MiCA-Countdown in der EU: Binance wackelt, USDT verschwindet

MiCA-Countdown in der EU: Binance wackelt, USDT verschwindet
MiCA-Countdown in der EU: Binance wackelt, USDT verschwindet (BitcoinBasis.de | Image GPT)

In der EU läuft die Uhr: Spätestens am 1. Juli 2026 müssen Kryptodienstleister eine MiCA-Zulassung haben, um regulär weiter Kunden bedienen zu können. Doch bislang haben nach Angaben von Alex Obchakevich erst 194 von mehr als 3.000 in Europa tätigen Kryptofirmen eine Lizenz erhalten.

Anbieter MiCA-regulierte Einheit Land Zugelassene Bereiche Anbieter
eToro eToro (Europe) Ltd Zypern Verwahrung, Krypto/Fiat-Tausch, Orderausführung, Orderübermittlung, Beratung, Transferdienste Zum Anbieter »
Finst Finst B.V. Niederlande Verwahrung, Orderausführung, Orderübermittlung, Transferdienste Zum Anbieter »
Bitpanda Bitpanda GmbH / weitere Bitpanda-Einheiten Österreich / Malta / Deutschland Verwahrung, Krypto/Fiat-Tausch, Krypto/Krypto-Tausch, Orderausführung, Platzierung, Orderübermittlung, Transferdienste Zum Anbieter »
Bitvavo Bitvavo B.V. Niederlande Verwahrung, Handelsplattform, Transferdienste Zum Anbieter »
Coinbase Coinbase Luxembourg S.A. Luxemburg Verwahrung, Krypto/Fiat-Tausch, Krypto/Krypto-Tausch, Orderausführung, Platzierung, Orderübermittlung, Transferdienste Zum Anbieter »
Trade Republic Trade Republic Bank GmbH Deutschland Verwahrung, Orderausführung, Orderübermittlung, Transferdienste Zum Anbieter »

Gleichzeitig bleibt die Nutzung nicht lizenzierter Angebote hoch: Obchakevich zufolge greifen 60 Prozent der europäischen Kryptonutzer weiterhin auf Plattformen ohne Zulassung zurück. Für den Markt bedeutet das eine harte Zäsur – und sie kommt schneller näher, als viele Anbieter aufholen.

Nur wenige Lizenzen – aber Millionen Nutzer auf unregulierten Apps

Die Zahlen zeigen, wie groß die Lücke zwischen Regulierung und Realität noch ist. Laut Obchakevich entfielen 7,6 Millionen von insgesamt 18,5 Millionen jüngsten App-Downloads in Europa auf Unternehmen ohne Zulassung. Wenn die Übergangsfrist ausläuft, riskieren Exchanges, Broker und Wallet-Anbieter ohne Lizenz, den Zugang zu EU-Nutzern zu verlieren – so die Einschätzung Obchakevichs.

Damit rückt auch ein praktisches Problem in den Fokus: Der Stichtag könnte den Kryptozugang für viele Nutzer stören, bevor konforme Alternativen in der Breite verfügbar sind.

MiCA sorgt zwar für einheitlichere Regeln im Binnenmarkt, zwingt aber zugleich Anbieter, Prozesse, Kapitalanforderungen und Aufsichtsstrukturen schnell nachzuziehen.

Binance setzt auf Passporting – doch Griechenland soll ablehnen

Besonders brisant ist die Lage für Binance. Die Börse hatte ihre MiCA-Strategie auf Griechenland ausgerichtet und dort in diesem Jahr einen Antrag gestellt, nachdem sie eine lokale Holdinggesellschaft in Athen gegründet hatte.

Eine Genehmigung in Griechenland hätte Binance ermöglicht, Kunden in allen 27 EU-Mitgliedstaaten über das Passporting-System von einer einzigen regulatorischen Basis aus zu bedienen.

