DeFi-Lending steht nach einer Serie schwerer Sicherheitsvorfälle vor einem Vertrauensproblem. TRM Labs ordnete die Exploits bei Drift und KelpDAO nordkoreanischen Staatsakteuren zu. Beide Fälle machten zusammen rund 76 Prozent der Krypto-Hackverluste im Jahr 2026 bis April aus. Besonders der KelpDAO-Vorfall fällt ins Gewicht: Er wurde auf etwa 290 Millionen US-Dollar geschätzt und führte laut Angaben zu rund 200 Millionen US-Dollar an faulen Schulden auf Aave.
Gleichzeitig fließt immer mehr DeFi-Lending über große Distributionskanäle. Morpho, eines der größeren Lending-Protokolle mit einem TVL von 7,1 Milliarden US-Dollar, schloss am 9. Juni eine Finanzierungsrunde über 175 Millionen US-Dollar ab. Zu den Geldgebern zählen Paradigm, a16z crypto, Ribbit Capital, VanEck, Apollo Global Management und Circle Ventures.
Der KelpDAO-Fall zeigt das Risiko „faule Schulden“
Beim KelpDAO-Vorfall wurde unbesichertes rsETH als Sicherheit auf Aave, Compound und Euler verwendet. Die Folge waren erhebliche Ausfälle, allen voran bei Aave mit rund 200 Millionen US-Dollar an „Bad Debt“. Solche Schäden sind mehr als ein Einzelfall für die betroffenen Protokolle: Sie wirken direkt auf die Wahrnehmung von DeFi-Lending, weil Kreditmärkte auf verlässliche Besicherung und funktionierende Risikosteuerung angewiesen sind.
Matt Fisher, CEO von Katana, spricht in diesem Zusammenhang von der „größten Bedrohung“ für DeFi on-chain. Die jüngste Serie von Hacks und Exploits habe Glaubwürdigkeit und Vertrauen stark belastet. Unter Druck geraten aus Fishers Sicht vor allem Anbieter, die DeFi-Erträge in Apps von Börsen oder Fintechs verpacken: Dort zählt neben Rendite zunehmend das Reputationsrisiko.
Coinbase und Kraken routen Nutzer in DeFi – und erhöhen die Fallhöhe
Die Distribution läuft inzwischen über große Namen. Coinbase betreibt ein USDC-Lending-Produkt auf Basis von Morpho und Steakhouse-Vaults auf Base. Morpho gibt an, dass diese Integration mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar an USDC-Krediten erzeugt hat, davon seien weiterhin mehr als 800 Millionen US-Dollar aktiv. Als Sicherheit seien zudem mehr als 1,4 Milliarden US-Dollar in cbBTC hinterlegt.
Auch Kraken hat mit „DeFi Earn“ ein Produkt am Start, das Nutzer über Vaults und Lending-Protokolle routet. Kraken setzt dabei auf Infrastruktur von Veda und Sentora. Der Trend ist klar: DeFi-Lending wird stärker in bekannte Oberflächen verlagert. Das kann Volumen und Stabilität bringen, erhöht aber auch die Fallhöhe, wenn ein Exploit auf ein angebundenes Protokoll durchschlägt.
Mehr Privatsphäre für Einlagen: Zama und Morpho starten am 23. Juni
Ein weiterer Baustein für institutionelle Nutzung ist Privatsphäre. Zama und Morpho starten ab dem 23. Juni eine Lösung für vertrauliche USDC-Einlagen in einem Steakhouse-Vault. Dabei bleiben Einzahlungsgröße, Richtung und Zeitpunkt der Einzahlung verschlüsselt. Die Einlagen fließen laut Konzept trotzdem in denselben gemeinsamen Morpho-Vault wie andere Einlagen. Fisher verweist darauf, dass Shared-Liquidity-Pools normalerweise Positionsgröße, Timing und Strategie für Beobachter auf der Blockchain offenlegen. Vertrauliche Einlagen sollen dieses Problem reduzieren, ohne Liquidität abzuschotten.
Auf der Produktseite setzt Morpho zudem auf Morpho V2 mit Festzinskrediten und flexibleren Sicherheitenbedingungen. Parallel rücken regulatorische Fragen stärker in den Vordergrund: Der GENIUS Act verlangt von zugelassenen Payment-Stablecoin-Emittenten die Einhaltung von Pflichten nach dem Bank Secrecy Act als Finanzinstitute. Für Stablecoin-basierte Kreditmärkte kann das relevant werden, weil Compliance-Anforderungen bei Emittenten und Distributoren die Architektur der Angebote prägen.
Für DeFi-Lending entscheidet sich die nächste Phase weniger an neuen Renditeversprechen als an belastbarer Infrastruktur: Nach Fällen wie KelpDAO wird zum Prüfstein, ob Protokolle Risiken bei Sicherheiten, Oracles und Vault-Strukturen so absichern, dass Distributoren wie Börsen ihre DeFi-Exponierung nicht aus Markenschutzgründen zurückfahren – während der Markt zugleich auf Themen wie Bitcoin (BTC) zwischen Öl-Schock und potentiellem Ausbruch schaut.