Bitcoin erlebt derzeit eine ungewöhnliche Kombination aus starkem Börsenabfluss und massiver ETF-Nachfrage. Am 22. September fiel der Bitcoin-Netflow auf Binance laut CryptoQuant auf rund minus 1,1 Milliarden US-Dollar, den niedrigsten Wert seit September 2024. Gleichzeitig zeigen aktualisierte Daten, dass die US-Spot-Bitcoin-ETFs allein am 21. und 22. September zusammen rund 1,71 Milliarden Dollar Nettozuflüsse verbuchten.
Der Bitcoin-Kurs handelt am Mittwoch bei rund 86.300 Dollar und damit weiterhin nahe seinem höchsten Stand seit rund acht Monaten. Die Kapitalströme sprechen für eine deutlich verbesserte Nachfrage, doch der entscheidende technische Durchbruch fehlt noch: Oberhalb von 86.600 bis 87.000 Dollar wartet die nächste Widerstandszone.
ETF-Nachfrage legt sogar noch einmal deutlich zu
Laut Farside Investors flossen am 21. September insgesamt 999 Millionen Dollar netto in die US-Spot-Bitcoin-ETFs. BlackRocks IBIT führte mit 381,4 Millionen Dollar, gefolgt vom ARK 21Shares Bitcoin ETF mit 289,1 Millionen Dollar und Fidelitys FBTC mit 238,8 Millionen Dollar.
Noch wichtiger für die aktuelle Lage: Die Zuflüsse brachen am folgenden Handelstag nicht ab. Am 22. September kamen weitere 714,7 Millionen Dollar hinzu. Davon entfielen 350,3 Millionen Dollar auf IBIT und 257,4 Millionen Dollar auf FBTC. Damit erreichten die Nettozuflüsse innerhalb von nur zwei Handelstagen rund 1,71 Milliarden Dollar.
Der Trend reicht sogar weiter zurück. Seit dem 17. September weisen die ETFs vier Handelstage in Folge positive Nettozuflüsse aus: 159,5 Millionen, 433 Millionen, 999 Millionen und 714,7 Millionen Dollar.
Warum der Milliarden-Abfluss von Binance nicht automatisch bullisch ist
Parallel dazu sorgt der ungewöhnlich starke Abfluss bei Binance für Aufmerksamkeit. Ein negativer Exchange-Netflow bedeutet grundsätzlich, dass innerhalb des betrachteten Zeitraums mehr Bitcoin die Krypto-Börse verlassen haben als eingezahlt wurden. Laut der von CryptoQuant veröffentlichten Analyse erreichte der Nettoabfluss am 22. September einen Gegenwert von etwa 1,1 Milliarden Dollar.
Das kann positiv für den Markt sein. Werden Bitcoin von einer Handelsplattform in langfristige Verwahrung oder Self-Custody verschoben, steht ein Teil dieser Coins kurzfristig nicht mehr unmittelbar für Verkäufe zur Verfügung. Gerade während gleichzeitig Kapital in Bitcoin-ETFs fließt, entsteht damit ein interessantes Verhältnis zwischen neuer Nachfrage und potenziell sinkendem liquidem Angebot.
Der Binance-Wert sollte allerdings nicht als Beweis für eine Milliarden-Akkumulation interpretiert werden. Börsen-Abflüsse können auch durch institutionelle Verwahrung, Transfers zwischen verschiedenen Plattformen oder Wallet-Umstrukturierungen entstehen. Aus dem Netflow allein lässt sich deshalb weder die Identität der Empfänger noch deren Verkaufsabsicht ableiten.
Entscheidend ist vielmehr die Kombination: Während auf Binance ungewöhnlich viele Bitcoin abfließen, melden die US-ETFs gleichzeitig klar messbare Nettozuflüsse.
Diese Marke entscheidet jetzt über den nächsten Test
Trotz der starken Kapitalströme steckt Bitcoin unmittelbar unter einer wichtigen Hürde fest. Analysten sehen den Bereich von 85.000 bis 85.500 Dollar als kurzfristige Unterstützung, während zwischen 86.600 und 87.000 Dollar der nächste Widerstand wartet.
Ein nachhaltiger Ausbruch über 87.000 Dollar würde den Weg noch nicht automatisch freimachen. Laut Nansen-Analyst Nikolai Sondergaard liegen mit 90.000 und 92.000 Dollar bereits die nächsten relevanten Widerstandszonen.
Auf der Unterseite zählt zunächst die Zone um 85.000 Dollar. Fällt Bitcoin darunter zurück, würde das Risiko einer Abkühlung steigen.
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