Sonntagmorgen 05:00 UTC: 0,77 % günstiger als Mittwoch 18:00 UTC
Wir haben 17.281 ETH/EUR-Stundenkerzen über zwei Jahre ausgewertet. Das Ergebnis ist überraschend stabil: Ethereum ist am Wochenende und in den frühen Morgenstunden systematisch günstiger als unter der Woche und am Nachmittag. Der Effekt ist mit unter einem Prozent klein, aber im Mittel über 24 Monate statistisch signifikant – und für Sparpläne praktisch nutzbar.
Daten-Sample17.281Stundenkerzen, Mai 2024 – April 2026Bester WochentagSonntag−0,36 % vs. WochenmittelBeste Stunde (UTC)05:00−0,38 % vs. TagesmittelOptimaler SlotSo 05 UTC−0,77 % vs. Wochenmittel
Die Kernerkenntnisse auf einen Blick
- Wochentag-Effekt: Sonntag ist im Mittel 0,36 Prozent günstiger als das Wochenmittel, Mittwoch 0,32 Prozent teurer. Differenz von Sonntag zu Mittwoch: rund 0,7 Prozent.
- Stunden-Effekt: Zwischen 02:00 und 06:00 UTC notiert ETH systematisch unter dem Tagesmittel. Hochs liegen zwischen 14:00 und 20:00 UTC, wenn Europa und die US-Ostküste gleichzeitig wach sind.
- Optimaler Slot: Sonntag 05:00 UTC kombiniert beide Effekte und ist mit −0,77 Prozent der historisch günstigste Slot. Teuerster Slot: Mittwoch 18:00 UTC mit +0,72 Prozent.
- Praktische Empfehlung: Wer einen wöchentlichen Sparplan einrichtet, legt ihn auf Sonntagmorgen statt Mittwochnachmittag. Über fünf Jahre macht das mehrere hundert Euro Einkaufsvorteil aus.
- Was die Studie nicht ist: Sie ist kein Trading-Signal. Volatilitätsspitzen (CPI-Veröffentlichungen, ETF-Genehmigungen, Hacks) überschreiben die Effekte temporär komplett.
Woher die Daten stammen
Die Datenbasis sind stündliche OHLC-Kerzen für das Handelspaar ETH/EUR auf Binance. Wir haben den Zeitraum 10. Mai 2024 bis 30. April 2026 ausgewertet – exakt 17.281 Stundenkerzen. Pro Kerze nutzen wir den Schluss-Preis als Referenzwert.
Warum Binance? Drei Gründe. Erstens ist der ETH/EUR-Markt dort einer der liquidesten in Europa, was statistische Verzerrungen durch Spread-Spreizung minimiert. Zweitens ist die Public REST API von Binance frei zugänglich, ohne API-Key-Pflicht und ohne Rate-Limit-Probleme bei der Menge an Daten, die wir ziehen. Drittens lassen sich die Daten unabhängig nachprüfen – jeder kann mit dem unten verlinkten Skript dieselbe Auswertung in zehn Minuten reproduzieren.
GET https://api.binance.com/api/v3/klines?symbol=ETHEUR&interval=1h
Wir haben bewusst keinen Aggregator wie CoinGecko oder CryptoCompare verwendet. Aggregatoren mitteln Preise mehrerer Börsen, was Saisonal-Pattern verwischt: Eine asiatische Börse hat zur gleichen UTC-Zeit andere Liquiditätsverhältnisse als eine europäische. Für eine Saisonal-Studie ist eine einzelne, klar definierte Datenquelle aussagekräftiger.
Warum 24 Monate?
Ein Sample über 24 Monate hat zwei Vorteile. Erstens deckt es ungefähr eine vollständige Markt-Phase ab – Mai 2024 startete am Ende einer Erholungsphase, der Zeitraum enthält sowohl ausgeprägte Bull- als auch Bear-Wochen. Zweitens reicht es aus, um den Tag-im-Monat-Effekt (1.–31.) abzubilden, der mindestens 24 Monatszyklen braucht, um aus dem Rauschen herauszustechen.
Hätten wir nur 12 Monate genommen, wären die Ergebnisse möglicherweise von der konkreten Markt-Phase 2024–2025 verzerrt. Hätten wir 60 Monate ausgewertet, wären strukturelle Veränderungen (Merge im September 2022, ETH-ETF-Approvals 2024) zu stark im Schnitt vertreten – und die heutigen Pattern wären weniger gut sichtbar.
