TaoWeave, früher unter dem Namen Oblong bekannt, wollte eigentlich langfristig möglichst viele TAO-Token von Bittensor ansammeln. Doch der jüngste Quartalsbericht zeigt ein anderes Bild: Im ersten Halbjahr 2026 musste das Unternehmen 3.959,23 TAO verkaufen, um laufende Kosten zu decken und die Liquidität zu sichern.
Verkauf von TAO zur Finanzierung des laufenden Geschäfts
Laut der am 7. August veröffentlichten Quartalsmitteilung brachte der Verkauf der Token rund 1,172 Millionen US-Dollar ein. Unter dem Strich entstand dabei ein realisierter Nettoverlust von 114.000 US-Dollar. Die Verkäufe fanden bereits in den sechs Monaten bis zum 30. Juni statt und nicht erst am Tag der Einreichung.
Damit entfernt sich TaoWeave ein Stück weit von der Strategie, die das Unternehmen beziehungsweise der Vorgänger Oblong noch 2025 betont hatte. Damals sollte ein Großteil einer Privatplatzierung über 7,5 Millionen US-Dollar in den Kauf von TAO und in die Unterstützung des Bittensor-Ökosystems fließen.
Zum 30. Juni hielt TaoWeave noch 23.335,18 TAO im Wert von 4,709 Millionen US-Dollar. Das entsprach rund 69,5 % der gesamten Vermögenswerte von 6,776 Millionen US-Dollar. Sämtliche Token waren über BitGo und Kraken gestakt. Andere Krypto-Assets hielt das Unternehmen nicht, wodurch die Bilanz stark von der Entwicklung eines einzigen, volatilen Tokens abhängt.
Immerhin brachte das Staking im ersten Halbjahr 728,97 TAO ein und sorgte für 191.000 US-Dollar Umsatz. Zusätzlich kaufte TaoWeave noch 1.900 TAO zu. Trotzdem lag der Bestand am Ende um 1.330,26 TAO beziehungsweise 5,4 % unter dem Stand zum Jahresende.
Liquiditätsdruck könnte weitere Verkäufe erzwingen
Ein zentrales Problem bleibt der laufende Finanzbedarf. Zum 30. Juni verfügte TaoWeave nur über 735.000 US-Dollar an Barmitteln, gleichzeitig lag der operative Mittelabfluss im ersten Halbjahr bei 1,189 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen erklärte selbst, dass es je nach Bedarf auch künftig immer wieder TAO verkaufen könnte. Wie viele Token betroffen wären, hänge von Cash-Bedarf, Marktpreis und verfügbarer Liquidität ab.
Hinzu kommt: TaoWeave hat keine fest zugesagte Kreditlinie und auch keine andere externe Liquiditätsquelle, die unabhängig von den Digitalwerten verfügbar wäre. Damit bleibt der Tokenbestand direkt davon abhängig, wie viel Geld das operative Geschäft verschlingt und zu welchem Kurs TAO jeweils gehandelt wird.
Bei einem TAO-Kurs von rund 198 US-Dollar würde der unveränderte Bestand vom 30. Juni heute etwa 4,62 Millionen US-Dollar wert sein. Bestätigt hat TaoWeave den aktuellen Bestand allerdings nicht.
Zwiespalt zwischen Wachstum der Reserve und realen Betriebskosten
Rechnet man den bisherigen Mittelabfluss des ersten Halbjahres auf die nächsten zwölf Monate hoch, ergäbe sich nach Einsatz der vorhandenen Barmittel eine Finanzierungslücke von rund 1,643 Millionen US-Dollar. Bei einem TAO-Preis von 198 US-Dollar müssten dafür etwa 8.298 TAO verkauft werden. Übrig blieben dann noch rund 15.037 TAO, also etwa 64,4 % des Bestands vom 30. Juni – noch ohne mögliche zusätzliche Staking-Erträge.
Diese Rechnung ist keine Prognose, sondern nur eine vereinfachte Modellbetrachtung. Einnahmen, Finanzierung, Preisbewegungen bei TAO, Staking-Erträge oder Veränderungen im Working Capital könnten das Bild verändern.
Das Management geht davon aus, dass vorhandenes Cash zusammen mit bei Bedarf veräußerten TAO ausreichen sollte, um den Betrieb und das Working Capital für mindestens die kommenden zwölf Monate zu finanzieren. Gleichzeitig räumt das Unternehmen ein, dass es langfristig weiteres Kapital brauchen wird.
Genau hier liegt der Kern des Problems: TaoWeave will seine TAO-Reserve eigentlich ausbauen, muss aber womöglich immer wieder Teile davon verkaufen, um das Tagesgeschäft am Laufen zu halten. Die Krypto-Schatzkammer soll wachsen – dient in der Praxis derzeit aber auch als finanzielle Reserve für laufende Rechnungen.