Bitcoin hat sich zu Wochenbeginn wieder über die Marke von 66.000 US-Dollar geschoben. Der Bitcoin Kurs erreichte gerade in der Spitze 66.873 US-Dollar. Auch Ethereum zog an und steigt derzeit auf über 1.800 US-Dollar.
Der Impuls kam aus dem Makro-Umfeld. Am Wochenende erklärte Donald Trump, ein Friedensabkommen zur Beendigung des dreimonatigen Konflikts im Nahen Osten sei abgeschlossen worden. Offiziell bestätigt ist dieses Abkommen in den vorliegenden Informationen nicht. Es soll eine sofortige Aufhebung der US-Seeblockade und die Wiederöffnung der Straße von Hormus vorsehen.
Die Straße von Hormus ist für die Weltwirtschaft ein zentraler Nadelöhr-Punkt. Durch die Meerenge werden rund 20 Prozent der weltweiten Rohölversorgung transportiert. Pakistan soll den Rahmen des Friedensabkommens vermittelt haben.
Die formelle Unterzeichnung ist für den 19. Juni in der Schweiz geplant. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif erklärte, das Abkommen zwischen den USA und Iran sei erreicht worden. Beide Seiten hätten die sofortige und dauerhafte Beendigung militärischer Operationen auf allen Fronten erklärt, einschließlich im Libanon.
Öl fällt, Risiko-Assets atmen auf
An den Märkten zeigte sich schnell eine Reaktion. Der Preis für West Texas Intermediate fiel um fast 5 Prozent auf etwa 80 US-Dollar pro Barrel. Brent rutschte unter 84 US-Dollar pro Barrel. Parallel zogen Aktien-Futures an, und auch der Kryptomarkt erholte sich.
Hinter der Bewegung steht vor allem ein Abbau von Risikoprämien. Sinkende Ölpreise reduzieren die Sorge vor einem weiteren Energieschock. Das kann riskantere Anlagen stützen, zu denen viele Investoren auch Bitcoin zählen. Trotzdem gilt die Erholung als fragil. Die nächsten Handelstage dürften zeigen, ob daraus mehr wird als eine kurze Stabilisierung.
ETF-Flows bleiben ein Gegenwind
Auf der Nachfrage-Seite bleibt ein wichtiges Signal die Entwicklung der US-Spot-Bitcoin-ETFs. In der vergangenen Woche wurden Abflüsse von 316 Millionen US-Dollar gemeldet. Am Freitag zuvor gab es allerdings Nettozuflüsse von 85 Millionen US-Dollar. Diese Schwankungen zeigen, wie stark Bitcoin aktuell auch vom institutionellen Sentiment abhängt.
Gleichzeitig gibt es Hinweise, dass der aggressive Verkaufsdruck nachgelassen haben könnte. CryptoQuant meldete, dass mehr als 11.400 BTC von Börsen in Cold Storage verschoben wurden. Der Gegenwert lag bei rund 750 Millionen US-Dollar. Außerdem erhöhte sich bis zum 14. Juni der Gesamtbestand von Wallets mit mindestens 100 BTC wieder, nachdem er zuvor zwölf Tage in Folge gesunken war.
Solche Bewegungen werden häufig als Zeichen gewertet, dass weniger Coins kurzfristig zum Verkauf bereitliegen. Eine Garantie für weiter steigende Kurse ist das nicht. Es ist aber ein Baustein für die Einschätzung, dass die Phase des erzwungenen Verkaufs an Dynamik verloren haben könnte.
Derivate und Volatilität: Entscheidend ist die 65.000er Zone
Zusätzlichen Einfluss hatten zuletzt Derivate-Positionierungen. 10X Research beschreibt, dass der Bruch unter 70.000 US-Dollar Zwangsverkäufe von Optionshändlern auslöste. Diese Händler sollen um dieses Niveau herum short gamma positioniert gewesen sein. Laut 10X Research liegt der größte negative-Gamma-Strike bei etwa 1,8 Milliarden US-Dollar und befindet sich nahe dem aktuellen Bitcoin-Spotpreis.
Dazu kommt ein weiteres Detail aus dem Volatilitätsbild: Die implied volatility großer Krypto-Assets liegt unter der realisierten Volatilität. Das ist ein Hinweis darauf, dass der Markt die jüngsten Ausschläge im Rückblick stärker gespürt hat, als er sie im Vorfeld eingepreist hatte.
Aus kurzfristiger Sicht gilt die Marke von 65.000 US-Dollar als unmittelbare Beobachtungszone. Ein Halten darüber und ein Anstieg in Richtung 68.000 bis 70.000 US-Dollar würde die Chancen auf eine nachhaltigere Erholung verbessern, sofern Spot-Nachfrage und ETF-Flows stärker werden. Umgekehrt würde ein Rückgang unter 62.000 US-Dollar die aktuelle Struktur schwächen und 60.000 US-Dollar wieder in den Fokus rücken.
10X Research warnt zudem: Hält Bitcoin das aktuelle Niveau nicht, könnte das Hedging von Tradern zusätzlichen Druck erzeugen. Läuft der Markt hingegen weiter nach oben, könnten dieselben Mechanismen Händler zum Kaufen zwingen und die Erholung verstärken. Auch deshalb bleibt der Markt anfällig für schnelle Neubewertungen, falls makroökonomische Ereignisse in dieser Woche die Erwartungen überraschen. Mehr dazu, warum viele Analysten neue Tiefs für unwahrscheinlich halten.