Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin fordert, dass das Ethereum-Ökosystem Oracles und echte Dezentralisierung als Sicherheitsproblem Nummer eins behandelt. Sein Punkt: DeFi ist groß geworden. Aber wichtige Teile der Technik seien noch anfällig. Das sehe man nicht immer sofort, weil vieles nach außen stabil wirkt.
Defi is a central part of the value that Ethereum provides. Financial empowerment is a central part of what it means to have agency and freedom in our current world. Finance is far from the only thing that Ethereum is good for, but it is an important thing. This post discusses… https://t.co/BGDRqrfUlI
— vitalik.eth (@VitalikButerin) February 24, 2026
Buterin beschreibt DeFi als einen Kernnutzen von Ethereum. Es gehe um mehr als neue Apps. Es gehe um finanzielle Selbstbestimmung. Gleichzeitig solle die nächste Phase von DeFi nicht nur neue Ideen bringen, sondern auch strenger bei Sicherheit und versteckter Zentralisierung werden.
Was Buterin an DeFi nervt: zu viel Oberfläche, zu wenig Fundament
Buterin will wieder mehr echte Innovation. Also nicht nur Varianten von bekannten Produkten. Sein Beispiel: AMMs. AMM steht für Automated Market Maker und bedeutet, dass Handel über einen Pool und eine Formel läuft, statt über ein klassisches Orderbuch. Solche Sprünge brauche es wieder, nur eine Ebene tiefer.
Statt “noch ein Stablecoin” solle man eher Grundprobleme lösen: Risiken besser steuern, Kosten in der Zukunft absichern und neue Mechanismen für Absicherung bauen. Das ist weniger sexy, aber oft das, was Finanzsysteme im Alltag wirklich brauchbar macht.
Der Walkaway-Test: Läuft das Protokoll auch ohne Team?
Ein zentrales Kriterium ist für ihn Belastbarkeit im Betrieb. Buterin spricht vom “Walkaway-Test”. Gemeint ist: Ein Protokoll sollte weiter funktionieren, selbst wenn das Gründerteam plötzlich weg ist. Oder wenn es kompromittiert wird. Viele Systeme hängen aber noch an Admin-Schlüsseln, Upgrades durch wenige Personen oder an Offchain-Diensten, die still und leise Macht bündeln.
Mehr Kontext dazu findet sich auch hier: Ethereum muss auch ohne seine Entwickler funktionieren.
Warum Oracles so kritisch sind
Am lautesten klingelt bei Buterin der Alarm bei Oracles. Ein Oracle ist eine Datenbrücke von außerhalb der Blockchain in Smart Contracts. Zum Beispiel: ETH-Preis, Zinsen, ein Wechselkurs oder ein Ereignis. Wenn diese Daten falsch, manipuliert oder zu zentral geliefert werden, kippen oft ganze Ketten von DeFi-Logik. Dann drohen falsche Liquidationen, fehlerhafte Besicherung und kaputte Derivate.
Buterin deutet an, dass es hier viele bekannte, aber zu lange tolerierte Schwachstellen gibt. Oracles sitzen bei Lending, Stablecoins und Hebel-Produkten auf dem kritischen Pfad. Deshalb soll das Thema gezielt und langfristig “unter das Mikroskop”.
Mehr als Smart Contracts: DeFi ist eine ganze Werkzeugkette
Buterin beschreibt DeFi als Toolchain aus Onchain- und Offchain-Teilen. Dazu gehören auch Wallets und lokale Tools. Seine Prioritätenliste reicht von klassischen Themen wie Audits und Standards bis zu neuen Ideen wie KI-gestützter Formal Verification. Formal Verification bedeutet, dass Code mit mathematischen Methoden geprüft wird, ob er bestimmte Regeln wirklich einhält.
Auch Privatsphäre spielt eine Rolle. Er nennt unter anderem die Frage, wie ein möglichst privates CDP aussehen könnte. CDP steht für Collateralized Debt Position und bedeutet: Ein Kredit, der durch hinterlegte Coins besichert ist.
Die Schlusslinie ist klar: Ethereum bleibt offen, auch für unsichere oder bequem zentralisierte DeFi-Produkte. Aber die Ethereum Foundation will vor allem mit Teams arbeiten, die Kontrolle beim Nutzer lassen, zentrale Engpässe minimieren und Sicherheit ernst nehmen. Wer die Breite des Ethereum-Narrativs einordnen will, kann hier nachlesen: Ethereum als Settlement-Schicht für TradFi und Protokoll-Pläne für 2026.
Englischsprachiger Hintergrund zu den offenen Baustellen rund um Oracles und DeFi findet sich zum Beispiel bei CoinDesk und in einem Gespräch bei The Block.