Im US-Kongress gibt es einen neuen Vorstoß gegen Krypto-Diebstahl. Die Abgeordneten Lance Gooden und Josh Gottheimer haben den Federal Cryptocurrency Theft Enforcement and Coordination Act vorgestellt. Der Gesetzentwurf soll im US-Justizministerium eine neue Federal Cryptocurrency Theft Task Force schaffen.
Der Ansatz ist bewusst eng gefasst. Es geht nicht um neue Marktregeln für Bitcoin, Ethereum oder andere digitale Vermögenswerte. Stattdessen soll die Task Force Strafverfolgung, Ermittlungen und Koordination bei Krypto-Diebstahl bündeln. Der Gesetzestext stellt ausdrücklich klar, dass die Einheit keine Kryptowährungen, digitalen Vermögensmärkte, Finanzinstitute oder Finanzprodukte regulieren soll.
Krypto-Diebstahl beginnt häufig nicht erst bei großen Börsen-Hacks, sondern oft bei Phishing, kompromittierten Wallets, gestohlenen Zugangsdaten oder falsch gesicherten Seed Phrases. Wer verstehen will, warum die eigene Wallet-Sicherheit entscheidend ist, findet hier mehr zur Seed Phrase und zur Krypto-Adresse.
Was die neue Krypto-Task-Force leisten soll
Die Task Force soll innerhalb des Department of Justice angesiedelt werden. Den Vorsitz hätte der Attorney General oder eine von ihm bestimmte Person. Beteiligt wären laut Entwurf Vertreter des Justizministeriums, des FBI, des Department of Homeland Security inklusive Homeland Security Investigations sowie des Treasury Department inklusive FinCEN.
Kernaufgabe wäre die Koordination. Die Task Force soll zur zentralen föderalen Stelle für die Prävention, Untersuchung und Strafverfolgung von Kryptowährungsdiebstahl und unmittelbar damit zusammenhängender Kriminalität werden.
Dazu gehören laut Entwurf unter anderem:
- bessere Zusammenarbeit zwischen Bundesbehörden
- Best Practices für Beweissicherung und Analyse beschlagnahmter digitaler Beweise
- Ermittlungsmethoden und Asset-Tracing
- technische Unterstützung, Schulungen und Leitlinien für staatliche und lokale Strafverfolgungsbehörden
- Informationsaustausch mit Bundes-, Landes-, Kommunal-, Tribal- und Territorialbehörden
- Kooperation mit internationalen Strafverfolgungspartnern bei grenzüberschreitenden Fällen
Gerade der lokale Bezug ist wichtig. Viele Opfer wenden sich zuerst an die örtliche Polizei. Dort fehlt in der Praxis häufig Spezialwissen zu Blockchain-Forensik, Wallets, Börsen, Adressen und Transaktionsspuren. Die neue Task Force soll diese Lücke zumindest teilweise schließen, indem sie Behörden unterstützt und einheitlichere Standards bereitstellt.
Keine neue Krypto-Regulierung
Politisch ist der Entwurf auffällig zurückhaltend. Er schafft keine neuen Straftatbestände. Er erweitert oder beschränkt nicht die Zuständigkeiten bestehender Bundesregulierer. Außerdem entstehen dadurch keine neuen privaten Klagerechte.
Damit trennt der Entwurf zwei Themen, die in der US-Krypto-Debatte oft vermischt werden: Marktregulierung auf der einen Seite und Strafverfolgung bei Diebstahl auf der anderen Seite. Die neue Einheit soll sich auf kriminelle Handlungen konzentrieren, nicht auf die Frage, wie digitale Vermögensmärkte grundsätzlich reguliert werden sollen.
Das passt zur aktuellen Linie des US-Justizministeriums. In einem Memo vom April 2025 erklärte das DOJ, dass es keine „Regulation by Prosecution“ im Digital-Asset-Bereich verfolgen wolle. Gleichzeitig sollen Ermittlungen weiter Priorität haben, wenn Anleger geschädigt werden, Kundengelder veruntreut werden, Exchanges oder Smart Contracts gehackt werden oder digitale Vermögenswerte zur Finanzierung anderer Straftaten genutzt werden.
