Strategy hat seine Bitcoin-Käufe spürbar gedrosselt. Zwischen dem 15. und 21. Juni verkaufte das Unternehmen rund 2,71 Millionen MSTR-Stammaktien und nahm damit 335,5 Millionen US-Dollar ein. Aus den Erlösen flossen 300 Millionen US-Dollar in die US-Dollar-Reserve, die damit auf 1,4 Milliarden US-Dollar stieg. Nur 34,9 Millionen US-Dollar setzte Strategy für Bitcoin ein und kaufte 520 BTC.
Bemerkenswert: In derselben Woche gab Strategy keine Vorzugsaktien aus und nutzte ausschließlich das At-the-Market-Programm für Stammaktien. Der Schritt fällt in eine Phase, in der die Vorzugsaktie STRC zeitweise stark unter Druck geriet und intraday ein Rekordtief bei 82,50 US-Dollar markierte.
STRC rutscht ab – und Strategy hält Pulver trocken
STRC ist ein zentraler Baustein in Strategy’s Finanzierung: Die Serie hat einen ausstehenden Nennwert von etwa 10,5 Milliarden US-Dollar und eine annualisierte Dividende von 11,5%. Gleichzeitig hat STRC kein Fälligkeitsdatum. Strategy verkauft neue STRC-Anteile typischerweise, wenn sie bei oder über 100 US-Dollar gehandelt werden. Genau das war zuletzt nicht der Fall.
Nach dem Tief erholte sich STRC zwar zunächst über 91 US-Dollar, schloss am Montag aber bei 88,64 US-Dollar. Bitwise Europe führte den Ausverkauf teilweise auf Zwangsliquidationen gehebelter Anleger zurück. Nach Einschätzung von Bitwise deutete der Rückgang nicht auf eine plötzliche Verschlechterung der Fähigkeit von Strategy hin, Verpflichtungen zu erfüllen. Trotzdem hat der Kursrutsch Folgen: Bleibt STRC längere Zeit deutlich unter 100 US-Dollar, kann das die Bitcoin-Käufe bremsen, weil die Emissionen weniger attraktiv werden.
Mehr Verwässerung, weniger BTC-Einsatz
Die Zahlen zeigen, wie vorsichtig Strategy zuletzt agierte: Nur rund zehn Prozent des in der Woche aufgenommenen Kapitals flossen in Bitcoin. Parallel stieg die verwässerte Aktienzahl auf etwa 388,6 Millionen Stück von 386,1 Millionen in der Vorwoche. Die MSTR-Aktie schloss am Montag 2,7% tiefer bei 109,52 US-Dollar.
Quinn Thompson, Chief Investment Officer bei Lekker Capital, wertet die Entscheidung als erstes jüngeres Signal, dass Strategy Anlegerbedenken wahrnehme und darauf reagiere. MSTR-Emissionen sollten demnach genutzt werden, um Cash aufzubauen und die Bilanz zu stärken. Das stütze aus seiner Sicht auch die Vorzugsaktien und andere Ansprüche oberhalb der Stammaktien in der Kapitalstruktur. Gleichzeitig warnt Thompson: Zusätzliche Emissionen von Stammaktien könnten den Druck auf MSTR aufrechterhalten.
CEO-Kauf als Signal – und die Grenze bei 100 Dollar
Während des Kursrückgangs kaufte Strategy-CEO Phong Le STRC im Wert von 1 Million US-Dollar. Er erklärte, er wolle die Position bis 100 US-Dollar und möglicherweise länger halten. Unterstützer von STRC verweisen darauf, dass der Abschlag auch Käufer anziehen kann: Eine jährliche Dividende von 11,50 US-Dollar liefert bei niedrigeren Kursen eine höhere effektive Rendite.
Samson Mow, CEO von JAN3, spricht in diesem Zusammenhang von einem „selbstkorrigierenden Mechanismus“ – Strategy gebe keine neuen Vorzugsaktien unter 100 US-Dollar aus; die höhere Rendite und die Chance auf Kursgewinne bei einer Erholung schafften einen Kaufanreiz.
Für den Bitcoin-Markt ist relevant, wie verlässlich Strategy als Großkäufer bleibt. Bitwise schätzt, dass das Unternehmen in diesem Jahr etwa 174.300 Bitcoin gekauft hat. André Dragosch, Head of Research bei Bitwise Europe, schätzt zudem, dass rund 96.000 BTC beziehungsweise 55% der Jahreskäufe über STRC-Emissionen finanziert wurden. Dragosch sieht Strategy damit als einen der größten institutionellen Nachfrager, während globale börsengehandelte Produkte Nettoabflüsse verzeichneten.
Wie groß der Spielraum grundsätzlich ist, zeigen die Emissionsprogramme: Strategy verfügte laut Einreichung über etwa 25,4 Milliarden US-Dollar Kapazität unter den MSTR-Programmen und 17,5 Milliarden US-Dollar unter dem STRC-Programm.
Entscheidend bleibt kurzfristig, ob STRC wieder in Richtung 100 US-Dollar kommt – denn solange die Vorzugsaktie darunter handelt, dürfte Strategy die STRC-Kapazität weniger aggressiv nutzen und Bitcoin-Käufe eher über Cash-Management und MSTR steuern. In einem breiteren Kontext passt das in die aktuelle Marktdynamik, in der Bitcoin 2 Billionen Markwert erreicht hat.