XRP notiert wieder in der Nähe von 1 US-Dollar – und das trotz mehrerer eigentlich positiver Signale. Die Aktivität auf dem XRP Ledger zieht an, große Wallets schicken deutlich weniger Coins zu Binance, und im Derivatemarkt steigt das Engagement der Trader. Trotzdem kommt der Kurs nicht nachhaltig vom Fleck. Der wichtigste Grund dafür scheint zu sein: Es fehlt weiterhin an frischer Nachfrage im Spotmarkt.
Mehr Aktivität im Netzwerk, aber noch zu wenig Kapital dahinter
Auf dem XRP Ledger (XRPL) ist zuletzt wieder deutlich mehr los. In dieser Woche wurden innerhalb von 24 Stunden rund 49.929 aktive Adressen gezählt – der höchste Wert seit mehr als zwei Monaten. Damit liegt die Netzwerkaktivität sogar leicht über dem Niveau vom Mai, als XRP noch über 1,54 Dollar gehandelt wurde.
Der Unterschied: Damals wurde der Anstieg von einer starken Kursrally begleitet. Jetzt zieht die Nutzung des Netzwerks an, obwohl der Preis zwischenzeitlich sogar unter 1 Dollar gefallen ist. Gleichzeitig hat sich die Stimmung in sozialen Netzwerken wie X, Reddit und Telegram laut Santiment auf den niedrigsten Stand seit drei Monaten eingetrübt.
Auch in anderen Bereichen wächst die Nutzung des XRPL. Die Zahl der Stablecoin-Halter stieg im vergangenen Monat um rund 37 Prozent auf etwa 82.100. Das Transfer-Volumen bei Stablecoins legte ebenfalls zu und erreichte 4,61 Milliarden Dollar.
Allerdings zeigt sich hier ein wichtiges Problem: Mehr Nutzer bedeuten nicht automatisch mehr Kapital im System. Die Marktkapitalisierung der Stablecoins auf XRPL fiel im gleichen Zeitraum um 6,8 Prozent auf 906,8 Millionen Dollar. Auch bei tokenisierten Real-World-Assets wuchs zwar die Zahl der Halter, doch Transfer-Volumen und gebundener Wert gingen zurück.
Das bedeutet: Die Beteiligung im Netzwerk steigt, aber Liquidität und wirtschaftliche Tiefe wachsen nicht im gleichen Maß mit. Genau das dürfte erklären, warum sich die bessere On-Chain-Aktivität bislang nicht klar im XRP-Kurs widerspiegelt.
Wale verkaufen weniger, während Trader wieder Hebel aufbauen
Auch außerhalb des Netzwerks gibt es Signale, die eigentlich stützend wirken sollten. Laut Daten von CryptoQuant sind die durchschnittlichen Whale-Zuflüsse zu Binance in den vergangenen drei Monaten auf nur noch rund 61 Millionen Dollar gefallen. Das ist der niedrigste Stand seit 2021.
Zum Vergleich: Im Januar 2025 lag dieser Wert noch bei rund 456 Millionen Dollar, im Oktober 2025 bei etwa 355 Millionen Dollar. Große Investoren schicken also aktuell sechs- bis achtmal weniger XRP in Richtung Binance als in früheren Phasen. Das verringert den potenziellen Verkaufsdruck auf dem Spotmarkt deutlich.
Ganz verschwunden ist dieser Druck aber nicht. Die Nettoflüsse sind weiterhin positiv, also gelangen noch immer mehr XRP auf Binance als abgezogen werden. Trotzdem ist die Angebotsseite deutlich entspannter als noch vor einigen Monaten.
Parallel dazu steigt die Aktivität im Derivatemarkt. Auf Bybit wuchs das Open Interest in den vergangenen 30 Tagen um 54 Millionen XRP, auf Binance kamen weitere 29,5 Millionen XRP hinzu. Zusammen ergibt das einen Anstieg von etwa 83,5 Millionen XRP.
Wichtig ist dabei: Mehr Open Interest bedeutet zwar mehr gehebelte Positionen, sagt aber noch nichts über die Richtung aus. Sowohl Long- als auch Short-Positionen fließen in diese Kennzahl ein. Der Markt wird also spekulativer, aber nicht automatisch bullischer.
Der entscheidende Schwachpunkt bleibt die fehlende Spot-Nachfrage
Der wohl wichtigste Bremsfaktor für XRP ist derzeit die schwache frische Kapitalzufuhr. Besonders sichtbar wird das bei den in den USA gelisteten XRP-ETFs.
Im Mai, als XRP noch über 1,54 Dollar stand, flossen den Produkten rund 131,94 Millionen Dollar zu. Im Juni sank dieser Wert auf 59,46 Millionen Dollar, im Juli dann weiter auf 27,29 Millionen Dollar. Im August kamen bis zur Monatsmitte lediglich rund 3,27 Millionen Dollar hinzu.
Damit ist klar: Die Zuflüsse gehen seit drei Monaten deutlich zurück. Zwar bleiben die kumulierten ETF-Mittel mit insgesamt rund 1,51 Milliarden Dollar seit Auflegung solide, doch an der entscheidenden Stelle fehlt derzeit der frische Nachschub.
Genau hier liegt die Verbindung zwischen den eigentlich starken Fundamentaldaten und dem schwachen Kurs. Mehr Netzwerkaktivität, geringerer Verkaufsdruck durch Wale und steigendes Interesse am Derivatemarkt schaffen zwar ein grundsätzlich günstigeres Umfeld. Ohne neue Spot-Käufer reicht das aber nicht aus, um XRP klar über die Marke von 1 Dollar hinauszutragen.
Unterm Strich zeigt sich: XRP hat einige stabile Grundlagen, aber dem Markt fehlt momentan der entscheidende Kaufimpuls. Erst wenn wieder mehr frisches Kapital in den Spotmarkt fließt, könnte sich das positive Bild bei Netzwerkdaten und Angebotsdruck auch im Kurs deutlicher niederschlagen.