Bitcoin hat sich zum Wochenende in der Nähe von 64.100 US-Dollar gehalten, doch für die junge Erholung steht bereits der nächste Härtetest bevor. Im Fokus steht nun der US-Verbraucherpreisindex für Juni, der am 14. Juli um 8:30 Uhr US-Ostküstenzeit veröffentlicht wird. Bis dahin bleiben dem Markt nur rund drei Tage, bevor der nächste wichtige Makroimpuls über die Richtung entscheidet.
Erholung bei Bitcoin bleibt bislang fragil
Auf Wochensicht konnte Bitcoin zwar um etwa 2,6 Prozent zulegen, doch das Handelsvolumen lag zuletzt deutlich unter dem jüngsten Durchschnitt. Das spricht dafür, dass die Erholung zwar läuft, Käufer bislang aber noch nicht mit voller Überzeugung zurückgekehrt sind.
Auch von institutioneller Seite kommt nur vorsichtige Unterstützung. Die US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am 10. Juli zwar wieder Nettozuflüsse von 90,4 Millionen US-Dollar, nachdem in den beiden Sitzungen zuvor zusammen 180,2 Millionen US-Dollar abgeflossen waren. Das zeigt: Das Interesse ist vorhanden, aber noch nicht stabil genug, um von klarer Stärke zu sprechen.
Am Terminmarkt wirkt die Lage ebenfalls eher kontrolliert als euphorisch. Das Open Interest bei Bitcoin-Futures lag bei rund 47,3 Milliarden US-Dollar. Dazu kamen nur leicht positive Finanzierungsraten und vor allem Short-Liquidationen. Das deutet darauf hin, dass ein Teil der Erholung eher durch das Eindecken von Short-Positionen als durch aggressiv neue Long-Wetten getragen wurde.
Inflationsdaten könnten die Richtung vorgeben
Die anstehenden US-Inflationsdaten treffen auf einen Markt, der bei den Erwartungen an die US-Notenbank Fed weiter unsicher ist. Nach den Wahrscheinlichkeiten des CME FedWatch-Tools sieht der Markt derzeit eine 64,6-prozentige Chance, dass die Fed ihre Zinsspanne Ende Juli bei 3,50 bis 3,75 Prozent belässt. Für eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte liegt die Wahrscheinlichkeit bei 35,4 Prozent.
Für September rechnen Marktteilnehmer mehrheitlich mit einem höheren Zinsniveau. Genau deshalb ist der neue Inflationsbericht so wichtig: Er könnte zeigen, ob Hoffnungen auf spätere Zinssenkungen wieder wachsen oder ob stattdessen die Angst vor weiteren Straffungen zurückkehrt.
Auch der Anleihemarkt signalisiert Vorsicht. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen lag zuletzt bei 4,21 Prozent, die zehnjähriger Papiere bei 4,56 Prozent. Beide sind zuletzt gestiegen. Ein höher als erwarteter Inflationswert könnte diese Renditen weiter nach oben treiben und zugleich den US-Dollar stärken. Das wäre in der Regel Gegenwind für risikoreichere Anlagen wie Bitcoin.
Drei Szenarien für den Bitcoin-Kurs
Erstens: Die Inflation fällt höher aus als erwartet. Das wäre das schwierigste Szenario für Bitcoin. Steigende Renditen, ein festerer Dollar und wachsende Erwartungen an weitere Zinserhöhungen könnten die jüngste Erholung schnell abbremsen. Vor allem frische Long-Positionen kämen dann unter Druck, falls ETF-Käufe nicht ausreichen, um das Angebot aufzufangen.
Zweitens: Die Daten liegen im Rahmen der Erwartungen. In diesem Fall würde die weitere Kursentwicklung vor allem von den Kapitalflüssen abhängen. Dann müsste sich zeigen, ob ETF-Anleger weiter zugreifen und ob Bitcoin die Marke von 64.000 US-Dollar auch nach dem Makrotermin verteidigen kann.
Drittens: Die Inflation überrascht nach unten. Dieses Szenario könnte Hoffnungen auf eine spätere Lockerung der Geldpolitik wiederbeleben. Fallende Anleiherenditen und ein schwächerer Dollar würden Bitcoin tendenziell stützen. Das könnte auch den ETF-Zuflüssen neuen Schub geben und die Erholung verlängern.
Besonders spannend dürfte es werden, falls sich Gesamtinflation und Kerninflation unterschiedlich entwickeln. Dann könnte es am Markt zu starken Ausschlägen in beide Richtungen kommen. Entscheidend wird sein, ob sich nach der Veröffentlichung ein klarer Gleichlauf zwischen Fed-Erwartungen, Anleiherenditen und US-Dollar zeigt. Ebenso wichtig ist, ob die nächsten ETF-Zahlen die Kursbewegung bestätigen – oder offenlegen, dass die Rückkehr über 64.000 Dollar lediglich eine kurze Verschnaufpause innerhalb eines fragilen Marktes war.