Strategy hat in den vergangenen Wochen massiv eingegriffen, um den Kurs seiner bevorzugten Aktie STRC nahe der Marke von 100 US-Dollar zu stabilisieren. Nach dem Verkauf von rund 108,6 Millionen US-Dollar in Bitcoin kaufte das Unternehmen eigene STRC-Anteile zurück. Gleichzeitig bringt das DeFi-Projekt Solstice nun ein neues Produkt auf den Markt, das genau dieses Risiko in zwei Teile aufspaltet: einen vermeintlich sichereren Teil mit rund 7 Prozent Rendite und einen riskanteren Teil, der Verluste zuerst auffängt.
Strategy verteidigt den STRC-Kurs mit Rückkäufen und Bitcoin-Verkäufen
Seit Ende Juni verfolgt Strategy eine klare Linie: STRC soll möglichst in einer Spanne von 99 bis 100 US-Dollar handeln. Dafür setzt das Unternehmen auf eine Kombination aus Dollar-Reserven, angepasster Dividendenpolitik und Aktienrückkäufen.
Zwischen dem 20. und 26. Juli kaufte Strategy bereits knapp 289.000 STRC-Aktien für rund 25 Millionen US-Dollar zurück. Anfang August ging das Unternehmen noch weiter und verkaufte Bitcoin im Wert von 108,6 Millionen US-Dollar, um damit mehr als 1,15 Millionen STRC-Aktien zurückzukaufen.
Aktuell notiert STRC bei etwa 95,32 US-Dollar und damit weiter unter dem Nennwert von 100 Dollar. Dennoch liegt der Kurs noch deutlich über jener Marke, die für das neue Solstice-Produkt kritisch wäre.
Solstice bündelt das Risiko in zwei Tranchen
Solstice hat auf Basis von STRC ein strukturiertes DeFi-Produkt entwickelt. Die Idee: Das Engagement wird in zwei Token aufgeteilt, einen Senior-Teil und einen Junior-Teil. Beide machen zusammen jeweils 100 Dollar Exposure aus, wobei 50 Dollar auf jede Seite entfallen.
Der Senior-Token soll zuerst bedient werden und peilt eine Rendite von etwa 7 Prozent pro Jahr an. Der Junior-Token bekommt die restliche, potenziell höhere Rendite, trägt dafür aber auch als Erstes Verluste. Dieses Modell soll den Senior-Teil widerstandsfähiger machen.
Nach Angaben von Solstice würde der Senior-Bereich erst dann Verluste erleiden, wenn STRC auf etwa 47,66 US-Dollar fällt. Das ist rund 50 Prozent unter dem aktuellen Kurs und mehr als 52 Prozent unter dem Nennwert. Solstice bezeichnet diese Marke allerdings ausdrücklich als modellierte Schwelle – also nicht als Garantie, sondern als Ergebnis der aktuellen Annahmen und Schutzmechanismen.
Ein Rückblick auf frühere Kursverluste von STRC zeigt, warum Solstice diesen Puffer hervorhebt: Als STRC zuvor auf rund 73,62 US-Dollar gefallen war, wäre der Senior-Teil dem Modell zufolge weiterhin unbeschädigt geblieben. Selbst der Junior-Teil hätte keinen dauerhaften Schaden genommen, solange Senior-Investoren nicht gleichzeitig in großem Umfang ausgestiegen wären.
Der eigentliche Test kommt erst im Stressfall
Entscheidend ist, dass ein Kursrückgang allein noch keinen realisierten Verlust auslöst. Verluste entstehen erst dann, wenn Rückgaben von Anlegern Solstice zwingen, die zugrunde liegenden STRC-Bestände zu verkaufen. Genau hier liegt der kritische Punkt: Wenn der Kurs fällt und viele Anleger gleichzeitig aussteigen wollen, trifft das zuerst den Junior-Teil.
Für solche Situationen hat Solstice mehrere Schutzstufen eingebaut. Sinkt STRC unter bestimmte Grenzen, werden Junior-Rückgaben gestoppt und gleichzeitig keine neuen Senior-Positionen mehr ausgegeben. Fällt der Kurs noch tiefer, beginnt eine Liquidationsphase, in der Sicherheiten verkauft werden sollen, bevor der Senior-Teil Schaden nimmt.
Im positiven Szenario erholt sich STRC wieder in Richtung 99 bis 100 US-Dollar. Dann würde der Senior-Teil relativ stabil seine Zielrendite einspielen, während das Risiko im Junior-Bereich sinkt. Im negativen Szenario fällt STRC erneut in die Region der mittleren 70-Dollar-Kurse. Auch dann soll der Senior-Teil laut Modell noch geschützt bleiben – vorausgesetzt, es kommt nicht zu einer Flucht der Anleger.
Wichtig ist: Solstice beseitigt das zugrunde liegende Risiko von STRC nicht. Das Produkt ordnet nur neu, wer die Verluste zuerst trägt. Zudem hängen STRC-Dividenden weiterhin von Entscheidungen des Strategy-Boards ab, und die Vorzugsaktien haben keinen direkten Anspruch auf die Bitcoin-Bestände des Unternehmens. Ob die 47,66-Dollar-Schwelle im Ernstfall wirklich hält, wird daher erst ein echter Markttest zeigen.