Bitcoin-Netzwerk zieht an – doch der Kurs bleibt schwach

Bitcoin-Netzwerk zieht an – doch der Kurs bleibt schwach
Bitcoin-Netzwerk zieht an – doch der Kurs bleibt schwach (BitcoinBasis.de | Image GPT)

Im Bitcoin-Netzwerk ist spürbar mehr los – aber am Markt kommt davon bislang wenig an. Der Bitcoin Network Activity Index von CryptoQuant liegt erstmals seit Mitte 2024 wieder über dem langfristigen Trend. Der Index steigt laut den Daten seit Januar, erreichte zuletzt den höchsten Stand seit Ende 2024 und liegt nur noch rund sieben Prozent unter dem Rekord vom September 2024. Gleichzeitig notiert Bitcoin nach CryptoSlate-Daten unter 65.000 US-Dollar, rund 30 Prozent tiefer als zum Jahresstart und mehr als 50 Prozent unter dem Rekordhoch von etwa 126.000 US-Dollar von Ende 2025.

Mehr Transaktionen, vor allem im Mikrobereich

Der Anstieg der Netzwerkaktivität wird laut CryptoQuant vor allem von der reinen Transaktionszahl getragen – nicht von großen Wertübertragungen. 2026 kletterten die täglichen Bitcoin-Transaktionen zeitweise auf über 800.000. Damit liegt die Aktivität nahe den stärksten Werten des Zyklus 2023 bis 2025 und mehr als doppelt so hoch wie die Tiefs von 2025.

Auffällig ist dabei die Verschiebung hin zu sehr kleinen Beträgen: Transaktionen unter 0,01 BTC machen inzwischen etwa 80 Prozent der täglichen Transaktionszahl aus. 2023 lag dieser Anteil noch bei rund 44 Prozent. Auch die kleinsten Gruppen, darunter Transaktionen unter 0,001 BTC, legten in diesem Jahr stark zu und nähern sich laut CryptoQuant wieder dem vorherigen Höchststand von 2024.

Runes, Ordinals und OP_RETURN treiben den Blockspace

Zusätzliche Hinweise auf eine datengetriebene Nutzung liefert die Entwicklung bei OP_RETURN-Ausgaben, die sich 2026 laut CryptoQuant auf nahezu Rekordniveau erhöht haben. CryptoQuant bringt das mit Runes, Ordinals, BRC-20-ähnlichen Märkten und anderen datenbasierten Diensten in Verbindung. Das Muster erinnert an frühere Phasen, in denen Token-Experimente, Inscriptions und Datendienste die Transaktionszahlen nach oben zogen.

Für Unterstützer ist das ein Signal, dass Bitcoin als Abwicklungsschicht stärker genutzt wird. Kritiker verweisen dagegen auf die Kehrseite: Viele dieser Transaktionen stützen die monetäre Funktion von Bitcoin nur begrenzt, belegen aber Kapazität. Die Daten geben beiden Sichtweisen teilweise recht: Bitcoin verarbeitet mehr Transaktionen, bewegt dabei aber nicht proportional mehr wirtschaftlichen Wert.

Mempool füllt sich – Gebühren bleiben trotzdem niedrig

Die zunehmenden Mikrotransaktionen beginnen den Mempool zu beeinflussen. Die Bitcoin-Mempool-Transaktionszahl stieg laut CryptoQuant auf etwa 128.000 – der höchste Stand seit Ende Februar 2025. Die aktuelle Überlastung konzentriert sich dabei auf Transaktionen mit niedrigen Gebühren.

Bemerkenswert: Trotz höherer Auslastung reagieren die Gebühren bislang kaum. Am 18. Juni lagen die täglichen Bitcoin-Transaktionsgebühren laut YCharts (auf Basis von Blockchain.com-Daten) bei 3,458 BTC, rund 50,25 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die durchschnittliche Transaktionsgebühr lag laut BitInfoCharts zuletzt bei etwa 27 Cent. Das begrenzt den direkten finanziellen Nutzen der Aktivitätswelle für Miner, auch wenn mehr Konkurrenz um Blockspace bei zeitkritischen Transaktionen grundsätzlich zu höheren Gebühren führen kann.

Für die Miner bleibt die Lage damit unverändert: Seit dem Halving im April 2024 liegt die Blocksubvention bei 3,125 BTC pro Block. Bei rund 144 Blöcken pro Tag ist sie weiterhin die wichtigste Einnahmequelle, solange der Gebührenmarkt nicht deutlich anzieht.

Unterm Strich sendet Bitcoin derzeit ein gemischtes Signal: starke Netzwerkaktivität und mehr Nachfrage nach Blockspace, aber schwacher Preis und ein niedriger Gebührenmarkt. Entscheidend wird, ob sich aus der protokollgetriebenen Transaktionswelle eine dauerhaft höhere wirtschaftliche Nutzung entwickelt – oder ob vor allem viele kleine, datenbasierte Transaktionen das Bild prägen, ohne den Gebührenmarkt und damit auch die Miner-Ökonomie spürbar zu stützen. Mehr dazu, wie Kriminelle versuchen, das Netzwerk auszunutzen, zeigt auch der Fall Bitcoin-Betrug: 6 Jahre Haft.

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