US-Spot-Bitcoin-ETFs haben am Donnerstag netto 223 Millionen US-Dollar eingesammelt – der größte Tageszufluss seit Mai. Damit endete eine Serie von zehn Handelstagen mit Abflüssen, in denen Anleger den Produkten insgesamt 2,73 Milliarden US-Dollar entzogen. Parallel zog der Bitcoin-Kurs wieder an: Nach einem Rutsch unter 58.000 US-Dollar, dem tiefsten Stand seit 21 Monaten, stieg Bitcoin zeitweise über 62.000 US-Dollar und behauptete später erneut die Marke von 60.000 US-Dollar. Für den Markt wird nun entscheidend, ob die Nachfrage über die ETFs mehr als nur eine Sitzung trägt und ob Bitcoin die Zone um 62.000 US-Dollar stabilisieren kann.
223 Millionen Dollar Zufluss stoppen die Abflussserie
Der kräftige Zuflusstag fällt in eine Phase, in der die ETF-Bilanz seit Wochen belastet ist. Seit Anfang Mai summieren sich die Nettoabflüsse bei Bitcoin-ETFs laut Santiment auf fast 8,5 Milliarden US-Dollar. Der Sprung ins Plus kann daher zweierlei bedeuten: Entweder setzt nach dem starken Ausverkauf frische Nachfrage ein – oder es handelt sich um eine kurzfristige Gegenbewegung, die schnell wieder verpufft.
Genau diese Unterscheidung ist für die Kursrichtung zentral. Ein weiterer Zuflusstag würde die These stützen, dass Investoren den Rückgang aktiv als Einstieg nutzen. Drehen die Flows dagegen rasch wieder ins Negative, wäre die Erholung eher als kurzfristige Entlastungsrally zu werten.
US-Arbeitsmarkt schwächer – Druck auf Dollar und Renditen lässt nach
Rückenwind kam auch aus dem Makroumfeld. Laut US-Arbeitsmarktbericht entstanden im Juni 57.000 neue Stellen – deutlich weniger als von Ökonomen erwartet. Zudem wurden die Payroll-Zahlen für April und Mai zusammen um 74.000 Stellen nach unten revidiert. Die Arbeitslosenquote fiel zwar auf 4,2 Prozent, gleichzeitig verließen jedoch rund 720.000 Menschen den Arbeitsmarkt. Die Erwerbsquote sank damit auf 61,5 Prozent (von 61,8 Prozent), und die Haushaltsumfrage zeigte einen Rückgang der Beschäftigung um 507.000.
An den Märkten reduzierte der Bericht kurzfristig die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank. Eine Anhebung um 25 Basispunkte im Oktober wird nicht mehr vollständig eingepreist, eine weitere Erhöhung bis Jahresende bleibt jedoch in den Erwartungen enthalten. Der US-Dollar schwächte sich ab, die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen fiel auf etwa 4,11 Prozent. Gold setzte seine Erholung fort. BlackRock-Manager Rick Rieder sprach von „more fizzle than fireworks“ und sieht im breiten Arbeitsmarkt eher eine graduelle Abkühlung als einen Einbruch. RSM-Ökonom Tuan Nguyen betonte, die Daten reichten aus, damit die Fed den Leitzins im Juli unverändert lassen könne. Ein mögliches weiteres Signal für die nächsten Wochen beleuchtet auch Bitcoin taumelt: Doch ein anderes Signal könnte die wahre Gefahr oder Chance sein.
Die Marken 60.000 und 62.000 rücken in den Mittelpunkt
Trotz der Erholung bleibt die Lage fragil. Bitwise Europe beschreibt weiterhin hohen Stress: Demnach werden nur 47 Prozent des Bitcoin-Angebots mit Gewinn gehalten, die aggregierten Buchverluste liegen bei rund 281 Milliarden US-Dollar. Zugleich verweist das Unternehmen auf Optionszonen, die Bewegungen verstärken oder dämpfen können: Negative Gamma-Zonen um 60.000 und 55.000 US-Dollar könnten Abwärtsbewegungen beschleunigen, während eine positive Gamma-Zone nahe 62.000 US-Dollar die Schwankungen eher begrenzen kann.
Hinzu kommt: Der Rückgang unter 58.000 US-Dollar ging mit höheren Transfers auf Handelsplattformen einher, darunter auch Bewegungen größerer Halter. Solche Transfers sind kein direkter Verkaufsnachweis, erhöhen aber das potenziell verfügbare Angebot auf Börsen. 10x Research ordnet das kurzfristige Bild gemischt ein: Bitcoin liegt zwar über dem 7-Tage-Durchschnitt, aber weiterhin unter dem 30-Tage-Durchschnitt.
Für die nächsten Tage laufen damit zwei Signale gegeneinander: Die ETF-Zuflüsse und der nachlassende Zinsdruck sprechen für Stabilisierung, die belastete Positionierung vieler Anleger und die sensiblen Zonen um 60.000 US-Dollar halten das Risiko hoch. Entscheidend ist nun, ob auf den ETF-Zufluss weitere Zuflüsse folgen – und ob Bitcoin die 62.000 US-Dollar behaupten kann, statt erneut in die 60.000er-Zone zurückzufallen.