Das Wichtigste in Kürze
- 434 Millionen Dollar Abflüsse: Laut CoinShares haben Anleger seit Wochenbeginn netto 434 Millionen US-Dollar aus globalen Krypto-Anlageprodukten abgezogen.
- US-Inflation überrascht negativ: Die Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erwartet wurden lediglich 3,6 Prozent.
- Zinssorgen nehmen zu: Auch die US-Einzelhandelsumsätze übertrafen mit 0,8 Prozent die Prognose von 0,3 Prozent. Das erhöht den Druck auf die US-Notenbank.
- Bitcoin bleibt angeschlagen: Nach einem Rücksetzer unter 80.000 Dollar erholte sich BTC am Freitag auf rund 82.000 bis 83.000 Dollar.
- Entscheidende Unterstützung: Ein erneuter Bruch der 80.000-Dollar-Marke könnte den Verkaufsdruck verschärfen. CoinShares sieht kurzfristige Risiken, aber noch keinen grundsätzlich bärischen Markt.
Bitcoin gerät von zwei Seiten unter Druck. Während Anleger innerhalb weniger Tage 434 Millionen Dollar aus Krypto-Anlageprodukten abziehen, schüren überraschend hohe US-Inflationszahlen neue Sorgen vor steigenden Zinsen. Der Bitcoin-Kurs fiel zwischenzeitlich unter 80.000 Dollar. Trotz einer anschließenden Erholung bleibt die Gefahr weiterer Verluste bestehen.
CoinShares warnt in seinem Marktbericht vom 16. Oktober vor einem zunehmend schwierigen Umfeld für Kryptowährungen. Ausgerechnet die Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft könnte dabei zum Problem für Bitcoin werden.
Denn die jüngsten Konjunkturdaten geben der US-Notenbank Federal Reserve weniger Spielraum, ihre Geldpolitik zu lockern.
434 Millionen Dollar verlassen Krypto-Fonds: Anleger ziehen die Reißleine
Die jüngsten Kapitalströme zeigen, wie schnell sich die Stimmung institutioneller und anderer professioneller Anleger verschlechtert hat. Nach Angaben von CoinShares verzeichneten globale Anlageprodukte für digitale Vermögenswerte in der laufenden Woche bis zum Berichtszeitpunkt Nettoabflüsse von 434 Millionen US-Dollar.
Dabei handelt es sich um die zusammengefassten Kapitalbewegungen verschiedener Krypto-Investmentprodukte, nicht ausschließlich um Bitcoin-ETFs. Die Entwicklung ist vor allem deshalb interessant, weil sie zeitlich mit einer deutlichen Verschiebung der US-Zinserwartungen zusammenfällt.
Auslöser waren die am 14. Oktober veröffentlichten amerikanischen Inflationsdaten. Der Verbraucherpreisindex CPI stieg im September um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ökonomen hatten mit 3,6 Prozent gerechnet. Im August hatte die Inflationsrate noch bei 3,4 Prozent gelegen.
Auch die Kerninflation, bei der die schwankungsanfälligen Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet werden, erhöhte sich auf 2,6 Prozent. Besonders stark verteuerte sich Energie. Die Benzinpreise stiegen innerhalb eines Monats um 9,1 Prozent und waren damit für einen erheblichen Teil des Inflationsschubs verantwortlich.
Für Bitcoin ist das problematisch. Höhere Zinserwartungen können Anleihen attraktiver machen und die Bereitschaft reduzieren, Kapital in risikoreichere Anlagen wie Kryptowährungen zu investieren.
Warum die starken US-Daten jetzt zur Gefahr für Bitcoin werden
Nicht nur die Inflation sorgte für Unruhe. Am 15. Oktober meldeten die USA einen Anstieg der Einzelhandelsumsätze um 0,8 Prozent gegenüber dem Vormonat. Erwartet worden war lediglich ein Plus von 0,3 Prozent.
Normalerweise gelten starke Konsumausgaben als positives Zeichen für die Wirtschaft. Doch für Bitcoin und andere Risikoanlagen können sie derzeit genau das Gegenteil bewirken. Solange die US-Wirtschaft robust bleibt und die Inflation gleichzeitig erhöht ist, könnte die Federal Reserve höhere Zinsen länger beibehalten oder weitere Zinsschritte beschließen.
Bitcoin bei 80.000 Dollar: Droht der nächste Abverkauf oder kommt die Erholung?
Bitcoin fiel am 15. Oktober zeitweise unter die psychologisch wichtige Marke von 80.000 Dollar. Anschließend setzte eine Erholung ein, die den Kurs am Freitag wieder in den Bereich zwischen 82.000 und 83.000 Dollar führte. Doch diese Gegenbewegung reicht bislang nicht aus, um die Risiken vollständig auszuräumen.
Die entscheidende Frage lautet, ob Bitcoin die Unterstützung um 80.000 Dollar dauerhaft verteidigen kann. Gelingt das, könnte sich die jüngste Stabilisierung fortsetzen. Eine Verbesserung der Inflationsaussichten oder eine Entspannung bei den Zinserwartungen würde dieses Szenario zusätzlich unterstützen.
Auch eine Rückkehr positiver Kapitalströme in Krypto-Fonds wäre ein wichtiges Zeichen dafür, dass Anleger wieder mehr Vertrauen fassen. Anders sieht es aus, wenn die Marke von 80.000 Dollar erneut nachhaltig verloren geht.
In diesem Fall könnte sich der Verkaufsdruck verstärken und die nächste Unterstützungszone um 78.000 Dollar in den Mittelpunkt rücken. CoinShares selbst bewertet die kurzfristige Lage für Bitcoin zwar als schwierig, aber nicht grundsätzlich bärisch.
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