Der Verkaufsdruck aus den USA verliert deutlich an Kraft. Der Coinbase-Abschlag ist auf den besten Stand seit 44 Tagen gestiegen, während in die amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs auf Wochensicht wieder 439 Millionen Dollar geflossen sind.
Damit verbessert sich die Marktstruktur erstmals seit den von Abflüssen geprägten Monaten Mai und Juni. Eine bestätigte Nachfragewende ist das allerdings noch nicht. Der US-Spotmarkt handelt weiterhin mit einem Abschlag, und oberhalb des aktuellen Kurses wartet eine Zone, die für Bitcoin zur Belastungsprobe werden könnte: Der durchschnittliche Einstiegspreis der ETF-Anleger liegt bei rund 84.700 Dollar.
Der Coinbase-Abschlag schrumpft, aber die Wende fehlt
Der Coinbase Premium Index zeigt, ob Bitcoin auf der US-Börse Coinbase teurer oder günstiger als auf Binance gehandelt wird. Ein positiver Wert deutet auf stärkere Nachfrage aus den USA hin. Ein negativer Wert signalisiert dagegen, dass amerikanische Käufer hinter der Nachfrage auf internationalen Handelsplätzen zurückbleiben.
Am 22. Juli lag der Index bei minus 0,042. Damit ist er zwar weiterhin negativ, hat sich aber deutlich von seinem Februar-Tief bei minus 0,229 erholt. Der Abschlag wurde seitdem um rund 80 Prozent abgebaut.
Auch der kurzfristige Trend verbessert sich. Der Sieben-Tage-Durchschnitt stieg innerhalb eines Monats von minus 0,110 auf minus 0,063. Gleichzeitig verbesserte sich der Monatsdurchschnitt von minus 0,110 im Juni auf minus 0,078 im Juli.
Das entscheidende Problem bleibt jedoch bestehen: Der Index liegt seit 78 Tagen ununterbrochen unter null. Die letzte positive Messung wurde am 5. Mai verzeichnet. US-Käufer ziehen sich damit nicht mehr so stark zurück wie zuvor, sie übernehmen aber noch immer nicht die Kontrolle.
Für eine echte Trendwende müsste der Coinbase Premium Index nicht nur kurz über null steigen, sondern sich dort mehrere Handelstage halten. Fällt der Sieben-Tage-Durchschnitt dagegen erneut unter minus 0,10, wäre das ein klares Warnsignal für eine Rückkehr des stärkeren Verkaufsdrucks.
ETF-Zuflüsse drehen wieder ins Plus
Parallel zur Erholung des Coinbase-Indikators kehrt auch Kapital in die US-Spot-ETFs zurück. In der jüngsten Sitzung flossen netto neun Millionen Dollar beziehungsweise rund 133 Bitcoin in die Fonds.
Auf Wochensicht summierten sich die Zuflüsse auf 439 Millionen Dollar oder etwa 6.660 Bitcoin. Nach den deutlichen Abflüssen im Mai und Juni ist das die erste klar positive Phase seit mehreren Wochen.
Seit dem Start der amerikanischen Spot-ETFs sind insgesamt 51,84 Milliarden Dollar in die Produkte geflossen. Die Fonds halten rund 611.980 Bitcoin mit einem aktuellen Wert von etwa 40,46 Milliarden Dollar.
Die neuen Zuflüsse zeigen, dass institutionelle Anleger auf dem aktuellen Kursniveau wieder vorsichtige Positionen aufbauen. Das ist positiv, bedeutet aber noch nicht automatisch, dass bestehende ETF-Anleger ihre Verluste durch Nachkäufe reduzieren. Ein Teil des neuen Kapitals kann auch von Anlegern stammen, die bisher überhaupt nicht investiert waren.
Die beiden Indikatoren messen zudem unterschiedliche Bereiche. ETF-Zuflüsse zeigen institutionelle Anlageentscheidungen, die über Tage oder Wochen getroffen werden. Der Coinbase Premium Index bildet dagegen das unmittelbare Verhältnis von Angebot und Nachfrage im US-Spotmarkt ab.
Deshalb ist es kein Widerspruch, dass die ETF-Zuflüsse bereits positiv sind, während der Coinbase Premium Index noch unter null liegt. Institutionelles Kapital kehrt langsam zurück, doch die kurzfristige US-Nachfrage benötigt noch eine Bestätigung.
Warum 84.700 Dollar zur gefährlichen Zone werden
Der durchschnittliche Einstiegspreis der ETF-Anleger liegt bei 84.714 Dollar. Beim analysierten Bitcoin-Kurs von rund 66.110 Dollar saß diese Anlegergruppe damit auf einem nicht realisierten Verlust von ungefähr 22 Prozent.
Genau daraus entsteht das größte Risiko für eine stärkere Erholung. Steigt Bitcoin in Richtung 84.700 Dollar, erreichen viele ETF-Positionen wieder ihren Einstandspreis. Ein Teil der Anleger könnte diese Gelegenheit nutzen, um ohne Verlust auszusteigen.
Dadurch würde zusätzliches Angebot auf den Markt kommen. Die Marke könnte deshalb nicht nur als technischer Widerstand wirken, sondern auch als psychologisch wichtige Ausstiegszone für institutionelle Investoren.
Für Bitcoin ergibt sich damit ein widersprüchliches Bild. Der US-Verkaufsdruck lässt nach, und institutionelles Kapital beginnt wieder zuzufließen. Gleichzeitig ist die Nachfrage noch nicht stark genug, um von einer nachhaltigen Trendwende zu sprechen.
Jetzt zählen zwei Signale: Der Coinbase Premium Index muss über null steigen, während die wöchentlichen ETF-Zuflüsse positiv bleiben. Erst dann wäre bestätigt, dass die USA wieder zu einem echten Kurstreiber werden.
Bis dahin bleibt die Lage neutral mit einer positiven Tendenz. Unterhalb von 84.700 Dollar lebt die Erholung, doch genau an dieser Marke entscheidet sich, ob daraus ein nachhaltiger Ausbruch oder eine neue Verkaufswelle wird.