Ripple unterstützt ein vorgeschlagenes Lending-Upgrade für den XRP Ledger (XRPL), das institutionellen Nutzern Kredite gegen auf dem Ledger gehaltene Vermögenswerte ermöglichen soll. Im Zentrum stehen zwei technische Standards: XLS-65 für sogenannte Single Asset Vaults und XLS-66 als Lending-Schicht für befristete Kredite.
Bevor die Funktionen im Mainnet live gehen, müssen die XRPL-Validatoren zustimmen. Entwickler und Infrastruktur-Anbieter können die Mechanik nach Angaben von Ripple bereits in einem Development-Netzwerk testen. XRP notiert derweil bei rund 1,04 US-Dollar und liegt damit etwa 6 Prozent unter dem Stand der Vorwoche.
So soll das XRPL-Lending funktionieren
Der Ansatz ist bewusst zweigeteilt: Kreditprüfung und rechtliche Ausgestaltung sollen außerhalb der Blockchain stattfinden, während der Ledger die vereinbarten Bedingungen technisch durchsetzt. Underwriting, Verträge und Compliance-Prüfungen laufen dem Design zufolge off-chain. Die Ausführung, also Zinslauf, Rückzahlungspläne und definierte Ausfallprozesse, soll anschließend über den XRPL automatisiert werden.
Ein zentrales Element sind Vaults, die jeweils nur einen einzelnen Vermögenswert bündeln. Das soll Strukturen schaffen, die für professionelle Marktteilnehmer leichter zu bewerten sind. Gleichzeitig ist vorgesehen, den öffentlichen Charakter des Ledgers zu bewahren und dennoch den Zugang zu bestimmten Liquiditätspools über Berechtigungen einschränken zu können, wenn Compliance-Vorgaben dies verlangen.
Warum Ripple den XRPL stärker institutionell positioniert
Mit dem Lending-Vorstoß rückt Ripple den XRPL strategisch weiter weg von der reinen Zahlungsabwicklung hin zu einer Infrastruktur für breitere Finanzaktivitäten. Ripple betont dabei, Kreditfunktionen seien als Ergänzung zu Zahlungen gedacht und könnten Finanzierung, Besicherung und Liquiditätsmanagement auf dem Ledger ermöglichen.
Ripple-CEO Brad Garlinghouse stellt die Initiative in einen größeren Kontext: Die übernommenen Unternehmen des Konzerns verarbeiten laut ihm rund 16 Billionen US-Dollar an jährlichen Zahlungs- und Clearing-Aktivitäten, digitale Assets hätten daran bislang „nahezu keinen Anteil“.
Diese Lücke verknüpft Garlinghouse mit der Strategie, traditionelle Finanzprozesse über Blockchain-Infrastruktur abzubilden – inklusive Stablecoin-, Zahlungs-, Verwahr-, Treasury- und Prime-Brokerage-Komponenten.
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Weitere InformationenDass Ripple den Stablecoin-Bereich ausbaut, zeigt auch RLUSD: Seit dem Start Ende 2024 hat RLUSD eine Marktkapitalisierung von etwa 1,56 Milliarden US-Dollar erreicht. Ein nativer Kreditmarkt auf dem XRPL könnte RLUSD perspektivisch als Baustein für kurzfristige Liquiditätsfazilitäten attraktiver machen, etwa für institutionelle Besicherungs- und Finanzierungsvorgänge.
Sicherheit geprüft, Marktumfeld wächst – aber Risiken bleiben
Nach größeren Code-Änderungen wurde das Lending-Protokoll erneut geprüft: Halborn nennt im aktualisierten Bericht vom 12. Juni fünf Probleme, jedoch keine kritischen oder hochriskanten Schwachstellen. Die Funde wurden in eine mittlere, zwei niedrige und zwei informative Kategorien eingestuft.
Das schwerwiegendste Thema betraf einen potenziellen Umgehungsweg für das maximale Vermögenslimit eines Vaults über Kreditzinsen und wurde laut Halborn als behoben markiert. Weitere Punkte betrafen Randfälle bei Kaskadenausfällen, Vault-Sperren, Schonfristen und Einstellungen zur Cover-Rate; Halborn zufolge wurden auch diese adressiert.
Gleichzeitig trifft Ripple auf einen wieder wachsenden Markt: Die Silicon Valley Bank beziffert das Kreditvolumen über Kryptowährungen im ersten Quartal 2026 auf 67 Milliarden US-Dollar – fast 50 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Der Wettbewerb ist allerdings hoch, und der XRPL-Ansatz ist enger gefasst als viele stark „komposable“ Smart-Contract-Systeme. Das kann Institutionen ansprechen, die klare Regeln und standardisierte Ausführung bevorzugen, macht den XRPL aber auch weniger flexibel als offene DeFi-Bausteinkästen.
Wichtig ist zudem: Das Protokoll kann Ausführung standardisieren, nimmt aber Kredit-, Administrator- und Liquiditätsrisiken nicht aus dem System. Verluste hängen weiterhin von Underwriting, Konzentrationsrisiken, Liquiditätsmanagement und rechtlicher Durchsetzung ab – eher wie in klassischen Kreditmärkten als bei typischen Retail-Yield-Produkten.
Für XRP selbst gilt: Der Token wird im Netzwerk vor allem für Gebühren und Anti-Spam-Schutz genutzt. RLUSD und andere ausgegebene Vermögenswerte können auf XRPL bewegt werden, ohne dass XRP zwingend der geliehene Vermögenswert sein muss.
Entscheidend für Ripple ist nun, ob Validatoren die Standards freigeben und ob daraus dauerhaftes Onchain-Volumen entsteht – denn an dieser Annahme hängt, ob die neue Lending-Rolle dem XRPL tatsächlich mehr institutionelle Nutzung bringt.