Ethereum könnte in den kommenden Jahren deutlich stärker zulegen als Bitcoin. Das sagt Geoffrey Kendrick, Global Head of Digital Assets Research bei Standard Chartered. Seine Prognose: Bis 2030 hält er einen ETH Kurs von 40.000 US Dollar für möglich, mit einer Phase, in der Ethereum Bitcoin sogar bei der Performance übertrifft.
Warum Standard Chartered bei Ethereum mehr Potenzial sieht
Kendrick macht seine Einschätzung vor allem an einem Punkt fest: Wenn große Banken, Vermögensverwalter und andere Institutionen ernsthaft auf Blockchain Technik setzen, starten sie seiner Meinung nach dort, wo es für Compliance und Risikoabteilungen am einfachsten ist. Und das sei aktuell vor allem Ethereum auf Layer 1.
In einem Interview betonte Kendrick, dass es ihm nicht um Hype oder Narrative gehe, sondern um Infrastruktur. Ethereum gelte als erprobte Basis, die als besonders zuverlässig wahrgenommen werde. Deshalb könne die erste Welle institutioneller Anwendungen eher auf dem Ethereum Mainnet starten, bevor sich Aktivitäten später stärker auf andere Chains oder Layer 2 Lösungen verteilen.
Als Beispiel nannte er sinngemäß auch die Vorgehensweise großer Anbieter wie BlackRock: erst auf Ethereum beginnen, dann Schritt für Schritt ausweiten. Diese Reihenfolge sei wichtig, weil dadurch zunächst mehr Aktivität und Gebühren im Ethereum Ökosystem entstehen könnten.
Tokenisierung und Stablecoins als Treiber für neue Nachfrage
Der große Wachstumstreiber in Kendricks Szenario ist die Tokenisierung. Er erwartet, dass Stablecoins in den nächsten Jahren stark wachsen könnten, von heute grob 300 Milliarden US Dollar auf bis zu 2 Billionen US Dollar. Wenn immer mehr Geld in tokenisierter Form rund um die Uhr und fast in Echtzeit genutzt wird, könnte das eine Kettenreaktion auslösen.
Sein Argument: Unternehmen und Investoren wollen nicht nur tokenisiertes Bargeld halten, wenn der Rest ihres Liquiditätsmanagements in langsamen, klassischen Systemen feststeckt. Darum könnten auch Produkte wie tokenisierte Geldmarktfonds stark zulegen. Kendrick schätzt, dass dieser Markt von derzeit etwa 10 Milliarden US Dollar auf bis zu 750 Milliarden US Dollar bis Ende 2028 wachsen könnte. Zusätzlich sieht er bei weiteren tokenisierten Vermögenswerten einen Sprung von rund 40 Milliarden auf 2 Billionen US Dollar bis 2028.
So leitet die Bank daraus Kursziele für ETH und BTC ab
Kendrick betrachtet für Ethereum unter anderem das Verhältnis von Protokoll, und App Gebühren zur Marktkapitalisierung als hilfreichen Bewertungsmaßstab. Mehr Aktivität im Netzwerk könne sich dann auch im Token Preis widerspiegeln. Kurzfristig hält er auch eine Verbesserung des ETH zu BTC Verhältnisses für möglich, in seiner Einordnung könnte der Wert von etwa 0,03 auf 0,04 steigen.
Für 2030 bleibt Standard Chartered bei großen Zahlen: Bitcoin bei 500.000 US Dollar und Ethereum bei 40.000 US Dollar. Daraus leitet Kendrick ab, dass Ethereum im Vergleich stärker zulegen könnte, selbst wenn Bitcoin absolut ebenfalls deutlich steigt.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag der ETH Kurs bei rund 2.059 US Dollar.