Während der eskalierende Iran Krieg viele Märkte durcheinanderwirbelt, sieht JPMorgan eine auffällige Entwicklung: Bitcoin zeigt zunehmend Safe Haven Eigenschaften, während Gold und Silber als klassische Krisenabsicherung gleichzeitig an Boden verlieren. Laut der US Bank ist diese Trennung nicht nur an den Kursen zu erkennen, sondern auch an Kapitalflüssen, Positionierung und Liquidität.
JPMorgan: Bitcoin hält sich besser als Gold und Silber
In einem Bericht vom 26. März schreibt ein Team um Analyst Nikolaos Panigirtzoglou, dass Bitcoin seit der Zuspitzung des Konflikts stabiler geblieben sei als die Edelmetalle. JPMorgan beziffert den Monatsverlust bei Gold auf rund 15 Prozent. Parallel dazu hätten Gold ETFs in den ersten drei Märzwochen fast 11 Milliarden US Dollar an Abflüssen verzeichnet.
Auch Silber steht laut der Bank unter Druck. Zuflüsse in Silber ETFs, die sich seit dem vergangenen Sommer aufgebaut hatten, seien inzwischen wieder weitgehend abgebaut worden. Bei Bitcoin Fonds sieht JPMorgan dagegen weiterhin Nettozuflüsse im gleichen Zeitraum, ein Signal, dass Anleger Kapital eher in Krypto als in Edelmetalle umschichten.
Warum die Bank von Safe Haven Nachfrage spricht
JPMorgan erklärt die Bewegung nicht mit der simplen These, dass Bitcoin Gold komplett ersetzt. Entscheidend sei das Timing: Zu Beginn des Krieges habe Bitcoin wie ein Risiko Asset reagiert und sei kurzzeitig in den Bereich der niedrigen 60.000 US Dollar gefallen. Danach habe sich der Kurs jedoch stabilisiert und wieder in die Zone zwischen hohen 60.000 und niedrigen 70.000 US Dollar zurückgefunden, während Gold und Silber weiter an Unterstützung verloren.
Ein wichtiger Punkt ist laut JPMorgan die Positionierung. Gold und Silber seien zuvor stark überlaufen gewesen, nachdem die Rally die Preise zeitweise in extreme Bereiche getrieben hatte. Als Zinsen stiegen, der Dollar stärker wurde und Investoren Risiko abbauten, lösten sich diese überfüllten Trades auf. Daten zur Positionierung an der CME zeigten seit Januar einen deutlichen Rückgang bei Gold und Silber, während die Bitcoin Futures Bestände in den letzten Wochen vergleichsweise stabil geblieben seien.
Hinzu kommt das Thema Liquidität. JPMorgan schreibt, dass sich die Liquiditätsbedingungen bei Gold verschlechtert hätten und die Marktbreite dort inzwischen unter der von Bitcoin liege. Bei Silber sei die Markttiefe ohnehin dünner, was Kursbewegungen nach unten zusätzlich beschleunigt habe.
Iran als Sonderfall: Krypto Nutzung steigt in Krisenzeiten
In einer weiteren Zusammenfassung verweist JPMorgan auf Daten von Chainalysis, die nach Ausbruch des Krieges eine steigende Krypto Aktivität im Iran zeigen sollen. Beobachtet worden seien unter anderem mehr Transfers von lokalen Börsen in Self Custody Wallets sowie Bewegungen hin zu internationalen Plattformen. Aus Sicht der Bank unterstreicht das den praktischen Nutzen von Kryptowährungen in Ländern, die unter wirtschaftlichem Druck, Währungsproblemen oder geopolitischem Stress stehen.
JPMorgan ergänzt, dass sich die Momentum Indikatoren bei Bitcoin, die zuvor in den überverkauften Bereich gefallen waren, wieder in Richtung neutral bewegen. Das deute darauf hin, dass der Verkaufsdruck nachlässt. Bei Gold und Silber sei die Lage umgekehrt, dort sei das Momentum von überkauft auf unter neutral gekippt, was zu den jüngsten Liquidationen passe.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag der Bitcoin Kurs bei 68.597 US Dollar.