Wie wir ausgewertet haben (Methodik)
Der naive Ansatz wäre, einfach den Durchschnittspreis pro Wochentag zu berechnen. Das funktioniert nicht, weil ein 24-Monats-Sample langfristige Trends enthält: Ein Mittwoch im November 2025 (Bullenmarkt-Peak) ist absolut teurer als ein Sonntag im Juli 2024 (Konsolidierungsphase) – das hat aber nichts mit dem Wochentag zu tun.
Wir lösen das Problem durch Normalisierung gegen unterschiedliche Bezugsgrößen:
- Wochentag-Pattern: Jeder Stundenpreis wird als prozentuale Abweichung vom Wochenmittel ausgedrückt. Bullen-Wochen heben den Mittwoch genauso wie den Sonntag – die Differenz zwischen den Tagen bleibt erhalten, der Trend rauscht raus.
- Stunden-Pattern: Jeder Stundenpreis wird als Abweichung vom Tagesmittel ausgedrückt. Damit isolieren wir den reinen Intraday-Effekt unabhängig vom Wochentag.
- Wochentag × Stunde (Heatmap): Hier nutzen wir die Wochenmittel-Normalisierung, weil wir den kombinierten Effekt sehen wollen.
- Tag-im-Monat-Pattern: Normalisierung gegen das Monatsmittel.
Aus den normalisierten Werten bilden wir den Durchschnitt über alle 17.281 Datenpunkte. Das Ergebnis ist die mittlere prozentuale Abweichung pro Slot – die Werte, die du in der interaktiven Visualisierung siehst.
Ergebnis: Welcher Wochentag ist am günstigsten?
Der klare Sieger ist der Sonntag: ETH notiert im Mittel 0,36 Prozent unter dem Wochenmittel. Auf Platz zwei folgt der Samstag mit −0,10 Prozent, dann der Montag mit −0,19 Prozent. Auf der teuren Seite stehen Mittwoch (+0,32 Prozent) und Donnerstag (+0,24 Prozent). Die Differenz zwischen dem günstigsten und dem teuersten Wochentag beträgt rund 0,7 Prozentpunkte.
Ethereum-Preis nach Wochentag
Mittlere Abweichung vom Wochenmittel (%) · 24 Monate ETH/EUR
Liquidität ist am Wochenende dünner. Banken sind geschlossen, traditionelle Märkte ruhen, und institutionelle Inflows konzentrieren sich auf die Werktage. Was bleibt, sind Spot-Käufer mit kleineren Volumen – und die treiben den Preis nicht systematisch nach oben. Mittwoch und Donnerstag dagegen fallen oft in die Mitte der Wochenbewegung, in der frische Allokationen aus institutionellen Multi-Asset-Mandaten in den Markt fließen.
Das ist eine Erklärung, keine Garantie. In bestimmten Wochen (zum Beispiel rund um eine US-CPI-Veröffentlichung am Mittwoch) kehrt sich das Pattern komplett um. Über 24 Monate gemittelt bleibt es aber stabil.
Ergebnis: Welche Tagesstunde ist am günstigsten?
Hier ist das Pattern noch deutlicher. Zwischen 02:00 und 06:00 UTC liegt der ETH-Preis konsistent unter dem Tagesmittel, mit einem Tiefpunkt um 05:00 UTC (−0,38 Prozent). Das entspricht im deutschen Sommer 07:00 Ortszeit, im Winter 06:00 Ortszeit. Der teuerste Slot ist 16:00 UTC (+0,31 Prozent) – also später Nachmittag in Europa, früher Morgen an der US-Ostküste.
Ethereum-Preis nach Tagesstunde (UTC)
Mittlere Abweichung vom Tagesmittel (%) · 24 Monate ETH/EUR
Zwischen 02:00 und 06:00 UTC sind die asiatischen Märkte gerade dabei, den Tag zu beenden, Europa schläft, die USA sind noch nicht aktiv. Das Handelsvolumen ist niedrig, große Marktbewegungen werden seltener ausgelöst. Ab 14:00 UTC sind dann Europa und die US-Ostküste gleichzeitig wach. Genau in diese Phase fällt auch die Veröffentlichung wichtiger US-Wirtschaftsdaten – CPI, Non-Farm-Payrolls, Fed-Sitzungen –, die regelmäßig kurzfristige Volatilitätsspitzen erzeugen.
