Auf dem XRP Ledger könnte sich bald einiges im DeFi-Bereich bewegen: Die XRP Ledger Foundation hat einen neuen Vorschlag veröffentlicht, der das Trading auf der integrierten dezentralen Börse (DEX) deutlich flexibler machen soll. Im Kern geht es darum, wie Liquiditätspools Preise berechnen und wie effizient Kapital in diesen Pools eingesetzt werden kann.
Neuer XRPL-Entwurf: AMM-Pools sollen frei wählbare Preis-Kurven bekommen
Der Entwurf trägt den Namen „AMM Swappable Curves“ und wäre eine Erweiterung des aktuellen AMM-Systems auf dem XRP Ledger, das unter dem Standard XLS-30 läuft und seit März 2024 auf dem Mainnet aktiv ist. Bislang nutzt dieses AMM nur ein einziges Modell zur Preisfindung: das sogenannte „Constant Product“-Modell, bekannt von vielen DEXs.
Dieses Modell funktioniert besonders gut bei stark schwankenden Assets, etwa bei XRP oder spekulativen Token. Bei Stablecoins oder tokenisierten Real-World-Assets (RWAs), die sich normalerweise nur wenig bewegen, kann es jedoch zu unnötig hoher Slippage kommen, also zu schlechteren Ausführungspreisen bei Trades.
Genau hier setzt der Vorschlag an: Zusätzlich zum bisherigen Constant-Product-Ansatz sollen zwei weitere Kurven-Modelle möglich werden: StableSwap und Concentrated Liquidity. Damit könnten Ersteller von Liquiditätspools künftig das Modell wählen, das besser zum jeweiligen Asset-Paar passt.
Was sich für Nutzer ändert: weniger Slippage, bessere Preise, effizientere Liquidität
Laut der XRP Ledger Foundation könnten die neuen Optionen die Kapital-Effizienz erhöhen und die Preisabweichungen bei Trades reduzieren. Das ist vor allem für Märkte interessant, in denen enge Spreads wichtig sind, zum Beispiel bei Stablecoin-Paaren, Devisen-ähnlichen Märkten, RWAs oder generell im DeFi-Handel.
Technisch soll das Ganze über eine „pluggable curve architecture“ laufen. Übersetzt heißt das: Die AMM-Infrastruktur bleibt, aber die Preisformel wird austauschbar. Dadurch muss nicht jeder Pool gezwungen werden, nach dem gleichen Prinzip zu funktionieren. Das XRPL könnte mehrere Modelle parallel unterstützen, je nachdem, welche Assets in einem Pool liegen.
Wichtig für bestehende Nutzer: Der Vorschlag würde XLS-30 erweitern, aber bestehende Liquiditätspools nicht ersetzen oder „kaputtmachen“. Außerdem ist das Ganze aktuell noch ein Entwurf. Validatoren haben die Änderung noch nicht freigegeben.
Warum Stablecoins und tokenisierte RWAs besonders profitieren könnten
In der GitHub-Diskussion der Foundation wird StableSwap als Modell beschrieben, das speziell für Assets wie USDT und USDC gedacht ist, sowie für tokenisierte RWAs, die an Fiat-Währungen gekoppelt sind. Weil diese Werte meistens nahe beieinander liegen und nur wenig schwanken, kann StableSwap engere Preise liefern und die Slippage bei größeren Trades senken.
Gleichzeitig bringt der Entwurf mehr „Kurven-Vielfalt“ ins System: Volatile Assets sollen weiterhin vom bisherigen Modell profitieren, während stabile Paare ein Modell bekommen, das für ihren Zweck gebaut ist. Das kann die DEX auf dem XRP Ledger für alltägliche Anwendungen attraktiver machen, etwa für Zahlungen, Stablecoin-Trading oder RWA-basierte Märkte, bei denen verlässliche Preise entscheidend sind.
Für größere Trader und Liquiditätsanbieter ist außerdem „Concentrated Liquidity“ spannend. Dabei kann Liquidität näher an den Bereich gelegt werden, in dem tatsächlich gehandelt wird. Das kann die Rendite pro eingesetztem Kapital verbessern, ist aber in der Praxis oft auch anspruchsvoller zu managen.
Unterm Strich ist der Vorschlag ein Schritt, um die XRPL-DEX flexibler zu machen und näher an das heranzuführen, was Nutzer aus anderen DeFi-Ökosystemen kennen. Ob und wann das Upgrade kommt, hängt nun davon ab, ob Validatoren die Änderung als Amendment verabschieden.