Die Solana Foundation hat am 17. Juni das Programm „Frontier Traders“ gestartet und richtet sich damit gezielt an professionelle Marktteilnehmer. Das Angebot bündelt Handelsaktivität über mehrere Solana-Handelsplätze, gewährt berechtigten Nutzern VIP-Rabatte und stellt für qualifizierte Teilnehmer priorisierte Infrastruktur bereit. Im Kern geht es um eine Frage: Kann Solana professionelle Liquidität dauerhaft binden oder bleibt das Volumen vor allem eine Folge von Kampagnen und Anreizen?
Zum Zeitpunkt der Ankündigung wurde SOL bei rund 69,20 US-Dollar gehandelt. Die Marktkapitalisierung lag bei etwa 40,1 Milliarden US-Dollar, das 24-Stunden-Handelsvolumen bei rund 2,3 Milliarden US-Dollar. Auf Sicht von 30 Tagen lag SOL etwa 17 Prozent, auf 90 Tage rund 19 Prozent im Minus.
VIP-Schwellen: Wer Zugang bekommt und was es kostet
„Frontier Traders“ richtet sich laut Solana Foundation an Market Maker, High-Frequency- und Prop-Trading-Firmen, Principal Market Maker sowie erfahrene unabhängige Trader. Die VIP-Schwellen im Taker-Programm beginnen bei VIP 1 mit 10 Millionen US-Dollar 30-Tage-Volumen. VIP 2 setzt 100 Millionen US-Dollar 30-Tage-Volumen und mindestens 5 Millionen US-Dollar Open Interest voraus. VIP 3 erfordert mindestens 500 Millionen US-Dollar Volumen und 10 Millionen US-Dollar Open Interest, VIP 4 mindestens 2 Milliarden US-Dollar Volumen und 25 Millionen US-Dollar Open Interest. VIP 5 liegt bei mindestens 5 Milliarden US-Dollar (unter 10 Milliarden US-Dollar) und mindestens 100 Millionen US-Dollar Open Interest. Für Firmen mit mehr als 10 Milliarden US-Dollar erwartetem Volumen ist laut Programmhinweis eine direkte Kontaktaufnahme vorgesehen.
Warum Priority-RPC für Profis wichtiger ist als Rabatte
Ein zentrales Element ist die Infrastruktur: Priority-RPC ist laut Tier-Tabelle ab VIP 3 enthalten und läuft zunächst in Partnerschaft mit Triton und Helius. Helius bewirbt eine globale Solana-RPC-Infrastruktur in 11 Regionen mit Latenz unter 100 Millisekunden, Schätzung von Prioritätsgebühren und Eignung für Produktions-Workloads.
Triton verweist auf Pro Trading Centers in Amsterdam und Tokio, die auf geringe Lese- und Schreiblatenz, Co-Location, Validator-Routing und Geyser-Streams ausgelegt sind. Laut Beschreibung sollen Trading-Systeme dadurch bis zu 400 Millisekunden schneller reagieren können als über Standard-RPC-Dienste.
Neben Rabatten nennt das Programm dediziertes Account-Management, frühen Zugang zu Produktstarts, direkte Einführungen, Peer-Events sowie strukturiertes Feedback zur Roadmap. Qualifizierte VIP-Mitglieder können zudem technische Unterstützung und Einführungen zu Teams erhalten, die beim Start auf Solana helfen können.
Breites Venue-Paket – aber Volumen zuletzt rückläufig
Zum Start sind zahlreiche Venues und Anwendungen genannt, darunter Jupiter, Phoenix, Raydium, Backpack Securities, Orca, Byreal, Phantom, Fomo, Titan, Dflow, Pump.fun, Axiom, Meteora, Ondo, xStocks und OKX DEX. Solana gab an, die Gründungs-Venues würden mehr als 90 Prozent der Spot- und Perpetuals-Aktivität auf Solana ausmachen.
Begleitet wurde der Launch von einer SpaceX-Handelskampagne mit 25.000 US-Dollar Preisgeld für die Top 100 Trader nach $SPCX-Volumen bis zum 19. Juni. Ein weiteres Event war für den 25. Juni in London angesetzt.
Die Marktdaten zeigen zugleich, warum Solana das Programm als „On-Chain-Hausnummer“ für Profis positionieren kann: DeFiLlama weist für Solana rund 4,74 Milliarden US-Dollar TVL aus, zudem rund 1,5 Milliarden US-Dollar 24-Stunden-DEX-Volumen.
Bei Stablecoins liegt Solana laut DeFiLlama bei knapp 15,2 Milliarden US-Dollar, USDC dominiert dabei mit rund 48 Prozent. Im Perps-Bereich standen zuletzt rund 1,6 Milliarden US-Dollar 24-Stunden-Volumen sowie etwa 351 Millionen US-Dollar Open Interest zu Buche. Allerdings zeigte DeFiLlama am 20. Juni wöchentliche Rückgänge beim Solana-DEX- und Perps-Volumen.
Genau hier liegt die entscheidende Bewährungsprobe: Das Programm verschiebt den Wettbewerbsmaßstab weg von einzelnen Handelsplätzen hin zu aggregierter Aktivität über Solana-Venues und soll Solana als Handelsoberfläche positionieren. Ob das gelingt, wird sich weniger am Start-Event messen lassen als an stabilen Open-Interest-Werten, wiederkehrenden Volumina nach Kampagnen und daran, ob Strategien tatsächlich von zentralisierten Börsen auf Solana verlagert werden.
Gleichzeitig begrenzen die Programmbedingungen die Aussagekraft des Starts: Die Solana Foundation betont, die gelisteten Protokolle nicht zu unterstützen; Teilnehmer tragen Protokoll- und Handelsrisiken. Zudem kann der Sponsor Berechtigung oder Belohnungen ändern, aussetzen oder beenden.
Für den Markt bleibt damit vor allem eine Kennzahl richtungsweisend: Ob Open Interest und Volumen auch ohne Rabatte und Kampagnen nachhaltig auf Solana bleiben – ähnlich wie bei Bitcoin-ETFs mit hohem Kapitalabfluss vor der US-Wahl.