Beim Privacy-Coin Zcash ist eine alte Grundsatzfrage wieder hochgekocht: Kann man die umlaufende Menge an ZEC wirklich selbst überprüfen, ohne den Entwicklern oder externen Prüfern vertrauen zu müssen? Zcash-Gründer Zooko Wilcox sagt: Mit dem geplanten Upgrade „Ironwood“ soll genau das ab dem ersten Block nach der Aktivierung möglich werden.
Wilcox: „Verifikation am ersten Tag“ statt Debatte über die Vergangenheit
Auslöser für die Diskussion war eine недавно bekannt gewordene, inzwischen behobene Schwachstelle im „Orchard“-Bereich von Zcash. Orchard ist der moderne Shielded-Pool, also der Teil des Netzwerks, in dem Transaktionen besonders privat ablaufen. Genau diese Privatsphäre macht es aber schwerer, im Nachhinein eindeutig zu beweisen, ob ein „Soundness“-Fehler jemals ausgenutzt wurde und ob dabei theoretisch neue Coins hätten entstehen können, ohne sofort aufzufallen.
Wilcox betont deshalb einen Punkt, den viele in der Community seiner Meinung nach vermischen: Die Frage, ob in der Vergangenheit möglicherweise Falschgeld erzeugt wurde, sei etwas anderes als die Frage, ob Nutzer die aktuelle Umlaufmenge künftig unabhängig verifizieren können. Ironwood solle vor allem das zweite Problem lösen.
Sein Versprechen: Sobald Ironwood aktiv ist, könne jeder, der einen Full Node betreibt, „trustless“ überprüfen, ob die ZEC-Gesamtmenge stimmt, also grob gesprochen „16 Millionen heute, 21 Millionen später“.
So soll Ironwood die Umlaufmenge überprüfbar machen
Der technische Kern der Idee: Der bisherige Orchard-Pool soll nach der Aktivierung von Ironwood nicht mehr als interner „Dauer-Kreislauf“ dienen können. Vereinfacht gesagt würden Transaktionen, die im alten Orchard-Pool neue Ausgänge erzeugen, ab dann abgewiesen. Geld könnte also nicht mehr beliebig innerhalb dieses alten Pools weiterwandern.
Stattdessen müssten Mittel den Pool über einen Mechanismus verlassen, den Zcash bereits kennt: den sogenannten Turnstile. Dieser funktioniert wie eine Art Buchhaltung, die mitrechnet, wie viel ZEC legitim in einen Pool hineingegangen ist und wie viel wieder herausgehen darf. Ein Abfluss, der größer ist als der Zufluss, wird blockiert.
Genau hier setzt Wilcox’ Argument an: Selbst wenn es theoretisch „zu viel“ ZEC im alten Orchard-Pool geben sollte, würde Ironwood diese Überschussmenge vom restlichen System abschneiden. Sie könnte dann weder im alten Pool weiter zirkulieren, noch könnte sie das Netzwerk über den Turnstile verlassen, weil sie nicht durch legitime Einzahlungen gedeckt wäre.
Wilcox nennt als relevante Größe die Menge an ZEC, die „legitim“ im Orchard-Pool liegt, laut ihm rund 4,5 Millionen ZEC. Alles darüber hinaus wäre unter den neuen Regeln wirtschaftlich nicht mehr nutzbar, weil es nicht in andere Pools oder in den transparenten Bereich übertragen werden könnte.
Was das für Nutzer bedeutet und welche Hinweise später möglich sind
Wichtig ist dabei: Wilcox sagt nicht, Ironwood sei ein gerichtsfester Beweis dafür, ob jemals gefälschte Coins erzeugt wurden. Er sagt vielmehr, dass Nutzer ab dem Aktivierungszeitpunkt unabhängig prüfen können sollen, ob die aktuell umlaufende Menge stimmig ist, ohne auf Aussagen von Entwicklern, Auditoren oder „nachträgliche Annahmen“ angewiesen zu sein.
Interessant ist auch der mögliche Nebeneffekt: Wenn Nutzer nach und nach aus dem alten Orchard-Pool in den neuen Ironwood-Pool wechseln, könnte das Verhalten beim „Ausgang“ Hinweise liefern. Kommen keine ungewöhnlichen Abflussversuche vor, stützt das die Einschätzung, dass keine Fälschung stattgefunden hat. Sollte dagegen ein Überschuss versuchen, den Pool zu verlassen, würde der Turnstile das zwar stoppen, aber zugleich sichtbar machen, dass es diesen Überschuss gibt.
Wilcox selbst sagt, er halte es für unwahrscheinlich, dass tatsächlich counterfeit ZEC existieren. Entscheidend sei aber: Ironwood soll das Vertrauen in diese persönliche Einschätzung überflüssig machen, weil die Prüfung der Umlaufmenge dann direkt über den eigenen Full Node möglich ist.