Bitcoin steht wieder unter Druck. Nach der Erholung in Richtung 83.000 Dollar ist der Kurs unter die Marke von 80.000 Dollar gefallen. Der Auslöser kommt ausgerechnet aus einem Bereich, der zuletzt als Stütze für den Markt galt: den US-Spot-ETFs.
Nach Daten von SoSoValue haben die Bitcoin-Spot-ETFs in den USA ihre fünftägige Serie positiver Nettozuflüsse beendet. Statt frischem Kapital flossen zuletzt rund 277 Millionen Dollar aus den Fonds ab. Für Anleger ist das mehr als nur eine Tagesbewegung, denn die ETFs gelten seit ihrer Zulassung als wichtiger Gradmesser für institutionelle Nachfrage.
Warum der Rücksetzer gefährlicher wirkt als gedacht
Spot-ETFs ermöglichen Investoren, an Bitcoin teilzuhaben, ohne selbst Bitcoin zu kaufen, Wallets zu verwalten oder Kryptobörsen zu nutzen. Genau deshalb sind diese Produkte für traditionelle Anleger und institutionelle Marktteilnehmer so wichtig geworden. Wenn dort Kapital zufließt, wird das oft als Zeichen wachsender Nachfrage gewertet. Wenn Kapital abfließt, kippt die Stimmung schneller.
In den vergangenen Wochen sah das Bild noch deutlich freundlicher aus. Im April gab es zwar einzelne Tage mit Abflüssen, doch die Zuflüsse überwogen klar. Auch der Start in den Mai brachte zunächst neue Stärke: Fünf Handelstage in Folge verzeichneten die Bitcoin-ETFs positive Nettozuflüsse. Parallel dazu konnte Bitcoin wieder bis an die Zone um 83.000 Dollar steigen.
Genau deshalb fällt der jüngste Abfluss so stark auf. Die 277 Millionen Dollar sind kein vollständiger Stimmungsbruch, aber sie zeigen, dass die ETF-Nachfrage nicht mehr automatisch als Rückenwind wirkt. Sobald institutionelle Käufer vorsichtiger werden, verliert Bitcoin einen wichtigen Treiber der jüngsten Erholung.
Diese Marke entscheidet jetzt über Erholung oder neuen Druck
Die Zone um 80.000 Dollar rückt damit in den Mittelpunkt. Hält Bitcoin darunter nicht schnell wieder Anschluss, könnte der Rücksetzer von einer normalen Gewinnmitnahme zu einem ernsteren Warnsignal werden. Besonders heikel ist: Der Kursrückgang fällt zeitlich mit dem Ende der ETF-Zuflussserie zusammen. Das verstärkt den Eindruck, dass der Markt aktuell empfindlicher auf Kapitalbewegungen reagiert.
Noch ist das Bild aber nicht komplett gekippt. Trotz des roten Tages liegt der wöchentliche Nettozufluss der Bitcoin-Spot-ETFs weiter bei rund 768 Millionen Dollar. Das bedeutet: Die jüngsten Abflüsse haben den positiven Trend der Woche noch nicht ausgelöscht. Genau darin liegt der zentrale Konflikt für Anleger.
Solange die Wochenbilanz deutlich positiv bleibt, kann der Rücksetzer als Belastung innerhalb einer laufenden Erholung gelesen werden. Werden die Abflüsse jedoch größer oder halten mehrere Tage an, könnte daraus ein echtes Warnsignal für den Bitcoin-Kurs entstehen.
Auch Ethereum gerät unter Druck
Nicht nur Bitcoin spürt den Gegenwind. Auch die US-Spot-ETFs auf Ethereum verzeichneten zuletzt deutliche Abflüsse. Dort sollen mehr als 103 Millionen Dollar aus den Fonds abgeflossen sein. Für Ethereum ist das Bild sogar anfälliger, weil diese Abflüsse einen größeren Teil der jüngsten Zuflüsse neutralisiert haben.
Die wöchentliche Nettozufluss-Bilanz der Ethereum-ETFs liegt nur noch bei rund 66 Millionen Dollar. Damit ist der Puffer deutlich kleiner als bei Bitcoin. Während Bitcoin trotz Rücksetzer noch auf einer starken Wochenbasis steht, wirkt Ethereum bei den ETF-Strömen bereits fragiler.
Für Bitcoin zählt jetzt vor allem eine Frage: Kommen die Käufer schnell zurück oder war der Bruch der ETF-Serie der Beginn einer neuen Abflussphase? Die Marke von 80.000 Dollar ist jetzt die Linie, an der sich entscheidet, ob die Erholung nur kurz stolpert oder ob der Markt wieder ernsthaft unter Druck gerät.