Coutts warnt: US-Schuldenwelle könnte Bitcoin belasten

Coutts warnt: US-Schuldenwelle könnte Bitcoin belasten
Coutts warnt: US-Schuldenwelle könnte Bitcoin belasten (BitcoinBasis.de | Image GPT - KI generiert)

Bitcoin wirkt technisch wieder interessanter, doch für eine echte Trendwende fehlt laut Real Vision noch ein entscheidender Auslöser aus der Makro-Ecke. Jamie Coutts, Chief Crypto Analyst bei Real Vision, sieht zwar Anzeichen für eine langfristig attraktive Einstiegszone, warnt aber: Eine große US-Schulden-Welle könnte den Markt vorher noch einmal auf die Probe stellen.

Bitcoin nähert sich laut Coutts einer langfristigen Akkumulationszone

In einem Beitrag auf X erklärte Coutts, dass sich das langfristige Chartbild von Bitcoin zunehmend so verhält wie in früheren Phasen, in denen sich ein Zyklus-Tief ausgebildet hat. Er hatte schon zuvor argumentiert, dass das Tief im zweiten oder dritten Quartal entstehen könnte, basierend auf typischen Mustern früherer Bärenmärkte. Aus seiner Sicht spielt sich dieses Szenario derzeit „in diese Richtung“ ab.

Wichtig ist dabei: Coutts spricht nicht von einem schnellen Hype oder einem kurzen Pump. Er meint eher ein Setup, das langfristig wieder „vernünftig“ aussieht, also ein Bereich, in dem sich der Markt historisch häufig gesammelt hat, bevor eine neue Aufwärtsphase begann.

Die große Unbekannte: eine Refinanzierungswand bei US-Staatsanleihen

Der Knackpunkt liegt für Coutts aber nicht im Bitcoin-Chart selbst, sondern im Finanzsystem drumherum. Er verweist auf das Jahr 2027: Dann werden laut seiner Einschätzung rund 3,67 Billionen US-Dollar an US-Staatsanleihen mit Kupon fällig. Das seien etwa 36 Prozent mehr als der Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025.

Im Kern geht es um ein Problem, das viele Anleger unterschätzen: Ein großer Teil der US-Schulden wurde während der Covid-Zeit zu sehr niedrigen Zinsen aufgenommen. Wenn diese Papiere nun auslaufen, müssen sie zu deutlich höheren Zinsen neu finanziert werden, aktuell eher im Bereich von 4 bis 5 Prozent. Das macht die Refinanzierung teurer und kann die Märkte belasten, weil dafür viel Kapital aufgesaugt wird.

Für Bitcoin und andere Risiko-Anlagen ist das aus zwei Gründen heikel. Erstens: Wenn der Staat sehr viel Geld am Bondmarkt einsammelt, bleibt oft weniger Liquidität für spekulativere Märkte übrig. Zweitens: Wenn es dabei Stress gibt, kann das Risiko-Appetit insgesamt dämpfen.

Coutts meint außerdem, dass seit Ende 2025 Kapital aus Krypto abgezogen wird, sowohl von Privatanlegern als auch von Institutionellen. Gleichzeitig fließe „jede zusätzliche Einheit“ an Liquidität stark in den KI-Bereich, also in Aktien und Rohstoffe, die vom AI-Boom profitieren. Seine Begründung ist simpel: Geld wandert dorthin, wo es aktuell die besten Chancen sieht. Zusätzlich sei die Aktivität „on-chain“ wieder auf Mehrjahres-Tiefs.

Warum ein neuer BTC-Bullenmarkt laut Real Vision einen Makro-Trigger braucht

Unterm Strich ist Coutts nicht grundsätzlich bearish. Er sagt nur: Selbst wenn Bitcoin technisch in eine attraktive Zone rutscht, könnte der Markt noch einen Auslöser von außen brauchen, bevor eine nachhaltige Rally startet. In seinem Szenario könnte genau diese US-Refinanzierungswelle der Moment sein, in dem die Politik reagieren muss, etwa mit mehr Liquidität von der Fed-Seite.

Besonders kompliziert wird es, falls die US-Notenbank gleichzeitig versucht, die eigene Bilanz zu verkleinern. Coutts erwähnt in dem Zusammenhang, dass Kevin Warsh eine kleinere Fed-Bilanz wolle. Eine große Schulden-Rollierung durch ein System mit weniger Zentralbank-Liquidität sauber zu bringen, wäre aus seiner Sicht eine enorme Herausforderung. Er hält zwar für möglich, dass die USA weiter stark am kurzen Ende finanzieren und dass Banken sowie Stablecoins eine größere Rolle spielen könnten. Trotzdem bleibt sein Warnsignal klar: Ohne „deutlich mehr“ Fed-seitige Liquidität könnte es schwierig werden, diese Menge an Fälligkeiten ohne Zwischenfall am Bondmarkt zu managen.

Seine Schlussfolgerung für Krypto-Anleger: Bitcoin könnte eine Veränderung bei der Liquidität früher wahrnehmen als andere Märkte. Aber bis es so weit ist, könnte es noch ungemütlich werden. Coutts erwartet, dass die US-Staatsanleihen erst „auffällig“ werden müssen, bevor sich die geldpolitische Richtung spürbar verschiebt. Zum Zeitpunkt seiner Aussagen lag der Bitcoin-Kurs bei rund 63.196 US-Dollar.

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