Bitcoin sendet derzeit zwei widersprüchliche Signale. Zwischen dem 22. und 24. September wurden über Binance, Coinbase, Kraken und Bitfinex zusammengerechnet Nettoabflüsse von rund 2,52 Milliarden US-Dollar registriert. Gleichzeitig fiel BTC vom jüngsten Hoch bei rund 87.400 Dollar zeitweise zurück in den Bereich um 84.000 Dollar.
Normalerweise werden anhaltende Abflüsse von Kryptobörsen als potenziell positives Angebotssignal gewertet: Bitcoin, die von Handelsplattformen abgezogen werden, stehen dort zunächst nicht unmittelbar zum Verkauf bereit. Doch genau hier liegt der Konflikt. Trotz der Milliardenabflüsse schafft es der Bitcoin-Kurs bislang nicht, den Bereich zwischen 86.700 und 87.400 Dollar nachhaltig zurückzuerobern.
Warum die 2,52 Milliarden Dollar mehr sind als ein Binance-Effekt
Am stärksten fiel der Abfluss am 22. September aus. Binance verzeichnete nach den von CryptoQuant-Contributor Amr Taha ausgewerteten Daten einen Nettoabfluss von rund 1,19 Milliarden Dollar. Zusammen mit Coinbase, Kraken und Bitfinex summierte sich der negative Netflow an diesem Tag auf etwa 1,57 Milliarden Dollar.
Am 23. September folgten weitere rund 438 Millionen Dollar, am 24. September nochmals rund 511 Millionen Dollar. Über die drei Tage ergibt sich damit ein negativer Nettofluss von ungefähr 2,52 Milliarden Dollar. Entscheidend ist dabei die Breite: Die Bewegung beschränkte sich nicht auf eine einzelne Handelsplattform, sondern war gleichzeitig bei mehreren großen Börsen sichtbar.
Das kann auf eine Verlagerung von Bitcoin in langfristige Verwahrung, institutionelle Custody oder private Wallets hindeuten. Ein automatisches Kaufsignal ist es jedoch nicht. Coins können Börsen auch wegen interner Transfers, OTC-Abwicklungen, Sicherheiten oder organisatorischer Umbuchungen verlassen.
Bitcoin fällt trotz Abflüssen: Genau dieser Widerspruch zählt jetzt
Besonders auffällig ist die Entwicklung, weil Bitcoin während der Abflüsse gleichzeitig an Wert verlor. Nach einem Anstieg bis auf rund 87.360 Dollar am 21. September fiel BTC am 23. September deutlich zurück. Am 24. September wurde zwischenzeitlich sogar ein Tief knapp unter 83.000 Dollar erreicht.
Am 25. September wird Bitcoin je nach Handelsplatz wieder ungefähr im Bereich von 84.000 bis 85.000 Dollargehandelt. Damit liegt BTC weiterhin deutlich unter der Widerstandszone um 86.700 bis 87.400 Dollar.
Hinzu kommt ein weiterer Gegensatz: Während Bitcoin von großen Börsen abgezogen wird, zeigen andere Onchain-Daten durchaus Verkaufsbereitschaft. CryptoQuant meldete beispielsweise, dass Miner am 21. September 19.866 BTC zu Binance transferierten. Gleichzeitig wurden laut Glassnode innerhalb von sieben Tagen Nettogewinne von rund 5,1 Milliarden Dollar realisiert.
Der Markt erlebt damit keinen einfachen Angebotsschock. Auf der einen Seite sinkt kurzfristig die auf einigen Börsen verfügbare BTC-Menge, auf der anderen Seite nutzen Marktteilnehmer höhere Kurse weiterhin für Gewinnmitnahmen.
Diese Marken entscheiden über Erholung oder neuen Verkaufsdruck
Unterstützung bekommt Bitcoin weiterhin von institutioneller Seite. Die US-Spot-Bitcoin-ETFs verbuchten am 24. September netto rund 191 Millionen Dollar Zuflüsse und damit bereits den sechsten positiven Handelstag in Folge. Allein BlackRocks IBIT nahm rund 163 Millionen Dollar auf.
Für den Kurs reicht dieser Nachfrageüberhang bislang aber nicht aus, um den jüngsten Widerstand zu überwinden.
Auf der Oberseite bleibt deshalb zunächst die Region um 86.700 Dollar entscheidend. Ein nachhaltiger Anstieg darüber würde den Weg zurück zum jüngsten Hoch um 87.400 Dollar öffnen. Erst wenn auch diese Zone zurückerobert wird, würde sich das technische Bild wieder deutlich verbessern.
Auf der Unterseite rückt dagegen das Tief vom 24. September knapp unter 83.000 Dollar in den Fokus. Darunter würde der Bereich um 81.300 bis 80.500 Dollar wichtiger. Bitfinex hatte einen nachhaltigen Rückgang unter etwa 81.300 Dollar, insbesondere zusammen mit ETF-Abflüssen, als Belastung für die jüngste Ausbruchsstruktur bezeichnet.
Die Milliardenabflüsse von den Börsen liefern Bitcoin damit einen potenziell positiven Angebotsfaktor, aber noch keine Bestätigung für eine neue Rallye. Solange BTC unter 86.700 bis 87.400 Dollar bleibt, besteht das Risiko weiterer Rücksetzer. Verteidigen Käufer dagegen die Zone um 83.000 Dollar und gelingt anschließend die Rückeroberung der jüngsten Hochs, könnten die sinkenden Exchange-Bestände deutlich stärker ins Gewicht fallen.
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