Der optimale Zeitpunkt: Wochentag × Stunde
Die Heatmap kombiniert beide Effekte. Die untere Zeile (Sonntag) ist insgesamt grün, mit einem klaren Tief am frühen Morgen. Die mittleren Zeilen (Dienstag bis Donnerstag) sind in den Nachmittagsstunden tiefrot. Der Kontrast ist visuell deutlich.
Heatmap: Wann ist Ethereum am günstigsten?
Mittlere Abweichung vom Wochenmittel (%) · 24 Monate ETH/EUR · Hover/Klick auf eine Zelle für Details.
Der absolute Sieger über alle 168 Slots (7 Tage × 24 Stunden) ist Sonntag 05:00 UTC mit −0,77 Prozent. Auf Platz 2 und 3 folgen Sonntag 03:00 (−0,71) und Sonntag 04:00 (−0,67). Wer also wöchentlich kauft, hat in dieser kompakten Drei-Stunden-Fenster am Sonntagmorgen UTC die statistisch besten Karten.
Auf der teuren Seite dominiert die Mittwoch-Wand: Mittwoch 18:00 UTC führt mit +0,72 Prozent, gefolgt von Mittwoch 17:00 und 14:00 sowie Donnerstag 16:00. Wer einen automatisierten Sparplan auf einen dieser Slots gelegt hat, lässt im Schnitt deutlich Rendite liegen.
Top 5 günstigste Slots
Wochentag × Stunde mit niedrigster mittlerer Abweichung.
- 1Sonntag 05:00 UTC−0,77 %
- 2Sonntag 08:00 UTC−0,74 %
- 3Sonntag 03:00 UTC−0,71 %
- 4Sonntag 04:00 UTC−0,68 %
- 5Sonntag 06:00 UTC−0,65 %
Top 5 teuerste Slots
Wochentag × Stunde mit höchster mittlerer Abweichung.
- 1Mittwoch 18:00 UTC+0,72 %
- 2Mittwoch 17:00 UTC+0,64 %
- 3Mittwoch 14:00 UTC+0,63 %
- 4Mittwoch 15:00 UTC+0,62 %
- 5Donnerstag 16:00 UTC+0,59 %
Was bedeutet das praktisch für deinen ETH-Kauf?
Sparplan-Konfiguration
Die meisten ETH-Sparpläne (Bitvavo, Trade Republic, Bitpanda Savings) lassen sich auf Wochentag und teils auch auf Uhrzeit konfigurieren. Wenn du einen wöchentlichen Sparplan hast, legst du ihn auf Sonntag früh – idealerweise Sonntag 05:00 UTC, also 06:00 deutscher Zeit im Winter und 07:00 im Sommer. Bei monatlichen Sparplänen wählst du den ersten Sonntag des Monats.
Einmalkäufe verteilen
Bei größeren Einmalkäufen (über 5.000 €) ist der Slot-Effekt ein Bonus, kein Trading-Signal. Wer auf den „richtigen“ Tag wartet, riskiert, einen Aufwärtstrend zu verpassen. Pragmatischer ist es, den Kaufbetrag auf zwei oder drei Tranchen zu verteilen: ein Teil sofort, ein Teil am nächsten Sonntagmorgen, ein Teil zwei Wochen später. Das mittelt zusätzlich.
Was diese Studie nicht sagt
Mehrere Einschränkungen sind wichtig, damit das Ergebnis nicht falsch eingeordnet wird:
- Es ist kein Trading-Signal. Die Effekte sind Mittelwerte über zwei Jahre. In einer einzelnen Woche kann der Sonntag deutlich teurer sein als der Mittwoch – etwa wenn am Wochenende ein bullisher Tweet eines großen Marktteilnehmers den Markt bewegt.
- Volatilitätsspitzen überschreiben das Pattern. Eine US-CPI-Veröffentlichung am Mittwoch um 13:30 UTC kann ETH innerhalb von zwei Stunden um drei Prozent bewegen. Solche Bewegungen sind ein Vielfaches größer als der mittlere Slot-Effekt von 0,77 Prozent.
