Bitcoin-Kreditmarkt nach Hebel-Schock wieder im Aufwind

Bitcoin-Kreditmarkt nach Hebel-Schock wieder im Aufwind
Bitcoin-Kreditmarkt nach Hebel-Schock wieder im Aufwind (BitcoinBasis.de | Image GPT)

Der Markt für Bitcoin-gestützte Unternehmensfinanzierungen im Volumen von inzwischen mehr als 10 Milliarden US-Dollar wächst trotz seines ersten größeren Rückschlags weiter. Nach einem deutlichen Ausverkauf im Juni, bei dem bevorzugte Aktien teils klar unter ihren Nennwert fielen, bleibt das Interesse von Investoren und neuen Anbietern hoch. Der Rücksetzer gilt als erster echter Belastungstest für ein noch junges Marktsegment, das auf Bitcoin-Reserven in Unternehmensbilanzen aufbaut.

Erster Härtetest für den Bitcoin-Kreditmarkt

Ausgelöst wurde die Schwächephase vor allem durch zu viel Hebelwirkung. Anleger hatten bevorzugte Aktien wie STRC von Strategy und SATA von Strive auf Kredit gekauft, weil diese Papiere über längere Zeit relativ stabil nahe ihres Nennwerts von 100 US-Dollar gehandelt wurden und gleichzeitig laufende Ausschüttungen boten.

Dieses Modell funktionierte allerdings nur so lange, wie die Kurse stabil blieben und die Dividenden über den Finanzierungskosten lagen. Als Bitcoin im Juni unter 60.000 US-Dollar fiel, kippte die Stimmung. Die Kurse der betreffenden Wertpapiere gaben nach, es kam zu Margin Calls, und viele gehebelte Anleger mussten ihre Positionen zwangsweise verkaufen.

Besonders deutlich zeigte sich das bei STRC, das zeitweise auf rund 75 US-Dollar fiel und damit etwa 25 Prozent unter dem Nennwert notierte. SATA sank auf etwa 88 US-Dollar. Trotz des starken Preisrückgangs liefen die Dividendenzahlungen weiter. Das war für viele Marktbeobachter ein wichtiges Signal: Der Markt geriet zwar unter Druck, brach aber nicht zusammen.

Strategy reagierte auf die Lage, indem das Unternehmen die jährliche Ausschüttung für STRC auf 12 Prozent anhob. Zudem verwies die Firma auf eine breitere Kapitalstrategie, darunter eine Cash-Reserve von 2,55 Milliarden US-Dollar, Rückkaufmöglichkeiten für Vorzugsaktien und die Option, unter bestimmten Bedingungen auch Bitcoin zu verkaufen. Damit sollte das Vertrauen der Anleger stabilisiert werden.

Preise erholen sich, Handelsvolumen steigt deutlich

Trotz des Abverkaufs stabilisierte sich der Markt schneller als zunächst erwartet. STRC erholte sich von seinem Tief bei rund 75 US-Dollar zuletzt wieder auf etwa 87 US-Dollar. SATA kletterte sogar zurück auf ungefähr 97 US-Dollar. Das spricht dafür, dass Anleger nicht den gesamten Sektor aufgegeben haben, sondern stärker zwischen einzelnen Produkten unterscheiden.

Auffällig war auch der sprunghafte Anstieg beim Handelsvolumen. Im Juni erreichte der kombinierte Handel mit STRC und SATA mehr als 10 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen 8,7 Milliarden US-Dollar auf STRC, während SATA auf knapp 1,5 Milliarden US-Dollar kam. Der Markt blieb also liquide, selbst als die Kurse deutlich unter Druck standen.

Wichtig ist allerdings: Das hohe Handelsvolumen brachte den Emittenten nicht automatisch frisches Kapital. In vielen Fällen wechselten lediglich bereits ausgegebene Aktien zwischen Investoren den Besitzer. Neue Mittel über den Markt einzuwerben, gelang in dieser Phase kaum.

Trotzdem setzten die Unternehmen ihre Bitcoin-Käufe fort. Strategy kaufte im Juni netto 3.625 Bitcoin, Strive legte 3.364 Bitcoin nach. Beide Firmen investierten jeweils rund 200 Millionen US-Dollar. Für Befürworter des Modells ist das ein Hinweis darauf, dass der Einbruch eher auf übermäßige Hebelung bei den Wertpapieren zurückzuführen war als auf nachlassendes Vertrauen in Bitcoin als Bilanzreserve.

Neue Anbieter drängen in den Markt

Der Sektor wächst nicht mehr nur in den USA. Auch international wird geprüft, wie sich Bitcoin als Grundlage für kreditähnliche Produkte nutzen lässt. Ein aktuelles Beispiel ist das japanische Unternehmen Metaplanet. Es kündigte an, gemeinsam mit Partnern eine Studie zu tokenisierten Kreditinstrumenten in Japan zu starten.

Dabei geht es um die Frage, wie Bitcoin als Sicherungswert oder zur Kreditunterstützung eingesetzt werden kann. Geplant ist ein Modell, das Stablecoins für Auszahlungen, Security Tokens zur Abbildung von Eigentumsrechten und Bitcoin als stützenden Vermögenswert kombiniert. Ziel ist es, Unternehmensfinanzierungen effizienter, flexibler und potenziell rund um die Uhr handelbar zu machen.

Noch befindet sich das Projekt in einem frühen Stadium. Weder Struktur noch Rendite oder Starttermin stehen fest. Offen ist zudem die wichtige Frage, ob Investoren einen direkten rechtlichen Anspruch auf die hinterlegten Bitcoin hätten oder ob sie sich letztlich auf die Bilanz des Emittenten verlassen müssten.

Trotz dieser offenen Punkte bleiben die Erwartungen hoch. Laut einer Umfrage von BitcoinTreasuries.net rechnen 78 Prozent der Befragten damit, dass der Markt für digitale Bitcoin-Kreditprodukte bis Ende 2027 weiter wächst. Ein Teil erwartet sogar ein Gesamtvolumen von mehr als 50 Milliarden US-Dollar, manche halten auch über 100 Milliarden US-Dollar für möglich.

Gleichzeitig ist das Risikobewusstsein gestiegen. Rund 76 Prozent der Umfrageteilnehmer gehen davon aus, dass es künftig erneut zu ähnlich starken Preisrückgängen kommen kann. Genau darin liegt derzeit die zentrale Herausforderung für den Markt: Er hat bewiesen, dass er einen ersten Schock überstehen kann. Nun muss er zeigen, dass Anleger auch nach solch einem Einbruch bereit sind, neue Emissionen zu finanzieren.

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