Cloudflare-Chef: KI-Bots sollen per Stablecoin pro Klick zahlen

Cloudflare-Chef: KI-Bots sollen per Stablecoin pro Klick zahlen
Cloudflare-Chef: KI-Bots sollen per Stablecoin pro Klick zahlen (BitcoinBasis.de | Image GPT)

Der Cloudflare-CEO Matthew Prince warnt: Wenn immer mehr KI-Bots das offene Web durchsuchen und Inhalte „abschöpfen“, braucht das Internet ein neues Bezahlmodell. In einem Interview mit Bankless sagte er, dass dafür extrem schnelle Krypto-Zahlungen nötig sein könnten, vor allem über Stablecoins. Seine These: In Zukunft sollen nicht Menschen, sondern Maschinen für Inhalte zahlen – und zwar in winzigen Beträgen pro Zugriff.

Warum das Werbe-Internet laut Cloudflare ins Wanken gerät

Prince beschreibt das Problem nicht als Technik- oder Bandbreitenkrise, sondern als Wirtschaftsfrage. Cloudflare rechnet damit, dass KI-Bot-Traffic bereits in der ersten Hälfte 2027 größer sein könnte als der Traffic von echten Menschen. Webseiten würden dann zwar weiterhin funktionieren, aber die entscheidende Frage wäre: Wer bezahlt Server, Sicherheit, Redaktion und Infrastruktur, wenn immer weniger Menschen auf die Seite kommen?

Das bisherige Modell, so Prince, basiert seit Jahrzehnten auf Werbung und Abos. Doch KI-Agenten klicken keine Anzeigen. Und ein einziges Abo, das dann von Bots „mitgenutzt“ wird, sorgt am Ende nicht dafür, dass die eigentlichen Ersteller von Inhalten fair bezahlt werden.

„Pay for Crawl“ und HTTP 402: Bots sollen pro Zugriff zahlen

Cloudflare arbeitet seit einiger Zeit an Ideen wie „pay for crawl“: Webseitenbetreiber sollen entscheiden können, ob KI-Crawler Inhalte gratis lesen dürfen, komplett blockiert werden oder für den Zugriff zahlen müssen. Prince verweist dabei auf einen alten HTTP-Statuscode, der genau dafür gedacht ist: 402 („Payment Required“). Der Code existiert seit Jahren, wurde aber nie breit genutzt, weil bislang eine passende Zahlungsinfrastruktur gefehlt hat.

Für dieses Modell braucht es extrem günstige und schnelle Mikrozahlungen, im Bereich von Bruchteilen eines Cents. Klassische Karten- oder Visa-ähnliche Systeme seien dafür ungeeignet, weil Gebühren solche Mini-Zahlungen schnell unwirtschaftlich machen. Deshalb sieht Prince Stablecoins als mögliche Lösung: digitale Dollar-ähnliche Token, die schnell übertragen werden können.

100 Millionen Transaktionen pro Sekunde: Cloudflare setzt die Messlatte hoch

Wie groß das Ganze werden könnte, macht Prince mit Cloudflare-Zahlen deutlich. Das Unternehmen verarbeitet laut ihm rund 500 Millionen Requests pro Sekunde. Wenn davon nur 1 bis 10 Prozent irgendwann „monetarisierbar“ wären, wären das etwa 5 bis 50 Millionen bezahlte Requests pro Sekunde.

Damit erklärt sich auch seine zentrale Forderung: Blockchains, die heute mit „2 Millionen Transaktionen pro Sekunde“ werben, würden zwar beeindruckend klingen, könnten Cloudflares Bedarf aber nicht decken. Prince sagte sinngemäß, er brauche „am ersten Tag“ eher 10 Millionen Transaktionen pro Sekunde. Und noch klarer: Wer eine Layer-1-Blockchain bauen könne, die 100 Millionen Transaktionen pro Sekunde schafft, solle sich melden.

Für die Krypto-Branche ist das zugleich Lob und Kritik. Lob, weil Stablecoins hier nicht als Nischenanwendung erscheinen, sondern als mögliches Rückgrat eines „agentischen“ Internets, in dem Bots automatisch bezahlen. Kritik, weil Prince aktuell kein etabliertes Blockchain-Ökosystem sieht, das diese Größenordnung zuverlässig stemmen kann.

Sein Zielbild ist dabei nicht einfach eine neue Paywall: Menschen sollen Inhalte weiterhin kostenlos lesen können, während automatisierte Agenten im Hintergrund Mikrozahlungen an Publisher und Infrastruktur-Anbieter leisten. Bankless fasste es zugespitzt zusammen: „Menschen bekommen Content gratis, und die Roboter zahlen richtig viel.“ Prince stimmte zu, dass das ziemlich nah an der Idee sei.

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