Quantencomputer-Risiko: Was wird aus 1,7 Mio. Bitcoin?

Quantencomputer-Risiko: Was wird aus 1,7 Mio. Bitcoin?
Quantencomputer-Risiko: Was wird aus 1,7 Mio. Bitcoin? (BitcoinBasis.de | Image GPT)

Der bekannte Bitcoin Investor und Castle Island Ventures Mitgründer Nic Carter hat eine Debatte neu angeheizt, die in den nächsten Jahren deutlich wichtiger werden dürfte: Was passiert mit sehr alten Bitcoin Beständen, wenn Quantencomputer eines Tages gängige Signaturen knacken könnten? Carter beschreibt drei mögliche Wege, wie das Netzwerk damit umgehen könnte, und warnt davor, das Thema als reine Theorie abzutun.

Warum alte Bitcoin Bestände zum Problem werden könnten

Im Kern geht es um eine technische Umstellung hin zu Post Quantum Kryptografie, also neuen Signaturverfahren, die auch gegen leistungsfähige Quantencomputer sicher sein sollen. Carter geht davon aus, dass Bitcoin dafür zuerst per Soft Fork eine Übergangsphase bekommt. In dieser Zeit könnten Nutzer sowohl mit den heutigen Verfahren wie ECDSA oder Schnorr als auch mit neuen, quantensicheren Signaturen Transaktionen signieren.

Der schwierige Teil kommt laut Carter später: Wenn Bitcoin irgendwann die alten Signaturen komplett abschaltet, bleiben womöglich Coins zurück, die nie migriert wurden. Besonders häufig genannt werden dabei sehr frühe UTXOs im Format Pay to Pubkey. Carter verweist auf Schätzungen, nach denen etwa 1,7 Millionen BTC in solchen alten Ausgängen liegen könnten. Wenn ein wirklich starker Quantencomputer auftaucht, könnten genau diese Bestände leichter angreifbar werden als moderne Wallet Setups.

Drei Optionen: einfrieren, ignorieren oder rechtlich bergen lassen

Carter beschreibt drei realistische сценарien, wie Bitcoin und die Branche darauf reagieren könnten.

Option 1, Coins einfrieren: Coins, die nicht rechtzeitig auf neue Signaturen umgestellt werden, könnten auf Protokollebene blockiert werden. Carter erwartet, dass vor allem Institutionen, Börsen, Verwahrer, ETF Anbieter und Treuhänder diese Lösung bevorzugen könnten. Ihre Sorge: Ein Angreifer mit Quantenpower könnte sehr große, lange ruhende Bestände, inklusive potenzieller Satoshi Coins, plötzlich bewegen und damit Märkte erschüttern oder Vertrauen zerstören.

Option 2, nichts tun: Das Netzwerk lässt die alten Coins unangetastet, selbst wenn ein Risiko besteht. Das wäre die puristische Linie, die sagt: Bitcoin darf keine Sonderbehandlungen machen und keine nachträglichen Eingriffe in Eigentumsrechte erzwingen. Carter erinnert in diesem Zusammenhang an die Haltung vieler Hardliner: Die 21 Millionen seien fix, und selektive Eingriffe wie bei Ethereum nach dem DAO Hack 2016 seien mit Bitcoin Prinzipien unvereinbar. Auch bei Mt Gox wurden verlorene Coins nicht per Protokoll wiederhergestellt.

Option 3, rechtliche Bergung als Mittelweg: Carters bevorzugter Ansatz ist eine Art Legal Salvage, also eine rechtlich geregelte Bergung statt einer technischen Konfiszierung. In seinem Szenario baut ein US Unternehmen wie Google oder IBM als erstes einen kryptografisch relevanten Quantencomputer und arbeitet unter gerichtlicher Aufsicht. Die betroffenen Coins würden nicht einfach beschlagnahmt, sondern durch einen neutralen, gerichtlich bestellten Verwahrer eingesammelt, gesichert und, wo möglich, an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben. Nicht zuordenbare Bestände würden treuhänderisch gehalten, bis ein Gericht darüber entscheidet.

Wohin sich die Machtverhältnisse verschoben haben

Carter glaubt, dass die politischen und wirtschaftlichen Kräfte heute anders verteilt sind als früher. Während der Blocksize Konflikte 2015 bis 2017 hätten viele Idealisten großen Einfluss gehabt. Heute sei Bitcoin stärker in den Händen großer Unternehmen, Verwahrer, ETF Strukturen und Asset Manager. Dadurch hätten ökonomische Akteure mehr Gewicht, und das könnte die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich im Ernstfall die Freeze Position durchsetzt. Carter erwähnt außerdem, dass auch einige einflussreiche Techniker bereits signalisiert hätten, bei einer realen Quantenbedrohung eher für ein Einfrieren angreifbarer Coins zu sein.

Trotzdem bewertet Carter die Optionen klar: Am besten sei eine rechtliche Bergung, zweitbest ein Einfrieren, und am schlechtesten sei es, gar nichts zu tun. Gleichzeitig räumt er ein, dass ein Freeze Bitcoin zwar nicht zerstören würde, aber das Netzwerk dadurch dauerhaft anders wäre als zuvor.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag der Bitcoin Kurs bei rund 74.795 US Dollar.

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