Strategy, das früher unter dem Namen MicroStrategy bekannt war, will seine angeschlagene Vorzugsaktie STRC bis September wieder stabilisieren. Hintergrund ist ein schwieriges zweites Quartal 2026, in dem der starke Bitcoin-Rückgang dem Unternehmen einen Verlust von 8,22 Milliarden US-Dollar eingebrockt hat. Der Druck war so groß, dass Strategy sogar einen kleinen Teil seiner Bitcoin-Bestände verkaufen musste, um Verpflichtungen rund um die Vorzugsaktien zu bedienen. Für Michael Saylor und das Management steht viel auf dem Spiel: STRC ist inzwischen ein zentraler Baustein, um neue Bitcoin-Käufe zu finanzieren und das langfristige Ziel zu erreichen, den Bitcoin-Bestand je MSTR-Aktie in sieben Jahren zu verdoppeln.
Hoher Quartalsverlust trotz weiterer Bitcoin-Käufe
Im zweiten Quartal zeigte sich deutlich, wie stark Strategy mittlerweile von den Schwankungen des Bitcoin-Kurses abhängt. Nachdem das Unternehmen im Vorjahr noch einen Gewinn von 10,02 Milliarden US-Dollar erzielt hatte, stand nun ein Verlust von 8,22 Milliarden US-Dollar in den Büchern. Fast die gesamte Verschlechterung geht auf einen Verlust von 8,32 Milliarden US-Dollar bei den digitalen Vermögenswerten zurück.
Der Grund: Bitcoin lag Ende Juni rund 40 Prozent unter dem Niveau vom Ende des entsprechenden Vorjahresquartals. Trotzdem kaufte Strategy weiter nach. Die Bestände stiegen im Quartal um 11 Prozent auf 846.000 BTC. Auch der Bitcoin-Wert pro verwässerter Aktie legte zunächst zu.
Später verkaufte das Unternehmen jedoch wieder einen kleinen Teil seiner Bestände und reduzierte den Gesamtbestand auf 843.775 BTC. Diese Verkäufe dienten dazu, Verpflichtungen aus den Vorzugsaktien zu erfüllen. Im Verhältnis zu den Käufen bleibt das aber überschaubar: In den ersten sieben Monaten 2026 kaufte Strategy 174.895 BTC und verkaufte nur 3.620 BTC.
Warum STRC für Strategy so wichtig geworden ist
Die Vorzugsaktie STRC hat sich zu einem wichtigen Finanzierungsinstrument für Strategy entwickelt. Über dieses Papier kann das Unternehmen Kapital einsammeln, das später unter anderem in Bitcoin fließt. Gleichzeitig schafft STRC aber auch laufende Verpflichtungen, weil Dividenden gezahlt werden müssen.
Im zweiten Quartal stieg der ausgewiesene Wert von STRC deutlich von rund 5,3 Milliarden US-Dollar auf 10,5 Milliarden US-Dollar. Allein in den ersten sieben Monaten des Jahres nahm Strategy über diese variabel verzinste ewige Vorzugsaktie 7,53 Milliarden US-Dollar auf.
Bemerkenswert ist außerdem, dass sich die Anlegerbasis verbreitert hat. Institutionelle Investoren hielten zum 1. Juli bereits 3,1 Milliarden US-Dollar an STRC, nach 1,1 Milliarden US-Dollar zuvor. Ihr Anteil stieg damit von 22 auf 29 Prozent. Privatanleger bleiben zwar dominant, doch die wachsende Beteiligung institutioneller Investoren gilt für Saylor als positives Signal für die Stabilität des Produkts.
Problematisch wurde jedoch der Kursabschlag. Ende Juli lag die effektive Rendite von STRC bei 13,6 Prozent, weil die Aktie mit deutlichem Abschlag auf ihren Nennwert von 100 US-Dollar gehandelt wurde. Für Einkommensinvestoren ist das attraktiv, für Strategy aber ein Problem: Wenn das Unternehmen neue STRC-Aktien weit unter Nennwert ausgibt, wird dieses Finanzierungsmodell deutlich unattraktiver.
