Bitcoin steckt in einer heiklen Chartzone. Der Krypto-Kommentator Ran Neuner warnt, dass die aktuelle Struktur immer stärker an das Muster erinnert, das 2022 vor der großen Kapitulation zu sehen war. Entscheidend ist jetzt nicht nur der Chart, sondern auch eine Frage: Kann Michael Saylors Strategy weiter genug Kapital aufnehmen, um als starker Bitcoin-Käufer im Markt zu bleiben?
Neuner sprach in einem Interview mit Scott Melker von einer „sehr beängstigenden Struktur“. Gemeint ist ein mögliches Bear-Flag-Muster, das bisher nicht nach oben aufgelöst wurde. Sollte Bitcoin diese Zone nach unten verlassen, sieht Neuner ein deutlich tieferes Risiko. In diesem Fall hält er Kurse im Bereich der 40.000er bis 50.000er Dollar für möglich.
WATCH: 🚨 Bitcoin To $40K? Saylor's Big Bet Is Breaking – @cryptomanran
— The Wolf Of All Streets (@scottmelker) May 25, 2026
0:00 Bitcoin’s 2022 Bear Flag Returns
4:32 Hyperliquid Surpasses Coinbase
9:49 The STRC Problem
12:07 Bitcoin Could Crash To The 40s
16:05 Trump Lost Control Of Markets
17:30 Saylor Is Holding Bitcoin Up… pic.twitter.com/bcZzpez3Sl
Das ist deshalb brisant, weil Bitcoin zuletzt mehrfach an wichtigen technischen Bereichen scheiterte. Für Anleger geht es damit nicht mehr nur um eine normale Korrektur. Die entscheidende Frage lautet: Bleibt der Rücksetzer eine Bereinigung im Aufwärtstrend oder kippt die Stimmung in einen echten Abverkauf?
Warum der Vergleich mit 2022 jetzt so gefährlich wirkt
Neuner zieht eine klare Parallele zum Jahr 2022. Damals fiel Bitcoin zunächst stark, bildete anschließend eine Bear Flag, testete den 200-Tage-Durchschnitt und rutschte danach noch einmal deutlich tiefer. Genau dieses Zusammenspiel aus gescheitertem Erholungsversuch und erneutem Druck macht die aktuelle Lage für ihn so kritisch.
Der 200-Tage-Durchschnitt gilt vielen Marktteilnehmern als wichtige Trennlinie zwischen bullischem und angeschlagenem Marktbild. Wird diese Zone zurückerobert, kann das Vertrauen zurückkehren. Scheitert Bitcoin dort jedoch erneut, steigt das Risiko, dass kurzfristige Käufer aus dem Markt gedrängt werden und neue Verkäufe einsetzen.
Genau hier liegt der Kern der Warnung. Bitcoin testet nicht irgendeinen Bereich, sondern eine Zone, an der sich entscheidet, ob die Erholung noch Kraft hat oder ob der Markt erneut in ein defensives Muster fällt. Ein Bruch nach unten würde die Sorge verstärken, dass aus der aktuellen Schwäche ein größerer Stimmungswechsel wird.
Saylors Käufe werden zum entscheidenden Faktor
Noch wichtiger als der Chart ist für Neuner aber die Rolle von Michael Saylor und Strategy. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren als einer der sichtbarsten institutionellen Bitcoin-Käufer etabliert. Wenn Strategy kauft, sendet das ein Signal an den Markt. Wenn diese Nachfrage ausbleibt, kann genau dieses Signal fehlen.
Neuner richtet den Blick dabei auf STRC, ein bevorzugtes Aktieninstrument, über das Strategy Kapital aufnehmen kann. Nach seiner Einschätzung war es für Saylor zuletzt wichtig, dass STRC vor dem Ex-Dividenden-Datum wieder in Richtung 100 Dollar handelt. Nur dann könne Strategy leichter neue Anteile ausgeben, Geld einsammeln und dieses Kapital anschließend in Bitcoin investieren.
Genau hier sieht Neuner das Problem. Der Zeitraum, in dem STRC nahe dieser Marke gehandelt habe, sei zuletzt deutlich kürzer geworden. Im Mai sei das Instrument nach seiner Darstellung erst wenige Tage vor dem Ex-Dividenden-Datum wieder an die 100-Dollar-Marke herangelaufen. In früheren Monaten sei das deutlich früher passiert. Für Neuner bedeutet das: Strategy hatte weniger Zeit, Kapital aufzunehmen.
Das klingt technisch, hat aber eine einfache Konsequenz. Wenn Strategy weniger Kapital einsammelt, kann das Unternehmen auch weniger Bitcoin kaufen. Und wenn einer der wichtigsten wiederkehrenden Käufer plötzlich weniger stark im Markt steht, könnten andere Anleger dieses fehlende Kaufinteresse einpreisen.
Fehlt dem Markt bald sein stärkster Käufer?
Neuner formuliert die Sorge deutlich: Wenn Strategy über STRC nicht mehr wie zuvor Kapital aufnehmen kann, könnte der Markt erkennen, dass Saylor nicht mehr im gleichen Umfang als Käufer auftritt. Gerade in einer wackligen Chartphase wäre das gefährlich. Ein Markt, der sich auf institutionelle Nachfrage stützt, reagiert empfindlich, wenn genau diese Nachfrage unsicher wird.
Scott Melker widersprach der besonders pessimistischen Deutung teilweise. Er verwies darauf, dass STRC nicht ohne Weiteres kollabieren müsse, solange es keinen größeren Kredit- oder Vertrauensbruch gebe. Neuner stellte auch nicht den Vorwurf in den Raum, dass es sich um ein betrügerisches Modell handelt. Seine Kritik ist mechanischer Natur: Er fragt, warum STRC zwingend bei 100 Dollar handeln müsse, wenn Anleger die Dividende auch unterhalb dieser Marke erhalten.
Damit wird STRC zu einem wichtigen Stimmungsbarometer. Bleibt das Instrument stabil und kann Strategy weiter Kapital aufnehmen, lebt die Chance auf neue Bitcoin-Käufe. Entfernt sich STRC dagegen dauerhaft von der entscheidenden Zone, könnte ein wichtiger Nachfragefaktor schwächer werden.
Auch das makroökonomische Umfeld macht die Lage nicht einfacher. Neuner verweist auf steigende Renditen bei US-Staatsanleihen, hartnäckige Inflation, Ölpreise und mögliche große Börsengänge, die Liquidität aus riskanteren Anlagen ziehen könnten. Seine Warnung: Aktien und Anleiherenditen können nicht ewig gemeinsam steigen. Irgendwann muss eine Seite nachgeben.
Für Bitcoin zählt jetzt deshalb eine doppelte Schwelle. Der Kurs muss zeigen, dass die aktuelle Struktur nicht wie 2022 nach unten bricht. Gleichzeitig muss Strategy beweisen, dass Saylor weiter genug Feuerkraft für neue Käufe hat. Hält diese Kombination nicht, wird aus der Warnung im Chart schnell ein ernstes Risiko für den gesamten Markt.