Florida zieht die Zügel bei Krypto-ATMs an: Mit dem Gesetz HB 505 schafft der Bundesstaat einen verbindlichen Rahmen für sogenannte Virtual-Currency-Kioske. Kernpunkte sind auffällige Betrugswarnungen, detaillierte Receipts, eine Registrierungspflicht für Betreiber sowie harte Tageslimits: 2.000 US-Dollar für Neukunden und 10.000 US-Dollar für Bestandskunden. Besonders weitreichend ist eine neue Refund-Regel, die Betrugsopfern in bestimmten Fällen eine vollständige Erstattung der ersten Transaktion ermöglicht. Die meisten Vorgaben sollen am 1. Januar 2027 greifen, die Registrierungspflicht startet am 1. März 2027.
Warum Florida jetzt stärker eingreift
Auslöser für den neuen Rahmen sind vor allem steigende Betrugsschäden rund um Crypto-ATMs. Das FBI Internet Crime Complaint Center (IC3) meldete für Florida im Jahr 2025 1.213 Beschwerden im Zusammenhang mit Kryptowährungs-Kiosken, mit bereinigten Verlusten von 32,8 Millionen US-Dollar. National waren es 13.460 Beschwerden und fast 389 Millionen US-Dollar an Verlusten.
AARP Florida bezifferte die Dimension im Bundesstaat ebenfalls deutlich: Demnach gibt es in Florida mehr als 3.100 Crypto ATMs und über fünf Jahre hinweg mehr als 33 Millionen US-Dollar an gemeldeten Betrugs- und Scam-Verlusten im Zusammenhang mit solchen Automaten.
Limits, Warnungen, Belege: Das ändert sich für Nutzer
HB 505 verlagert die Betrugsprävention deutlich in die Abläufe der Betreiber. Vor einer Transaktion muss ein Kiosk eine auffällige Warnung anzeigen und Kunden aktiv danach fragen, ob sie am selben Tag bereits an anderen Kiosken Transaktionen vorgenommen haben. Die Tageslimits gelten ausdrücklich über mehrere Transaktionen und sogar über mehrere Kioske hinweg – ein wichtiger Punkt, weil Betrugsszenarien häufig darauf setzen, Opfer zu wiederholten Einzahlungen an unterschiedlichen Standorten zu bewegen.
Zusätzlich erhalten Kunden ein physisches oder elektronisches Receipt. Darin müssen unter anderem Kontaktdaten des Unternehmens, Betrag, Transaktions-Hash, verwendete Wallets, Gebühren sowie – falls relevant – Wechselkurs, Haftungshinweise und die Rückerstattungsregel aufgeführt sein.
Refund-Regel trifft Betreiber direkt – und schließt eine Regulierungslücke
Besonders einschneidend ist die Erstattungsvorgabe: Ein Kiosk-Unternehmen muss für die erste Virtual-Currency-Kiosk-Transaktion eines Kunden innerhalb von 72 Stunden den vollen Betrag erstatten, wenn der Kunde den mutmaßlichen Betrug innerhalb von 60 Tagen sowohl dem Unternehmen als auch einer Strafverfolgungs- oder Regierungsbehörde meldet und einen Nachweis vorlegt, etwa einen Polizeibericht oder eine notariell beglaubigte Erklärung. Damit trägt der Betreiber zumindest kurzfristig einen Teil des unmittelbaren Schadens – eine klare Verschiebung der Verantwortung weg vom reinen „Warnen“ hin zu finanziellen Konsequenzen für den Kioskbetreiber.
Das Florida Office of Financial Regulation hatte in einer Statut-Review im Dezember 2024 zudem eine Regulierungslücke beschrieben: Einige Kioskbetreiber konnten außerhalb der klassischen Money-Transmitter-Lizenzierung agieren. Die Behörde listete 26 bekannte Virtual-Currency-Kiosk-Anbieter in Florida, neun davon waren als Money Transmitter lizenziert. Lizenzierte Money Transmitter sind zwar von einer separaten Kiosk-Registrierung ausgenommen, unterliegen aber weiterhin den zentralen Betriebsregeln von HB 505. Gleichzeitig hatte die Behörde erklärt, dass Peer-to-Peer- und Zwei-Parteien-Kioskbetreiber keine Florida-Money-Transmitter-Lizenz benötigen, solange sie nicht als Vermittler auftreten.
Für Betreiber bedeuten Limits, Tracking über mehrere Kioske, neue Offenlegungspflichten und potenzielle Rückerstattungen zusätzliche Compliance-Kosten und eine Begrenzung des Umsatzes bei hohen Beträgen. Die gestaffelte Einführung bis 2027 gibt der Branche Vorlauf – und schafft den Behörden einen klaren Durchsetzungszeitpunkt. Entscheidend wird sein, ob Betreiber ihre Angebote in Florida in der bisherigen Breite aufrechterhalten oder ob Zugang und Gebühren spürbar angepasst werden. Klar ist: Ab 2027 steht nicht mehr nur das Verhalten der Nutzer im Fokus, sondern die Verantwortung der Betreiber, wenn ihre Kioske Teil von Betrugsabläufen werden.