Doch Reuters berichtete, dass die griechische Hellenic Capital Market Commission den Antrag von Binance ablehnen will. Binance hält in Frankreich bereits eine Registrierung als Anbieter von digitalen Vermögenswerten, die begrenzte Aktivitäten wie Verwahrung und Spot-Handel erlaubt.

Laut The Big Whale prüft Binance zudem einen alternativen Weg über Frankreich. CEO Richard Teng erklärte, Binance bleibe der MiCA-Zulassung verpflichtet und wolle unter einem klaren, fairen und harmonisierten Regelwerk weiterarbeiten.

Ein weiterer Aspekt kursiert als unbelegte Darstellung: Gareth Jenkinson sagte, ihm sei mitgeteilt worden, dass Christine Lagarde nach Abschluss der griechischen Prüfung in den Antrag eingegriffen habe. Weder die EZB noch griechische Behörden haben diese Darstellung bestätigt.

USDT wird in der EU ausgedünnt – EZB drückt beim digitalen Euro

Parallel verschieben sich die Kräfte bei Stablecoins. Tether ist zwar der größte Stablecoin-Emittent, doch CEO Paolo Ardoino sagte, dass Tether derzeit keine EU-Zulassung anstrebt.

Die EU-Regeln verlangen von Emittenten fiatgedeckter Stablecoins unter anderem eine Registrierung als E‑Geld-Institut sowie Vorgaben zu Reserven, Governance und Offenlegung. Ardoino hat diese Anforderungen, insbesondere die Regeln zur Verwahrung von Reserven, wiederholt kritisiert.

Die Konsequenz ist bereits sichtbar: Mehrere große Börsen, darunter Binance, Coinbase, Kraken, OKX, Bitstamp und Crypto.com, haben USDT für EU-Kunden entfernt oder eingeschränkt. Dagegen hat USDC von Circle MiCA-Konformität erreicht.

Tether wiederum hat in das niederländische Fintech Quantoz investiert, um die Einführung der Stablecoins EURQ und USDQ zu unterstützen. Quantoz steht unter Aufsicht der niederländischen Zentralbank, die Tokens sind als E‑Geld-Produkte strukturiert.

Auch die EZB nutzt die Entwicklung für ihre Argumentation. Sie drängt auf Fortschritte beim rechtlichen Rahmen für einen digitalen Euro. Die EZB sieht einen möglichen Start eines Piloten im Jahr 2027 vor, falls 2026 ein Gesetz verabschiedet wird; eine erste Ausgabe hält sie 2029 für denkbar.

Christine Lagarde hat den digitalen Euro wiederholt als wichtig für die monetäre Autonomie Europas dargestellt, EZB-Direktor Piero Cipollone verwies im Europäischen Parlament auf mögliche Vorteile wie weniger Zahlungsfragmentierung und mehr Resilienz.

Die Stablecoin-Daten der EZB unterstreichen zudem die Dimension: Laut Macroprudential Bulletin stieg das Volumen eurodenominierter Stablecoins im Januar 2026 auf rund 450 Millionen Euro, nach 50 Millionen Euro zwei Jahre zuvor.

Dollar-denominierte Stablecoins lagen demnach bei rund 300 Milliarden US-Dollar. Genau diese Schieflage stärkt nach Einschätzung mehrerer Marktbeobachter den Trend, Liquidität von Offshore-Dollar-Token hin zu regulierten Emittenten innerhalb der EU zu verlagern.

Für Nutzer und Anbieter wird damit vor allem eine Frage entscheidend: Wer schafft es bis zum 1. Juli 2026 in die MiCA-Struktur, und wer verliert Reichweite.

Je näher der Stichtag rückt, desto klarer wird die Trennung zwischen lizenzierten Diensten mit EU-Passporting und Angeboten, die für europäische Kunden schlicht nicht mehr verfügbar sein könnten – unabhängig davon, ob der Markt gerade wie in der Analyse zu Bitcoin bei 65.000 Dollar eher Stabilisierung oder neue Dynamik signalisiert.

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