Bitcoin steht möglicherweise vor einem entscheidenden Wendepunkt. Während der Kurs am Donnerstag zeitweise unter 80.000 Dollar fiel, zeigt eine aktuelle On-Chain-Auswertung von Glassnode ein auffälliges Muster: Immer wieder haben besonders schmerzhafte Verlustverkäufe in den vergangenen Monaten lokale Tiefpunkte begleitet. Jetzt könnte sich dieses Verhalten wiederholen.
Das Wichtigste in Kürze
- Erneute Kapitulation: Laut einer aktuellen Glassnode-Auswertung haben Bitcoin-Anleger wieder verstärkt mit Verlust verkauft. Ähnliche Verkaufsschübe fielen zuvor mit lokalen Tiefpunkten zusammen.
- Bitcoin erholt sich: Nach einem Rücksetzer bis auf rund 79.700 Dollar am 15. Oktober notiert BTC wieder bei etwa 82.000 Dollar.
- Verkaufsdruck lässt nach: Glassnode zufolge sind die realisierten Verluste langfristiger Halter seit ihrem August-Hoch um rund 85 Prozent zurückgegangen.
- Entscheidende Kursmarke: Die Zone zwischen 80.000 und 81.500 Dollar könnte darüber entscheiden, ob sich ein neuer Boden bildet oder Bitcoin erneut abrutscht.
- Risiko bei einem Durchbruch: Fällt Bitcoin nachhaltig unter 80.000 Dollar, rückt die Unterstützung bei etwa 78.000 Dollar in den Fokus.
Die ersten Anzeichen einer Erholung sind bereits sichtbar. Am Freitag notiert Bitcoin wieder bei rund 82.000 Dollar. Doch die entscheidende Frage bleibt offen: War der jüngste Ausverkauf die letzte Kapitulation vor einer Erholung oder nur eine kurze Unterbrechung des Abwärtstrends?
Bitcoin-Anleger kapitulieren: Dieses Muster macht jetzt Hoffnung
Die jüngste Glassnode-Auswertung deutet darauf hin, dass Bitcoin-Anleger erneut größere Verluste realisiert haben.
bitcoin:native sellers capitulated again yesterday.
— glassnode (@glassnode) October 16, 2026
Every burst of loss selling came right at a local bottom: early August, mid-August and mid-September.
Profit taking has slowed since the September high.
If the pattern holds, yesterday's selling just above $80k would mark the… pic.twitter.com/APisX2VDDj
Die zugrunde liegende Beobachtung ist bemerkenswert: Bereits Anfang August, Mitte August und Mitte September sollen auffällige Ausschläge bei den Verlustverkäufen zeitlich mit lokalen Kurstiefs zusammengefallen sein.
Jetzt zeigt sich nach dem erneuten Kursrückgang ein ähnliches Bild. Solche Phasen werden am Kryptomarkt häufig als Kapitulation bezeichnet. Gemeint ist eine Situation, in der Anleger ihre Bitcoin trotz Verlusten verkaufen, weil sie weitere Kursrückgänge befürchten oder ihre Positionen auflösen müssen.
Gerade diese Verkaufswellen können für eine Bodenbildung wichtig werden. Denn wenn besonders viele verkaufsbereite Anleger ihre Bestände bereits abgestoßen haben, kann der verbleibende Verkaufsdruck nachlassen. Treffen anschließend neue Käufer auf ein geringeres Angebot, wird eine Kurserholung wahrscheinlicher.
Zusätzliche Unterstützung liefert Glassnodes aktueller Wochenbericht vom 14. Oktober. Demnach sind die realisierten Verluste langfristiger Bitcoin-Halter seit dem Höhepunkt am 12. August um rund 85 Prozent gefallen. Das deutet darauf hin, dass deutlich weniger langfristige Investoren ihre Bestände unter dem ursprünglichen Kaufpreis abgeben.
Gleichzeitig haben sich die Gewinnmitnahmen gegenüber den stärkeren Verkaufsphasen des Spätsommers abgeschwächt. Die Kombination aus nachlassenden Verlustverkäufen und begrenzten Gewinnmitnahmen spricht dafür, dass ein Teil des Verkaufsdrucks bereits abgearbeitet sein könnte.
Warum ausgerechnet 80.000 Dollar zur gefährlichen Falle werden könnten
Der jüngste Rücksetzer hat Bitcoin am 15. Oktober kurzzeitig unter die psychologisch wichtige Marke von 80.000 Dollar gedrückt. Dort fanden sich zunächst wieder Käufer. Der Kurs erholte sich und stieg bis Freitag auf etwa 82.000 Dollar.
Doch die aktuelle Unterstützung ist besonders anfällig für weitere Belastungen. Laut Glassnode befinden sich bei rund 80.000 Dollar größere Kaufaufträge im Orderbuch. Gleichzeitig konzentrieren sich knapp unter dieser Zone gehebelte Positionen, deren Auflösung einen stärkeren Kursrutsch beschleunigen könnte.
Hinzu kommt eine weitere wichtige Marke bei rund 81.500 Dollar. Diese entspricht ungefähr dem durchschnittlichen Einstiegspreis der Anleger in US-amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs, wie Glassnode in seiner aktuellen Analyse berechnet.
Solange Bitcoin oberhalb dieser Zone bleibt, liegen die ETF-Bestände im Durchschnitt weiterhin im Gewinn. Ein nachhaltiger Rückgang darunter könnte die Stimmung jedoch zusätzlich belasten.
Bitcoin-Erholung oder neuer Absturz? Diese Marken entscheiden
Ob sich das historische Kapitulationsmuster diesmal erneut bestätigt, dürfte vor allem davon abhängen, wie Bitcoin auf den jüngsten Rücksetzer reagiert. Für eine Erholung spricht, dass der Kurs die Marke von 80.000 Dollar zunächst zurückerobert hat und die realisierten Verluste langfristiger Halter deutlich nachgelassen haben.
Doch auf der Oberseite warten weitere Hindernisse. Glassnode identifiziert oberhalb von rund 88.000 Dollar einen größeren Angebotsbereich. Dort liegen die durchschnittlichen Einstiegspreise zahlreicher Anleger, die in den vergangenen Monaten Bitcoin gekauft haben.
Zusätzlichen Gegenwind liefern die makroökonomischen Rahmenbedingungen. Höhere US-Inflationszahlen haben zuletzt die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen durch die US-Notenbank verstärkt. Gleichzeitig sind die Zuflüsse in Bitcoin-Spot-ETFs schwächer geworden.
Eine überzeugende Erholung müsste daher nicht nur die aktuellen Unterstützungen verteidigen, sondern auch von einer stärkeren Nachfrage begleitet werden.
Für Anleger ergeben sich damit drei entscheidende Kursbereiche:
- 80.000 bis 81.500 Dollar: Die kurzfristige Schlüsselzone. Bleibt Bitcoin darüber, gewinnt das Szenario einer Bodenbildung an Glaubwürdigkeit.
- Rund 78.000 Dollar: Das nächste wichtige Kursniveau, falls die aktuelle Unterstützung nachhaltig verloren geht.
- Rund 88.000 Dollar: Eine größere Widerstandszone. Erst wenn Bitcoin diesen Bereich mit überzeugender Nachfrage überwindet, verbessert sich die Aussicht auf eine weiterreichende Erholung.
Die jüngsten Glassnode-Daten liefern damit ein mögliches Hoffnungssignal, aber noch keine Bestätigung für einen neuen Aufwärtstrend.
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