Die Sorge ist klar: Wenn Bitcoin weiter fällt, könnte Strategy unter Druck geraten und selbst zum großen Verkäufer werden. Genau diese Angst weist Jiang Zhuoer, CEO von BTCTOP und eine der bekanntesten Mining-Stimmen Chinas, nun zurück. Sein Kernargument: Strategy könnte zwar einzelne Bitcoin verkaufen, aber daraus noch lange kein echter Netto-Verkäufer werden.
Für Anleger ist diese Unterscheidung entscheidend. Denn der Markt fürchtet nicht nur fallende BTC-Kurse, sondern eine mögliche Kettenreaktion. Sollte Strategy gezwungen sein, größere Mengen Bitcoin abzugeben, könnte das den ohnehin nervösen Markt zusätzlich belasten. Jiang sieht genau dieses Szenario aber als überzogen.
Warum einzelne Verkäufe kein Abverkaufssignal sein müssen
Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Strategy Bitcoin verkauft, um die Strategie aufzugeben, oder ob gezielte Verkäufe genutzt werden, um das Finanzierungsmodell stabiler wirken zu lassen. Jiang argumentiert, dass Strategy einige der früh gekauften, besonders günstigen Bitcoin verkaufen könnte, um realisierte Gewinne auszuweisen.
Das wäre aus seiner Sicht kein Warnsignal, sondern ein Mittel, um klassische Investoren zu beruhigen. Mit diesen Gewinnen könnten Zahlungen im Zusammenhang mit STRC bedient werden. Gleichzeitig könnten neue STRC-Mittel weiter in zusätzliche Bitcoin-Käufe fließen.
Der entscheidende Punkt: Wenn Strategy alte Bitcoin in begrenztem Umfang verkauft, aber mit frischem Kapital deutlich mehr neue Bitcoin kauft, bleibt das Unternehmen unterm Strich Käufer. Für den Markt wäre das ein völlig anderes Signal als ein echter Rückzug aus der Bitcoin-Strategie.
Diese Sorge macht Anleger jetzt nervös
Die eigentliche Angst sitzt tiefer. Anleger fragen sich, ob Strategys Finanzierungsmodell auch dann glaubwürdig bleibt, wenn Bitcoin schwächer läuft und die Nachfrage nach STRC brüchig wird. Besonders kritisch wäre der Eindruck, dass neue STRC-Einnahmen nur genutzt werden, um ältere STRC-Verpflichtungen zu bedienen.
Genau hier liegt laut Jiang der Grund, warum gezielte Bitcoin-Verkäufe sogar notwendig sein könnten. Wenn Strategy Gewinne aus alten BTC-Beständen realisiert und diese Gewinne für STRC-Zahlungen nutzt, wirkt das Modell für traditionelle Investoren nachvollziehbarer. Es zeigt: Die Zahlungen hängen nicht nur von neuer Nachfrage ab, sondern können auch aus monetarisierten Bitcoin-Gewinnen stammen.
Jiang betont zudem, dass die Bilanzrisiken überschaubar bleiben. Die Schuldenquote im Verhältnis zu den Vermögenswerten liege nach seiner Einschätzung nur bei rund fünf Prozent. Der Abschlag von STRC sei daher eher ein Problem des Marktvertrauens als ein unmittelbares Insolvenzsignal.
Warum die 5-Prozent-Marke die Panik relativiert
Jiang nutzt dafür einen einfachen Vergleich: Wer Vermögenswerte im Wert von 10 Milliarden Dollar besitzt und nur 500 Millionen Dollar Schulden hat, ist nicht automatisch in Gefahr. Kritisch wird es erst, wenn dieser Schuldner kategorisch ausschließt, Teile seines Vermögens zu verkaufen.
Genau das müsste Strategy aus Sicht von Jiang vermeiden. Wenn das Unternehmen zeigt, dass es bei Bedarf Bitcoin verkaufen kann, verändert sich die Wahrnehmung. STRC-Investoren wollen nicht zwingend am maximalen Bitcoin-Aufwärtspotenzial teilnehmen. Sie wollen vor allem sehen, dass Strategy bereit und fähig ist, die versprochenen Zahlungen zu leisten.
Damit wird der mögliche Bitcoin-Verkauf nicht zum Zeichen von Schwäche, sondern zum Vertrauenssignal. Strategy würde dem Markt zeigen: Die Bitcoin-Bestände sind nicht nur ein theoretischer Bilanzwert, sondern können im Ernstfall genutzt werden, um Verpflichtungen zu erfüllen.
Die entscheidende Frage bleibt jetzt, ob der Markt diese Logik akzeptiert. Hält das Vertrauen in STRC, kann Strategy seine Bitcoin-Strategie fortsetzen, ohne als Zwangsverkäufer wahrgenommen zu werden.
Kippt dieses Vertrauen jedoch weiter, wird jede einzelne BTC-Bewegung von Strategy zum Stresstest. Genau deshalb zählt jetzt nicht nur der Bitcoin-Kurs, sondern vor allem die Frage, ob Strategy seine Finanzierung glaubwürdig stabilisieren kann.
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