Besonders kritisch war der Rückgang auf 74,57 US-Dollar Ende Mai. Inzwischen hat sich der Kurs zwar auf etwa 89 US-Dollar erholt, doch vom Nennwert ist er noch immer entfernt. Das Management räumte ein, dass man zu viel Kapital direkt in Bitcoin gelenkt und die Dollarreserve, die als Sicherheit für Dividenden und Zinszahlungen dient, zu stark geschrumpft hatte.
Diese Reserve war zeitweise auf nur 871 Millionen US-Dollar gefallen und deckte damit nur etwa ein halbes Jahr an Dividenden und Zinslasten ab. Inzwischen wurde sie wieder auf 3,75 Milliarden US-Dollar aufgebaut, was laut Unternehmen für rund 2,1 Jahre reichen würde.
September als Meilenstein für Saylors Plan
Strategy will STRC nun mit einem klaren Plan zurück in Richtung Nennwert führen. Die Dividendenrate soll bei 12 Prozent bleiben, nachdem das Management zu dem Schluss gekommen ist, dass eine weitere Anhebung den Kurs wohl nicht entscheidend stützen würde. Stattdessen setzt das Unternehmen auf die gestärkte Dollarreserve und auf Aktienrückkäufe am Markt.
Dafür wurden 1 Milliarde US-Dollar für Rückkäufe von Vorzugsaktien freigegeben. Bisher wurden davon 25 Millionen US-Dollar eingesetzt, sodass noch 975 Millionen US-Dollar zur Verfügung stehen. Michael Saylor nennt außerdem einen informellen Zielpunkt: den 8. September. Dieses Datum ergibt sich aus einem Vergleich mit der Anfangsphase von STRC, als die Aktie nach ihrem Börsenstart im Juli 2025 rund 70 Handelstage brauchte, um von 90 auf 100 US-Dollar zu steigen.
Eine Garantie ist das jedoch nicht. Die Marktbedingungen sind heute andere, und der Abstand zwischen Börsenwert und ausgewiesenem Nennwert ist erheblich. Saylor bezifferte die Marktkapitalisierung von STRC auf etwa 9,2 Milliarden US-Dollar, während der ausgewiesene Wert bei 10,5 Milliarden US-Dollar liegt. Daraus ergibt sich eine Lücke von rund 1,2 Milliarden US-Dollar. Das ist mehr, als das bisher offene Rückkaufprogramm abdeckt.
Trotzdem zeigt sich Saylor überzeugt, dass Strategy die Mittel habe, STRC wieder auf pari zu bringen. Er verweist dabei auf die gewaltigen Bitcoin-Reserven des Unternehmens im Wert von rund 58,5 Milliarden US-Dollar. Klar ist aber auch: Falls die Erholung nicht aus eigener Kraft gelingt, könnten weitere Bitcoin-Verkäufe, neue Wertpapieremissionen oder der Einsatz von Kapital nötig werden, das sonst in zusätzliche Bitcoin-Käufe geflossen wäre.
Der Erfolg dieser Reparatur ist für Strategy entscheidend, weil daran das langfristige Wachstumsmodell hängt. Das Unternehmen will den Bitcoin-Bestand je MSTR-Aktie in sieben Jahren, also bis 2033, verdoppeln. Dafür sollen STRC und andere Vorzugsinstrumente genutzt werden, um regelmäßig frisches Kapital einzuwerben. Laut Unternehmensführung sollen die jährlichen Verkäufe solcher digitalen Kreditinstrumente künftig 10 bis 20 Prozent des Bitcoin-Reservenwerts ausmachen. Auf Basis des aktuellen Portfolios entspräche das etwa 5,5 bis 11 Milliarden US-Dollar pro Jahr.