- Die Effektgrößen sind klein. Im Vergleich zu typischen Tagesvolatilitäten von zwei bis fünf Prozent ist ein Slot-Vorteil von unter einem Prozent Statistik im Hintergrund, nicht Sicht im Vordergrund.
- Andere Börsen können leicht abweichen. Wir haben nur ETH/EUR auf Binance ausgewertet. Auf Bitvavo, Kraken oder Coinbase können die Pattern leicht anders sein – vermutlich nicht stark, aber nicht identisch.
- Steuerliche Ebene unberührt. Der optimale Kaufslot heißt nicht optimaler Verkaufsslot. Für die einjährige Haltefrist in Deutschland zählt das Datum des Kaufs, nicht die Tageszeit.
Wann wir die Studie aktualisieren
Die Studie hat Snapshot-Charakter mit Stand Mai 2026. Wir planen ein jährliches Update, jeweils Anfang Mai, mit dem Datenfenster der dann letzten 24 Monate. So können wir gleichzeitig prüfen, ob die Pattern stabil bleiben oder sich strukturell verschieben (etwa weil die Krypto-Märkte zunehmend institutionell werden und sich die Liquiditätsverteilung ändert).
Wo kann ich Ethereum jetzt kaufen?
Die Studie ist nur die halbe Antwort. Für die andere Hälfte – welche Plattform günstig ist, welche Zahlungsmethode sich lohnt – haben wir einen ausführlichen Ratgeber:
Ethereum kaufen
Häufige Fragen zur Studie
Warum gerade Binance als Datenquelle?
Liquidität, freie API-Verfügbarkeit und Reproduzierbarkeit. Der ETH/EUR-Markt auf Binance ist einer der liquidesten in Europa, die Public REST API liefert ohne Anmeldung historische OHLC-Daten in Stunden-Auflösung, und jeder kann die Auswertung mit dem unten verlinkten Skript unabhängig nachprüfen. Wir haben bewusst keinen Aggregator wie CoinGecko verwendet, weil deren Mittelung über mehrere Börsen die Saisonal-Pattern verwischt.
Warum nur 24 Monate Daten?
Zu kurz (12 Monate) wäre das Sample anfällig für die konkrete Markt-Phase. Zu lang (60+ Monate) würden strukturelle Brüche wie der Ethereum-Merge im September 2022 oder die ETH-Spot-ETF-Genehmigung 2024 die jüngeren, relevanteren Pattern verwässern. 24 Monate sind ein Kompromiss, der eine vollständige Markt-Phase abdeckt und gleichzeitig aktuell genug ist.
Warum Stundenkerzen und nicht Minuten?
Minuten-Daten würden mehr Detailtreue liefern, aber bei 17.281 Stundenkerzen sind die statistischen Effekte schon sauber sichtbar. Mit Minuten-Daten hätten wir 1.036.860 Datenpunkte – mehr Rauschen, kein zusätzlicher Informationsgewinn auf Slot-Ebene. Außerdem sind Sparpläne in der Regel auf Stunden-Genauigkeit konfigurierbar, nicht auf Minuten.
Gilt das gleiche Pattern auch für Bitcoin?
Ähnlich, aber nicht identisch. Bitcoin hat in unserer Vergleichsauswertung (nicht Teil dieser Studie) einen vergleichbaren Wochentag-Effekt mit Sonntag-Tief, aber einen schwächeren Stunden-Effekt – vermutlich weil BTC-Liquidität gleichmäßiger über den Tag verteilt ist. Eine separate BTC-Studie planen wir für Q3 2026.
Kann ich die Daten und das Skript selbst nutzen?
Ja, beide sind frei verfügbar. Das Python-Skript steht unter MIT-Lizenz, die Daten kommen direkt von der Binance Public API. Wer eine eigene Analyse mit anderen Coins, anderen Zeiträumen oder anderen Normalisierungen machen will, ist herzlich eingeladen – ein Verweis auf diese Studie reicht uns.
Disclaimer/Risikohinweis:
Diese Studie ist eine statistische Auswertung historischer Kursdaten. Sie ist keine Anlageberatung, kein Trading-Signal und keine Garantie für zukünftige Kursentwicklungen. Krypto-Investments sind hochvolatil und können zum Totalverlust führen. Steuerliche Aussagen ersetzen keine individuelle Beratung durch einen Steuerberater.