Im Weißen Haus rückt das Thema „Strategische Bitcoin-Reserve“ der USA wieder in den Fokus. Patrick Witt, zuständig für Digital-Assets in der US-Regierung, hat in einem neuen Interview angedeutet, dass eine offizielle Ankündigung in Vorbereitung ist. Von einem großen Bitcoin-Kaufprogramm am freien Markt war dabei allerdings keine Rede. Stattdessen geht es offenbar vor allem darum, die Reserve rechtlich sauber und technisch sicher aufzustellen.
Witt spricht von „Durchbruch“ bei Rechtslage und Sicherheit
In einem am 17. Mai veröffentlichten Gespräch mit dem Analysten Scott Melker sagte Witt, die Arbeit an der US Strategic Bitcoin Reserve sei nie gestoppt worden. Sie laufe im Hintergrund weiter, auch wenn in Washington zuletzt andere Krypto-Themen wie Marktstruktur-Regeln und neue Gesetzesvorschläge den Ton angaben.
Witt bezeichnete den aktuellen Stand als „Durchbruch“: Man habe bei zentralen Fragen Fortschritte gemacht, damit die Reserve „rechtlich belastbar“ und die Verwahrung der Bestände „ordnungsgemäß abgesichert“ sei. Mehr Details wollte er noch nicht nennen, stellte aber eine bevorstehende Ankündigung in Aussicht.
Wichtig ist dabei, was Witt nicht gesagt hat: Er bestätigte nicht, dass die US-Regierung demnächst Bitcoin zusätzlich am Markt kaufen will. Seine Aussagen deuten eher darauf hin, dass nun die Grundlagen geklärt werden, also Zuständigkeiten, Verwahrung, Buchhaltung und die Abgrenzung zur breiteren staatlichen „Digital Asset Stockpile“.
Im Fokus: Umsetzung, Behörden-Koordination und Verwahrung
Laut Witt hat sein Stellvertreter Harry Jung einen großen Teil der internen Abstimmung übernommen. Genau dieser Punkt gilt als schwierig: Mehrere Behörden und Teams müssen zusammenarbeiten, damit eine frühere Executive Order praktisch umgesetzt werden kann. Dabei geht es um juristische Stellungnahmen, Kompetenzen einzelner Stellen und konkrete Schutzmechanismen für die verwahrten Assets.
Witt begründete die Dringlichkeit auch mit der wachsenden Krypto-„Bilanz“ des Staates. Er verwies auf einen Fall, bei dem Vermögenswerte aus Beständen des US Marshals Service entwendet wurden, und nannte das ein Warnsignal. Digitale Assets bräuchten eine andere Form der Sicherung als klassische Vermögenswerte, weil Diebstahl, Zugriff und Verwahrung technisch anders funktionieren und Fehler schnell teuer werden können.
Warum die Regierung eine Bitcoin-Reserve per Gesetz absichern will
Ein weiterer Punkt ist die politische Haltbarkeit: Witt betonte, dass Executive Orders leicht wieder rückgängig gemacht werden können, sobald eine neue Regierung übernimmt. Deshalb solle die Reserve am besten gesetzlich verankert werden, statt nur auf präsidialer Anordnung zu basieren.
Als Beispiele nannte Witt den BITCOIN Act von Senatorin Cynthia Lummis sowie einen Gesetzentwurf aus dem Repräsentantenhaus, den American Reserves Modernization Act (ARMA), der mit Abgeordnetem Nick Begich verbunden ist. ARMA habe laut Witt bereits Rückmeldungen aus der Branche eingearbeitet und könnte als nächstes in einem Ausschuss weiterbearbeitet werden, möglicherweise auch im Umfeld „muss-beschlossener“ Gesetzespakete.
Witt stellte das Thema außerdem in einen größeren geopolitischen Zusammenhang: Andere Länder würden genau beobachten, welche Regeln die USA für Krypto-Märkte, Stablecoins und die Rolle von Banken festlegen. Eine Bitcoin-Reserve wäre aus seiner Sicht ein starkes Signal, dass die USA digitale Assets als Teil der zukünftigen Finanzarchitektur ernst nehmen. Andernfalls, so sein Argument, könnte Washington am Ende Regeln übernehmen müssen, die anderswo gemacht werden.
Zum Zeitpunkt des Interviews lag der Bitcoin-Kurs bei rund 76.825 US-Dollar.