Bitcoin ist unter die Marke von 65.000 US-Dollar gefallen, nachdem steigende Ölpreise, höhere US-Anleiherenditen und neue geopolitische Spannungen die Risikobereitschaft an den Märkten gedrückt haben. Auslöser waren Angriffe auf zwei saudische Öltanker im Roten Meer sowie scharfe Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen den Iran und die Huthi-Miliz. Gleichzeitig gerieten auch Aktienmärkte unter Druck, was die Schwäche am Kryptomarkt zusätzlich verstärkte.
Ölschock belastet Bitcoin und andere Risikoanlagen
Brent-Öl stieg zwischenzeitlich über die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel und schloss damit erstmals seit Mai wieder darüber. Zwar gab der Preis im europäischen Handel später etwas nach, doch der starke Wochenanstieg blieb ein klares Warnsignal für die Märkte.
Mit dem Ölpreis kletterten auch die Renditen für US-Staatsanleihen. Die Rendite der zehnjährigen US-Anleihe stieg auf rund 4,7 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Januar 2025. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil höhere Renditen oft Druck auf Anlagen wie Bitcoin ausüben, die stark von Liquidität und Risikofreude der Investoren abhängen.
Auch an den Aktienmärkten zeigte sich die Nervosität deutlich: Der S&P 500 verlor 1,2 Prozent, der Nasdaq sogar 2,2 Prozent. Anleger zogen sich damit breiter aus riskanteren Märkten zurück.
Der Hintergrund: Nach den Angriffen auf zwei saudische Tanker im Roten Meer drohte Trump dem Iran und den Huthis mit „starker militärischer Bestrafung“. Die Lage verschärft die Sorge, dass wichtige globale Energierouten weiter gestört werden könnten. Besonders im Fokus stehen die Straße von Hormus und die Route über Bab al-Mandab zum Suezkanal.
Höhere Inflation und Zinssorgen verstärken den Druck
Steigende Ölpreise gelten als Problem für die Inflation, weil sie Transport, Produktion und viele Verbraucherpreise verteuern. Genau das könnte der US-Notenbank den Spielraum nehmen, die Geldpolitik zu lockern. Für Bitcoin ist das ein ungünstiges Umfeld.
Am Terminmarkt rechnen Händler inzwischen wieder stärker mit einer weiteren Zinserhöhung der Federal Reserve. Laut CME FedWatch lag die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte bei der Sitzung am 28. und 29. Juli bei rund 40 Prozent. Sollten die Zinsen tatsächlich länger hoch bleiben oder sogar weiter steigen, würde das die Finanzierungsbedingungen für spekulativere Anlagen weiter verschärfen.
Der Bitwise-Analyst André Dragosch warnte sogar davor, dass die Rendite der zehnjährigen US-Anleihe bei anhaltend hohen Ölpreisen über 5 Prozent steigen könnte. Zudem könnten große Ölimporteure wie Japan gezwungen sein, mehr Liquidität bereitzustellen, um höhere Energiepreise zu stemmen. Das könnte zusätzlichen Verkaufsdruck auf US-Staatsanleihen auslösen und die Renditen weiter antreiben.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Wenn sowohl Anleihen als auch Aktien gleichzeitig unter Druck geraten, verlieren Investoren klassische Möglichkeiten zur Absicherung. Das schwächt das gesamte Marktumfeld und trifft auch Kryptoanlagen.
ETF-Abflüsse und schwächere Nachfrage trüben den Ausblick
Der schwierige makroökonomische Hintergrund trifft Bitcoin in einer Phase nachlassender Nachfrage. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am 23. Juli Nettoabflüsse von 225,2 Millionen US-Dollar. Damit endete eine Serie von sieben Tagen mit Zuflüssen. Zwar lagen die Fonds auf Wochensicht bis dahin noch im Plus, doch die Trendwende gilt als erstes Warnsignal.
Auch On-Chain-Daten deuten auf eine Abkühlung hin. Laut CryptoQuant ist die Nachfrage am Spotmarkt seit Juni überwiegend schwach oder kaum gewachsen. Gleichzeitig bleibt das Interesse am Futures-Markt zwar positiv, ist aber deutlich geringer als während der Erholung von Bitcoin vor rund drei Monaten.
Das ist wichtig, weil eine Erholung, die stärker auf Derivate als auf echte Kassakäufe gestützt ist, anfälliger für Rückschläge sein kann. Gerade in einem Umfeld mit steigenden Renditen und sinkender Marktliquidität werden gehebelte Positionen schneller riskant.
Damit wird der Bereich um 65.000 US-Dollar für Bitcoin zur wichtigen Zone. Sollte der Druck durch hohe Ölpreise, steigende Anleiherenditen und geopolitische Unsicherheit anhalten, könnte es schwer werden, diese Marke nachhaltig zurückzuerobern.
Für die kommenden Tage bleibt deshalb vor allem der Ölmarkt entscheidend. Eine Entspannung im Nahen Osten und eine Stabilisierung der Lieferwege könnten auch den Druck auf Zinsen und Risikoanlagen verringern. Neue Angriffe oder eine weitere Eskalation würden dagegen die Gefahr erhöhen, dass der Energieschock länger anhält – mit entsprechend negativen Folgen für Bitcoin.