Hintergrund: NCET wurde aufgelöst
Der neue Gesetzentwurf kommt nach einer organisatorischen Veränderung im US-Justizministerium. Im April 2025 wurde die National Cryptocurrency Enforcement Team, kurz NCET, aufgelöst. Diese Einheit war zuvor auf Krypto-Ermittlungen spezialisiert.
Das bedeutet aber nicht, dass das DOJ Krypto-Kriminalität ignoriert. Das Memo des Justizministeriums verlagert den Fokus: Weg von Strafverfahren, die faktisch neue Marktregeln erzwingen sollen, hin zu Fällen mit konkreten Opfern, Betrug, Diebstahl, Hacking, Terrorismusfinanzierung, Drogenkriminalität, organisierter Kriminalität und ähnlichen Delikten.
Der neue Gesetzentwurf setzt genau an dieser Stelle an. Er will keine neue Regulierungsbehörde schaffen, sondern eine koordinierende Strafverfolgungsstruktur.
FBI-Zahlen zeigen den Problemdruck
Der Druck ist hoch. Das FBI meldete im 2025 Internet Crime Report 181.565 Beschwerden mit Kryptowährungsbezug. Die gemeldeten Verluste lagen bei mehr als 11 Milliarden US-Dollar. Insgesamt erreichten cybergestützte Straftaten laut FBI fast 21 Milliarden US-Dollar an gemeldeten Verlusten.
Diese Zahlen zeigen, wie groß das Problem geworden ist. Sie beweisen aber nicht automatisch, dass eine neue Task Force mehr Geld zurückholen wird. Bei Krypto-Diebstahl zählt Geschwindigkeit. Gestohlene Coins können schnell über Wallets, Bridges, Mixer, dezentrale Börsen oder ausländische Plattformen verschoben werden.
In der Praxis spielen deshalb nicht nur Behörden eine Rolle. Auch Börsen, Blockchain-Analysefirmen und private Sicherheitsanbieter können wichtig sein, wenn Gelder markiert, eingefroren oder nachverfolgt werden müssen. Für Betroffene ist es trotzdem entscheidend, früh zu dokumentieren, wohin Gelder gesendet wurden, welche Adressen beteiligt waren und welche Kommunikation mit Tätern stattgefunden hat.
Mehr zu konkreten Betrugsfällen und US-Strafverfolgung findest du auch in unserem Artikel zu Bitcoin-Betrug und US-Justiz sowie im Beitrag zur US-Anklage wegen Krypto-Betrugs.
Die offenen Punkte
Der Entwurf lässt einige wichtige Fragen offen. Er legt keine konkrete Finanzierung fest. Auch Details zu einer zentralen Opfermeldung, verbindlichen Reaktionszeiten oder einer festen Arbeitsteilung zwischen Bundesbehörden und lokalen Ermittlern stehen nicht im Gesetzestext.
Genau daran wird sich entscheiden, ob die Task Force in der Praxis mehr ist als eine formale Koordinationsstruktur. Nützlich wäre sie vor allem dann, wenn sie klare Ansprechpartner schafft, Ermittlungswege verkürzt und Behörden ein belastbares Playbook für digitale Beweise, Wallet-Spuren und internationale Fälle liefert.
Ohne ausreichendes Personal, technische Analysekapazitäten und schnelle Eskalationswege könnte der Effekt begrenzt bleiben. Die Idee ist plausibel, aber sie steht und fällt mit der Ausstattung.
Betrug im Fokus
Der Federal Cryptocurrency Theft Enforcement and Coordination Act ist kein neuer Versuch, den Krypto-Markt umfassend zu regulieren. Er ist ein Strafverfolgungs- und Koordinationsgesetz. Genau das macht ihn politisch anschlussfähiger.
Für Krypto-Nutzer ist die Botschaft trotzdem klar: Behörden reagieren auf die wachsende Zahl von Diebstählen, Scams und Hacks. Die beste Verteidigung bleibt aber weiterhin Prävention. Wer seine Seed Phrase schützt, Phishing erkennt und Wallet-Transaktionen sorgfältig prüft, reduziert das Risiko deutlich.
Hilfreich sind dafür diese Grundlagen:
- Seed Phrase: Der wichtigste Satz deiner Wallet
- Krypto-Adresse: So funktioniert sie wirklich
- Bitcoin kaufen: Sicher, seriös und mit niedrigen Gebühren
- Achtung Phishing: Krypto-Steuerprüfung? Bundeszentralamt für Steuern
Quellen: