Bitcoin unter 60.000: US-Jobdaten drücken, 200-Wochen-Linie im Fokus

Bitcoin unter 60.000: US-Jobdaten drücken, 200-Wochen-Linie im Fokus
Bitcoin unter 60.000: US-Jobdaten drücken, 200-Wochen-Linie im Fokus (BitcoinBasis.de | Image GPT - KI generiert)

Bitcoin ist am Wochenende kurzzeitig unter die Marke von 60.000 US-Dollar gerutscht. Für viele Trader war das mehr als nur ein weiterer Rücksetzer: Der Kursknick fällt in eine Phase, in der neue Konjunkturdaten aus den USA die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen dämpfen. Genau diese Hoffnung war zuletzt wichtig, weil sie mehr Liquidität und damit Rückenwind für riskante Anlagen wie Kryptowährungen verspricht.

US-Jobdaten überraschen deutlich und verändern die Zins-Erwartungen

Der US-Arbeitsmarkt hat im Mai deutlich stärker geliefert als gedacht. Laut dem Bureau of Labor Statistics wurden 172.000 neue Stellen geschaffen. Ökonomen, die von LSEG befragt wurden, hatten im Schnitt nur mit 85.000 gerechnet. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,3%.

Zusätzlich wurden frühere Monate nach oben korrigiert: Zusammen kamen für März und April nochmals 93.000 Jobs hinzu. März wurde auf 214.000 angehoben, April auf 179.000. Unterm Strich war es einer der stärksten Monatsberichte seit mehr als einem Jahr, und die Finanzmärkte reagierten sofort.

Wichtig für Anleger: Starke Jobdaten bedeuten oft, dass die US-Notenbank weniger Druck hat, die Zinsen zu senken. Im Gegenteil: Wettmärkte und Zins-Indikatoren zogen an. Polymarket erhöhte die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung noch vor Jahresende zeitweise auf 53%. Das CME FedWatch Tool zeigte eine Chance von 42,7%, dass die Zinsen bis Dezember höher liegen könnten. Gleichzeitig wird für 2026 laut den gehandelten Erwartungen in vielen Fällen sogar mit gar keinen Zinssenkungen gerechnet.

Goldman Sachs Asset Management sprach in diesem Zusammenhang von einem „Payroll Blowout“. Die Kernaussage: Die Fed muss den Arbeitsmarkt aktuell nicht stützen, und genau das macht eine lockerere Geldpolitik unwahrscheinlicher.

Warum das Bitcoin unter Druck setzt: Liquidität wird knapper

Für Bitcoin und andere Risikoanlagen ist das ein Problem. Wenn Zinsen hoch bleiben oder sogar steigen, wird Geld im System tendenziell „teurer“. Dann fließt weniger Kapital in spekulative Märkte, und Liquidität trocknet eher aus. Genau dieses Umfeld trifft auf einen Kryptomarkt, in dem das Vertrauen ohnehin angeschlagen ist.

Der Börsenbrief „The Kobeissi Letter“ zeigte, wie heftig die Reaktion an den klassischen Märkten war: Der S&P 500 verlor nur Stunden nach den Daten laut Einschätzung fast 2 Billionen US-Dollar an Marktkapitalisierung. Für Bitcoin kommt hinzu, dass der Kurs inzwischen mehr als 50% unter dem Rekordhoch aus Oktober 2025 liegt. Der Abwärtsdruck wirkt also nicht wie ein einzelner Ausrutscher, sondern eher wie ein Trend, der sich verstärkt.

Ein weiterer Punkt: Spot-Bitcoin-ETFs verzeichnen seit Wochen spürbare Abflüsse. Damit fällt eine wichtige Quelle für zusätzliche Nachfrage weg, die Bitcoin während der Erholung im Frühjahr geholfen hatte. Wenn weniger frisches Geld in diese Produkte fließt, wird es für Käufer schwerer, Rücksetzer schnell aufzufangen.

200-Wochen-Linie im Fokus: Warnsignal oder Chance?

Trotz der Schwäche sehen manche Marktbeobachter einen möglichen „Orientierungspunkt“: Bitcoin rutschte am Wochenende kurz unter den 200-Wochen-Durchschnitt, der derzeit bei etwa 61.000 US-Dollar liegt. Das ist ein charttechnisches Niveau, das in früheren Zyklen oft in der Nähe von Tiefpunkten lag.

Daten von Coinglass zeigen, dass Bitcoin in mehreren großen Marktphasen zwischen 2015 und 2020 im Bereich dieser Linie Bodenbildung zeigte. Das letzte Mal wurde sie im Juni 2022 getestet. Dass der Markt jetzt, fast vier Jahre später, erneut mit dieser Marke „ringt“, macht die Situation für viele Trader besonders spannend.

Auch von institutioneller Seite gibt es vorsichtigen Optimismus: Standard Chartered-Analyst Geoff Kendrick schrieb Anfang Juni, der Bärenmarkt könnte in seine letzten Phasen gehen. Die jüngste Abwärtswelle könne sich im Rückblick als Kaufzone herausstellen, falls Bitcoin später wieder Richtung 100.000 US-Dollar dreht und Ethereum erneut in Richtung 4.000 US-Dollar läuft.

Unterm Strich bleibt die Lage angespannt: Starke US-Jobdaten nehmen Zinssenkungen den Rückenwind, ETFs liefern aktuell weniger Nachfrage, und Bitcoin testet eine entscheidende Langfrist-Marke. Ob daraus eine stabile Erholung entsteht oder der nächste Rutsch folgt, dürfte stark davon abhängen, wie sich Zinsen, Liquidität und Stimmung in den kommenden Wochen entwickeln.

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