Der XRP-Markt sendet widersprüchliche Signale: Während die Bestände auf Binance innerhalb weniger Wochen um 101 Millionen XRP gesunken sind, verzeichnen zwei große südkoreanische Kryptobörsen steigende Reserven.
Gleichzeitig nehmen Auszahlungen im Verhältnis zu Einzahlungen zu. Für Anleger stellt sich damit eine entscheidende Frage: Wird das verfügbare Angebot knapper oder verlagern sich die XRP-Bestände lediglich zwischen den Handelsplattformen?
Die Entwicklung fällt in eine ohnehin schwierige Marktphase. Nach einem Kursverlust von rund 4,9 Prozent am 12. Oktober notiert XRP am 13. Oktober bei etwa 1,35 US-Dollar. Damit rückt die Unterstützung im Bereich von 1,31 bis 1,34 US-Dollar in den Mittelpunkt.
101 Millionen XRP weniger auf Binance: Das steckt hinter den Abflüssen
Aktuelle Daten der Analyseplattform CryptoQuant zeigen, dass sich das Verhältnis zwischen Ein- und Auszahlungen zunehmend zugunsten der Abhebungen verschiebt. Auf Binance stieg der Anteil der Auszahlungen zwischen dem 26. August und dem 12. Oktober von 52 auf 54 Prozent. Über sämtliche Kryptobörsen hinweg erhöhte sich der entsprechende Wert von 51 auf 52,7 Prozent.
Gleichzeitig ging der Anteil der Einzahlungen zurück. Auf Binance sank er von 47,7 auf 45,9 Prozent, während er börsenübergreifend von 48 auf etwa 47 Prozent fiel. Besonders auffällig ist allerdings die Entwicklung der tatsächlichen XRP-Reserven.
Am 27. September hielt Binance laut CryptoQuant noch rund 2,705 Milliarden XRP. Bis zum 13. Oktober reduzierte sich dieser Bestand auf 2,604 Milliarden XRP. Das entspricht einem Rückgang um 101 Millionen XRP beziehungsweise rund 3,7 Prozent.
Sinkende Börsenreserven werden häufig positiv interpretiert, weil dadurch potenziell weniger Coins unmittelbar für den Verkauf auf einer Handelsplattform verfügbar sind.
Allerdings ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Der steigende Anteil der Auszahlungen beschreibt zunächst nur die Anzahl der Transfers. Er sagt nicht aus, wie viele XRP tatsächlich abgezogen wurden.
Erst der gleichzeitige Rückgang der Binance-Reserven liefert einen konkreteren Hinweis darauf, dass sich die dort gehaltene XRP-Menge verringert hat.
Während Binance XRP verliert, steigen die Reserven in Südkorea
Die Entwicklung auf anderen Handelsplattformen zeichnet jedoch ein anderes Bild. Während die XRP-Reserven von Binance deutlich zurückgingen, bauten die südkoreanischen Börsen Upbit und Bithumb ihre Bestände aus.
Bei Upbit stiegen die Reserven zwischen dem 23. September und dem 13. Oktober von 6,39 auf 6,45 Milliarden XRP. Das entspricht einem Zuwachs von rund 60 Millionen XRP. Bithumb verzeichnete im selben Zeitraum einen Anstieg von ungefähr 1,81 auf 1,84 Milliarden XRP. Hier kamen weitere 30 Millionen XRP hinzu.
Zusammen erhöhten sich die Bestände beider Handelsplattformen somit um rund 90 Millionen XRP. Diese gegenläufige Entwicklung relativiert die vermeintlich eindeutige Botschaft der Binance-Abflüsse. Denn während auf Binance weniger XRP liegen, befinden sich auf zwei wichtigen asiatischen Handelsplätzen gleichzeitig mehr Coins.
Daraus lässt sich weder sicher ableiten, dass Anleger ihre XRP langfristig halten wollen, noch dass eine größere Verkaufswelle bevorsteht. Möglich sind unterschiedliche Ursachen, darunter veränderte Handelsaktivitäten, Verwahrungsentscheidungen oder eine regionale Verschiebung von Liquidität.
Auch eine direkte Übertragung der 101 Millionen XRP von Binance zu den koreanischen Börsen ist durch die Daten nicht belegt. Die betrachteten Zeiträume unterscheiden sich zudem.
Ein weiterer Aspekt verstärkt die Unsicherheit: Eine frühere CryptoQuant-Auswertung meldete für Binance rund 1,6 Milliarden XRP an Zuflüssen innerhalb von 30 Tagen. Hohe Bruttozuflüsse und sinkende Reserven können gleichzeitig auftreten, wenn auf einer Börse entsprechend viele Coins wieder abgezogen werden.
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