XRP steht vor einem heiklen Wendepunkt. Während der Kurs noch unter wichtigen gleitenden Durchschnitten festhängt, bauen Derivate-Trader ihre Wetten auf steigende Preise aus. Das offene Interesse an XRP-Futures stieg binnen 24 Stunden auf 2,86 Milliarden Dollar. Damit fließt wieder mehr Kapital in Positionen, die auf eine stärkere Bewegung setzen.
Besonders auffällig ist, dass die Aktivität sowohl an der CME als auch auf Binance zunimmt. Das ist mehr als nur normale Marktbewegung. Wenn Futures-Trader mit größerem Einsatz zurückkommen, steigt meist auch die Wahrscheinlichkeit für stärkere Kursschwankungen. Für XRP wird damit die nächste Zone entscheidend: Gelingt der Ausbruch über die mehrmonatige Abwärtstrendlinie, rückt der Bereich um 1,50 Dollar in den Fokus. Scheitert der Versuch, droht neuer Druck.
Warum die Angst plötzlich zur Chance werden kann
Ein zweites Signal kommt aus der Stimmung am Markt. Santiment meldete, dass das Verhältnis bullischer zu bärischer Kommentare rund um XRP auf nur noch 1,1 zu 1 gefallen ist. Damit ist die Stimmung so skeptisch wie seit drei Wochen nicht mehr.
📉 XRP’s crowd sentiment has swung sharply negative again, with the ratio of positive to negative commentary dropping to just 1.1 bullish comments for every 1 bearish comment. Historically, this kind of fear and skepticism has often acted as a contrarian signal for XRP’s price.… pic.twitter.com/KGubO783yE
— Santiment Intelligence (@SantimentData) May 25, 2026
Für Anleger klingt das zunächst negativ. Historisch kann genau diese Angst aber auch ein Kontraindikator sein. Wenn viele Marktteilnehmer bereits zweifeln oder ausgestiegen sind, nimmt der Verkaufsdruck oft ab. In solchen Phasen reichen bereits kleinere Kaufimpulse, um eine Stabilisierung oder einen kurzfristigen Bounce auszulösen.
XRP notierte zuletzt bei rund 1,33 Dollar und lag damit leicht über dem 24-Stunden-Tief von 1,32 Dollar. Gleichzeitig zog das Handelsvolumen um etwa 5 Prozent an. Das reicht noch nicht für ein starkes Kaufsignal, zeigt aber: Der Markt schläft nicht. Die entscheidende Frage ist jetzt, ob aus dieser vorsichtigen Erholung echte Stärke wird.
Die Chartlage bleibt gefährlich
Trotz der bullischen Futures-Daten bleibt der technische Hintergrund angespannt. XRP handelt weiterhin unter dem 50-Tage-, 100-Tage- und 200-Tage-Durchschnitt. Das bedeutet: Der übergeordnete Trend ist noch nicht zurück auf der Seite der Käufer.
Auch der RSI bei rund 41 zeigt keine klare Überhitzung, aber eben auch keine starke Trendwende. XRP hat damit Platz für eine Erholung, muss sie aber erst bestätigen. Genau deshalb zählt jetzt die Trendlinie. Ein sauberer Bruch darüber könnte frisches Momentum in Richtung 1,50 Dollar auslösen. Bleibt XRP darunter, könnten kurzfristige Long-Positionen schnell zur Falle werden.
Für Trader ist das ein klassischer Konflikt: Die Stimmung ist schlecht genug, um einen Bounce zu ermöglichen. Der Chart ist aber noch schwach genug, um jeden Ausbruchsversuch scheitern zu lassen.
Ripple-Gerüchte sorgen für zusätzliche Spannung
Neben den Marktdaten sorgt ein Gerücht für Unruhe. In der XRP-Community kursierten Spekulationen, Ripple könne den Stablecoin-Anbieter Circle für 11 Milliarden Dollar übernehmen. Auslöser war offenbar ein kurzer Beitrag der XRP Ledger Foundation auf X mit der Aussage, der nächste Tag werde „großartig“.
🚨 RUMOR ALERT 🚨
— John Squire XRP 🇺🇸 (@TheCryptoSquire) May 25, 2026
It is being reported that Ripple has acquired Circle, the issuer of the $61B stablecoin USDC.
An official announcement is supposedly expected later today.
If true, this would be one of the BIGGEST moves in crypto history. 👀 pic.twitter.com/Lpr7o7eX4D
Bestätigt ist daran bisher nichts. Weder Ripple noch Circle haben die Spekulation öffentlich bestätigt. Gerade deshalb sollten Anleger vorsichtig bleiben. Unbestätigte Übernahmegerüchte können kurzfristig Aufmerksamkeit erzeugen, aber sie können sich genauso schnell wieder in Luft auflösen.
Hinzu kommt: Ähnliche Spekulationen gab es bereits früher. Ripple-Chef Brad Garlinghouse hatte im vergangenen Jahr Berichte über ein mögliches Interesse an Circle dementiert. Circle wiederum hatte betont, nicht zum Verkauf zu stehen und sich auf den Börsengang zu konzentrieren. Wahrscheinlicher ist daher, dass die Andeutung der XRP Ledger Foundation mit einem größeren XRPL-Mainnet-Upgrade zusammenhängt.
Auch Wallets, die Ripple-Mitgründer Chris Larsen zugeschrieben werden, rückten wieder in den Fokus. Details zu den Transaktionen lagen zunächst nicht vor. Für den Markt reicht aber oft schon die Aktivität prominenter Wallets, um Spekulationen anzuheizen.
XRP steht damit zwischen zwei Kräften. Auf der einen Seite nehmen Futures-Trader wieder Risiko auf, während die schlechte Stimmung historisch Raum für eine Gegenbewegung lässt. Auf der anderen Seite bleibt der Chart angeschlagen, solange XRP unter den großen Durchschnittslinien und der wichtigen Trendlinie bleibt.