zurückerobert und ob der Abverkauf bei kurzfristigen Haltern nachlässt. Bis dahin bleibt die Lage angespannt, auch wenn die Rekordnähe bei den Transaktionen nach einem möglichen Wendepunkt aussieht.
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