Bitcoin schon am Boden? Experte sieht neues Marktumfeld

Bitcoin schon am Boden? Experte sieht neues Marktumfeld
Bitcoin schon am Boden? Experte sieht neues Marktumfeld (BitcoinBasis.de | Image GPT)

Der Bitcoin könnte seinen Tiefpunkt in diesem Zyklus bereits gesehen haben. Davon ist John Haar, Managing Director bei Swan Bitcoin, überzeugt. Er verweist darauf, dass sich der Kurs seit rund zwei Monaten stabil in einer Spanne von etwa 65.000 bis 70.000 US Dollar hält und diese Zone wie ein Boden wirkt. Wer jetzt automatisch Parallelen zum Bärenmarkt 2022 zieht, übersieht laut Haar einen entscheidenden Punkt: Das Umfeld hat sich deutlich verändert.

Warum 2022 kein passender Vergleich mehr ist

Haar argumentiert, dass die Kräfte, die den Markt 2022 nach unten gezogen haben, heute entweder verschwunden oder deutlich schwächer sind. Damals war die Lage von einer Inflation auf Höchstständen, schnellen Zinserhöhungen, schrumpfender Liquidität und einem generellen risk off Umfeld geprägt. Heute wirkt das Bild aus seiner Sicht wesentlich entspannter.

Beim Thema Inflation sieht Haar einen klaren Unterschied: Statt eines massiven Preisschocks wie 2022 habe sich die Teuerung inzwischen eher im Bereich von etwa 2,5 bis 3 Prozent eingependelt. Das sei für Risikoanlagen wie Bitcoin deutlich weniger bedrohlich.

Auch die Geldpolitik bewertet er anders. Während 2022 durch den schnellsten Zinserhöhungszyklus der modernen Zeit geprägt gewesen sei, seien die Zinsen heute eher stabil oder leicht sinkend. Haar verweist außerdem auf Signale, die er als wieder zunehmende Liquiditätsunterstützung interpretiert, darunter eine aus seiner Sicht freundlichere Entwicklung bei der Notenbankbilanz und ein anhaltendes Wachstum der Geldmenge M2.

Hinzu kommt für ihn ein weiterer Faktor: die Fiskalpolitik. Haar betont, dass die USA seit Jahren hohe Defizite fahren, grob im Bereich von 5 bis 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, ohne dass eine klare Trendwende erkennbar sei. In Summe bedeute das für ihn, dass der makroökonomische Gegenwind von 2022 heute nicht in derselben Form vorhanden ist.

Weniger Krypto Ansteckung, mehr institutionelle Nachfrage

Ein großer Teil des Crashs 2022 sei nicht nur durch Makro Faktoren entstanden, sondern durch eine Kettenreaktion innerhalb der Branche. Haar erinnert an die damaligen Pleiten und Dominoeffekte rund um Terra Luna, Celsius, BlockFi, Three Arrows Capital, Voyager und FTX, die Vertrauen zerstörten und Zwangsverkäufe auslösten.

Heute sieht er zwar weiterhin Risiken und auch einzelne Problemfälle, nennt als Beispiel BlockFills, doch die Dimension sei seiner Meinung nach nicht mit 2022 vergleichbar. Der Markt wirke insgesamt robuster, auch wenn es weiterhin Spekulationen über gezielte Abverkäufe und das Platzen überhebelter Strukturen gebe.

Den größten Unterschied macht Haar jedoch bei der Nachfrage durch große Investoren fest. Er verweist auf die deutlich höhere Kaufkraft institutioneller Akteure in diesem Zyklus. Besonders hebt er Strategy hervor: Während das Unternehmen 2022 laut Haar nur rund 270 Millionen US Dollar für etwa 8.000 BTC eingesetzt habe, seien es 2025 bereits rund 22,5 Milliarden US Dollar für 226.000 BTC gewesen. 2026 seien bislang weitere etwa 8,5 Milliarden US Dollar für 108.000 BTC hinzugekommen.

Zusätzlich seien Spot Bitcoin ETFs ein zentraler Gamechanger. Haar betont, dass diese Produkte inzwischen Milliarden an verwaltetem Vermögen anziehen und den Zugang für professionelle Anleger erleichtern. Er nennt zudem Beispiele dafür, dass große Namen aus der Finanzwelt offener über Bitcoin sprechen oder entsprechende Angebote entwickeln, darunter BlackRock, Morgan Stanley und auch ein Kurswechsel bei Vanguard. Selbst langfristig orientierte Investoren wie Universitätsstiftungen, Haar verweist auf Harvard, würden Bitcoin inzwischen in größerem Umfang halten.

Trotz aller Zuversicht schränkt Haar ein, dass ein Boden nie garantiert sei. Unerwartete Schocks wie geopolitische Eskalationen, Probleme in Lieferketten oder Energieengpässe könnten den Markt jederzeit belasten. Sein Fazit bleibt dennoch klar: Wenn 2022 von Straffung, Zwangsliquidationen und fehlender institutioneller Nachfrage geprägt war, könnte dieser Zyklus eher von mehr Liquidität, besserem Zugang und tieferen Kapitalpools bestimmt werden.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag der Bitcoin Kurs bei 73.862 US Dollar.

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