Die Sui-Blockchain hatte Ende Mai gleich dreimal mit einem Stillstand des Mainnets zu kämpfen. Nach einem großen Upgrade (Release 1.72) traten mehrere seltene Fehlerfälle auf, die das Netzwerk wiederholt ausbremsten. Laut einem aktuellen Postmortem der Sui Foundation sind die Ursachen inzwischen gefunden und behoben. Nutzer-Gelder seien zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen.
Drei Ausfälle in zwei Tagen: Das ist passiert
Die Störungen verteilten sich auf den 28. und 29. Mai. Der erste Halt begann am Donnerstag gegen 7:00 Uhr PT und dauerte bis etwa 13:30 Uhr PT. Am Freitag folgte der zweite Ausfall von rund 5:00 Uhr PT bis 8:30 Uhr PT. Ein dritter Stillstand setzte am Freitagnachmittag gegen 13:30 Uhr PT ein und wurde erst am Abend gegen 19:20 Uhr PT gelöst.
Wichtig aus Nutzersicht: Die Foundation betont, dass keine bestätigten Transaktionen zurückgesetzt wurden, als das Netzwerk wieder anlief. Außerdem seien keine User-Funds gefährdet gewesen.
Warum die ersten beiden Halts passierten: Gas-Logik und neue Kontostände
Die ersten zwei Ausfälle hatten laut Bericht dieselbe Wurzel: einen Crash-Bug im Zusammenspiel zwischen der Gas-Abrechnung und dem 1.72-Upgrade. Mit diesem Update führte Sui unter anderem „Address Balances“ ein, also Kontostände direkt an einer Adresse. Damit können Nutzer Gebühren (Gas) nicht nur über einzelne Coin-Objekte zahlen, sondern auch über den Adress-Kontostand oder über eine Mischform aus beidem.
Genau diese Mischform löste einen ungünstigen Sonderfall aus: Wenn eine Transaktion aus dem Adress-Kontostand zahlen wollte, der Betrag aber wegen konkurrierender Transaktionen nicht reichte, wurde sie korrekt abgebrochen (Fehler: InsufficientFundsForWithdraw). Später konnte in einem internen Schritt, der mehrere Input-Coins für die Gas-Zahlung zusammenführt („Gas Smashing“), trotzdem noch einmal versucht werden, denselben Betrag zu belasten.
Der eigentliche Absturz passierte laut Foundation nicht direkt beim Zusammenführen, sondern beim anschließenden Settlement: Dabei werden Kontostands-Änderungen über eine Systemtransaktion verrechnet. In diesem Fall führte ein negativer Saldo-Delta auf einem Null-Kontostand zu einem Underflow und damit zum Crash.
Als schnelle Sofortmaßnahme ließen die Validatoren Gas Smashing nicht mehr laufen, wenn eine Transaktion bereits wegen InsufficientFundsForWithdraw abgebrochen wurde. Das brachte das Netzwerk am Donnerstag wieder online. Allerdings war dieser Patch nur als Zwischenlösung gedacht. Am Freitagmorgen zeigte sich eine Schwäche: Wenn es mehrere Abbruchgründe gab, konnte ein anderer Fehler den entscheidenden „InsufficientFunds“-Hinweis überdecken. Dann war der gefährliche Pfad wieder erreichbar und es kam zum zweiten Halt.
Dritter Halt beim Epoch-Wechsel: Fehler beim Randomness-Status nach Neustarts
Der dritte Ausfall hatte eine andere Ursache und trat bei einem geplanten Epoch-Wechsel auf. Sui nutzt für bestimmte Vorgänge On-Chain-Randomness, die über ein Verfahren namens Distributed Key Generation (DKG) vorbereitet wird. Nach den vorigen Neustarts war die Beteiligung am DKG-Prozess zu niedrig, deshalb wurde Randomness wie vorgesehen deaktiviert.
Das Problem: Der Status, dass DKG gescheitert war, wurde nicht dauerhaft gespeichert. Nach dem nächsten Neustart „wussten“ die Validatoren nicht mehr, dass DKG bereits fehlgeschlagen war. Dadurch wartete das System beim Epoch-Ende auf einen DKG-Abschluss, der gar nicht mehr kommen konnte. Die Warteschlange blieb stecken und der Epoch-Wechsel konnte nicht sauber abgeschlossen werden.
Die Lösung bestand aus zwei Teilen: Erstens wird der DKG-Status nun über Neustarts hinweg persistiert. Zweitens wurde ein Mechanismus ergänzt, mit dem Validatoren eine festgefahrene Epoch koordiniert schließen können. Dieser Mechanismus wurde einmal genutzt, um die betroffene Epoch zu beenden. Danach lief das Netzwerk in die nächste Epoch weiter und Randomness wurde wiederhergestellt.
Im Fazit zieht die Sui Foundation eine klare Lehre: Besonders die Stabilität rund um Epoch-Wechsel soll weiter verbessert werden, inklusive „Graceful Degradation“ und Notfall-Optionen zum kontrollierten Schließen. Auch die Gas-Abrechnung müsse ähnlich streng behandelt werden wie Kernkomponenten wie die Move-VM oder der Konsens, weil sie tief in Scheduling, Settlement und Sicherheitsprüfungen hineinwirkt. Zum Zeitpunkt des Berichts lag der SUI-Kurs bei rund 0,8798 US-Dollar.